Spanien, März 2024

Samstag, 2. März (Claus)

Wir fahren heute mit dem WoMo in die Stadt: Wocheneinkauf, Wassertank füllen (hat genau 6 Tage für uns gereicht) und Abwasser ablassen. Danach gehen wir ins Camping-Restaurant. Eigentlich, nur um einen Kaffee zu trinken, dann aber kommt uns die Idee, dass wir dort doch auch etwas zu Mittag essen könnten. Ich bestellte einen Burger mit schwarzem Brot. Ok. Dieser kam dann auch:

Das Mehl wird mit Aktivkohle gemischt. Ist leckerer als es aussieht.

Auf jeden Fall geniessen wir wieder die fantastische Aussicht und Lage des Restaurants an unserem Campinplatz.

Die Speisekarten sind mittlerweile auch 4-sprachig!

Morgen werden wir dann mal planen, wie es weitergeht. Jeannine hat noch bis/inklusive Mittwoch Schule. Leider soll es in der Woche oft regnen und „nur“ 16 Grad warm werden. Wir könnten also dann, ab ca. Donnerstag, weiterfahren – da es woanders auch regnerisch und kühler ist und wir ja mit der Schule abgeschlossen haben. Mal sehen.

Manchmal wird man beim Spülen mit wunderbaren Sonnenuntergängen belohnt.
Immer wieder ein Erlebnis: der nächtliche Blick von unserem Stellplatz auf Tarifa und die ,arokkanische Küste.

7. März, Donnerstag

Planänderung: Jeannine hat ihren Sprachunterricht bis zum Freitag (inkl.) verlängert. Also bleiben wir noch etwas länger hier. Seit 13:30 regnet es, was die nächsten Tage leider wohl so bleiben wird. Da es überall regnet, ist es auch OK, hier zu bleiben, wo wir unseren Platz haben, alles kennen und uns wohl fühlen. Zudem haben wir auch Bedenken,j einen neuen Platz zu finden (und das im Regen), da recht viele Leute unterwegs sind.
Also machen wir es uns im Auto gemütlich!


8. März, Freitag

(Claus) Gut haben wir beide einen „Kindle“ und können uns immer wieder neue Bücher „downloaden“. Denn außer Lesen bleibt einem nicht viel, da es fast ständig (seit gestern) regnet. Nichts, mit draußen sitzen und sich sonnen 🙁
Im WoMo wird es dann auf Dauer doch etwas eng, obwohl es gemütlich ist. Auch Dank unserer Dieselheizung (mit Thermostat).
Sobald Jeannine aus der Schule zurück ist, planen wir unsere „Wochenaktion“ durchzuführen. Heißt: Frischwasser auffüllen, Grauwasser ablassen und Einkaufen fahren. Mit viel Glück gibt es vielleicht einen Moment, in dem es nicht so stark regnet. Die Ausfahrt aus unserer Parzelle ist nämlich ziemlich „tricky“ – und ganz besonders, wenn der Boden sehr nass und rutschig ist. Rückwärts raus, einen kleinen Hang hinauf, dann vorwärts zwischen zwei engstehenden Bäumen hindurch zur Campingplatz-Strasse. Seit wir hier sind haben ich drei Fahrzeuge beobachtet, die beim Rangieren aufgesetzt haben. Wie wir mit unserer Trittleiter ja auch. Und in alle Fällen war es trocken. So ist dies bei einem Terrassen-Campingplatz: Sehr steile und enge Kurven, schmale Zufahrten und Wechsel der Bodenbeläge (Sand, Steine, Wurzeln und Beton)*.

*Hat heute sehr gut geklappt. Übung macht den Meister 😉

Montag, 4.3. bis Samstag, 9.3. (Jeannine)

Ich habe eine neue Routine entwickelt: Morgens ziehe mich nur an und fahre sofort nach Tarifa. Gefrühstückt wird bei Juan, in bereits erwähntem Café um die Ecke. Und zwar die ebenfalls bereits erwähnte tostada con tomate mit café con leche.

Spanisches Designercafé: Lo de Juan. Juan steht übrigens an der Theke.

Danach geht es in die Schule, um in der Pause ein zweites Mal bei Juan vorbeizugehen, diesmal nur auf einen café. Beim zweiten Mal sind immer irgendwelche Mitschüler dabei, also Rebecca, Nikki aus Schottland, oder unser neuester Zugang, Rim aus Marokko. Mit Rim kann man sich nur auf spanisch oder französisch verständigen, während Nikki sofort nach Verlassen des Schulraums ins Englische verfällt – mit starkem schottischen Akzent. Die Pausen sind deshalb immer ein ziemliches Sprachgemisch, was durchaus seinen Reiz hat.

Nach der Schule fahre ich gelegentlich noch in einem Supermarkt vorbei und bin gegen 14:30 Uhr wieder auf dem Campingplatz. Nach den Hausaufgaben hört mich Claus Vokabeln ab, und kurz darauf beginnt schon wieder die Abendroutine. 

Der Unterricht ist bei Dory zwar deutlich interessanter als bei Cindy, aber gegen das Desinteresse der beiden Jungs kann auch sie nicht viel ausrichten. Die beiden haben einfach nur Wing-Surfen im Kopf, der Spanischunterricht ist für sie wie Schule und muss mit dem geringstmöglichen Aufwand abgesessen werden. Das gibt gewisse Interessenskonflikte mit uns Erwachsenen, die wir das meiste aus dem Kurs herausholen möchten. An meinem letzten Schultag (Freitag) bin ich allein mit den beiden, und es gelingt kaum, sie aus dem Tiefschlaf zu holen. Eines ist klar: Wenn ich den nächsten Kurs belege, frage ich vorher nach, ob er jugendlichenfrei ist (letztes Jahr hatte ich ja das gleiche Thema mit zwei Schwestern). 

Jedenfalls werde ich herzlichst von Dory und von der Sekretärin Concha verabschiedet – dito von Juan und seiner Frau aus dem Café. Hasta el año próximo – bis nächstes Jahr! 

Am letzten Tag habe ich Glück mit dem Wetter. Obwohl es zwischendurch heftig schüttet, komme ich regenfrei nach Tarifa und wieder zurück. Für Samstag ist Regen und Sturm angesagt, und wir machen deshalb vorher nochmal unsere Ent- und Versorgungstour nach Tarifa. Den Samstag verbringen wir mehr oder weniger im Wohnmobil, das zweitweise vom Wind recht durchgeschüttelt wird.

Sonntag, 10.3. bis Montag, 11.3.

Nach dem völlig verregneten und stürmischen Samstag wird das Wetter am Sonntag langsam besser. Wir gehen zum Abschied zusammen mit unserem Langzeitnachbarn Tom in der Chozo-Bar Mittagessen. Tom und ich teilen uns einen Fisch, Claus isst Steak – und wir genießen das beste Essen, das wir bisher in Spanien hatten.

Eigentlich wollen wir am Montag abreisen. Aber es ist ja so schön hier! Wir lernen Geoff und Penny aus Northumberland in Nordengland kennen. Sie kamen vor dreißig Jahren das erste Mal hierher und sind der festen Überzeugung, Torre de la Peña sei der schönste Campingplatz der Welt. Wenn das stimmt, stehen wir zudem auf der schönsten Parzelle des schönsten Campingplatzes. Wir werden geradezu wehmütig – und bleiben noch einen Tag. 

Montag ist traumhaft schön und für Tarifa-Verhältnisse geradezu windstill. Zumindest vormittags. Ich fahre ein letztes Mal mit dem Rad in die Stadt.

Hafen von Tarifa mit Mole (limks) umd Leuchtturm aif der vorgelagerten Insel (rechts).

In der Innenstadt sind deutlich mehr Geschäfte und Restaurants geöffnet und deutlich mehr Touristen unterwegs. Überall hängen Plakate, die auf die Semana Santa, die heilige Woche vor Ostern, hinweisen. Von Palmsonntag bis Ostersamstag gibt es in allen spanischen Städten Prozessionen. Zu getragener Musik und dumpfen Trommeln werden Altäre durch die Straßen getragen. Die Prozessionsteilnehmer tragen Kutten und spitze Kapuzen, die an den Ku-Klux-Clan erinnern (vermutlich sind die spanischen Kostüme älter). Das Ganze sind Büßer-Prozessionen. Heute ist jedenfalls von Buße nichts zu spüren. Statt dessen herrscht eine heitere, entspannte Atmosphäre im Städtchen.

Dienstag, 12. März

Nach innigen Verabschiedungen mit diversen „abrazos“ (Umarmungen) von den Campingplatzmitarbeitern starten wir.  Das heutige Ziel ist Malaga, wo es eine lebendige Kunstszene anzuschauen gibt. Wir kaufen nochmal ein, tanken und trinken einen Abschiedskaffee auf dem (höchsten) Aussichtspunkt zwischen Tarifa und Algeciras. Den Stellplatz oberhalb von Malaga finden wir erst auf den dritten Anlauf. Wir haben zwar reserviert, aber der Platz ist voll und  gefällt uns überhaupt nicht. Also zum nächsten Campingplatz am Meer. Auch dort drehen wir eine Ehrenrunde, bis wir den Eingang gefunden haben. Auch dort ein Hinweisschild, das alles voll ist. Jetzt haben wir die Nase voll und entschließen uns weiterzufahren. Am Ende landen wir auf dem Stellplatz in Antequera, wo wir letztes Jahr schon mal waren. 

Stellplatz in Antequera – mit phantastischem Blick in die Umgebung.

Also, das mit dem spontanen Herumreisen wird wohl nicht so klappen wie wir uns das vorgestellt haben. Zumindest nicht an der Küste. Letztere werden wir jetzt erstmal meiden. Dito die großen Städte. 

Mittwoch, 13. März

In der Nacht stürmt es, dass das Wohnmobil wackelt. Wir haben offensichtlich den Wind aus Tarifa mitgebracht. Der starke Wimd macht auch unseren geplanten Ausflug zu den Felsformationen von El Torcal, etwa 10 km oberhalb von Antequera, wenig sinnvoll. Wir machen nur einen Ausflug in die Stadt, ich schaue mir nochmal die phantastischen Bilder von Cristobal Toral an, dem ich letztes Jahr im hiesigen städtischen Museum entdeckt hatte.

Gepäck und Koffer symbolisieren für Christobal Toral das Leben schlechthin.

Und wir gehen essen im Aussichtsresgaurant El Mirador, das wir von unserem Stellplatz aus zu Fuß erreichen können. Und egal wo wir sind, sieht man (fast) von überall den markanten „Berg der Liebenden“ (La Peña de los Enamorados).

Der Legende nach sollen sich im Mittelalter ein junger Christ und seine heimliche muslimische Geliebte auf der Flucht vor ihrem Vater von dem Felsen in den gemeinsamen Tod gestürzt haben. Der markante Fels mit dem gen Himmel blickenden Gesicht war allerdings schon in prähistorischer Zeit ein wichtiger Bezugspunkt – noch vor der christlich-muslimischen Romeo-und-Julia-Geschichte.

Donnerstag, 14. März

Heute ist ein perfekter Tag für unseren Ausflug zum Naturpark El Torcal. Auffaltungen und Erosion haben aus dem Karstgebirge südlich von Antequera eine wahre Skulpturenlandschaft bizarrer Felsformationen geschaffen.

Als wir gegen 11 Uhr auf dem Parkplatz ankommen (und auch gleich einen Platz finden), ist schon recht viel Betrieb. Es gibt eine Rundwanderung durch das Gebiet, die praktisch alle machen. Man startet sozusagen gemeinsam – in unserem Fall zwischen zwei Schulklassen. Aber die müssen ja notgedrungen immer wieder anhalten, um den Erklärungen der Lehrerin zu folgen, und können deshalb überholt werden. Irgendwann ist man dann ziemlich allein und kann die bizarren Felsformationen auf sich wirken lassen.

Zurück am Ausgangspunkt ist der Parkplatz inzwischen brechend voll, und von Bergruhe nichts mehr zu spüren – oder zu hören. Nichts wie weg hier! 

Wir gehen nochmal im Aussichtsrestaurant mittagessen, weil wir später bei unseren englischen Camping-Nachbarn Penny und Geoff (vom Campingplatz in Tarifa) eingeladen sind. Sie haben ganz in der Nähe von Antequera ein Haus und haben uns so herzlich gebeten, doch einen Abstecher zu machen, dass wir nicht nein sagen wollten. Auf dem Weg in das Dorf Villanueva de Algaidas führt uns das Navi leider quer durch die Altstadt von Antequera. Eigentlich wissen wir ja, dass wir die Umfahrung nehmen sollten, aber manchmal folgt man eben einfach brav den Anweisungen – und muss dann häifig die Luft anhalten. Es ist nicht nur eng und steil, sondern offensichtlich auch Schulschluss. Die Sträßchen sind gepackt voll mit Kindern und Eltern. 

Hinter Antequera wird es aber gleich leerer und weiter. Die rollenden Hügel sind getupft mit endlosen Reihen von Olivenbäumen. Auch der Ort Villanueva de Algaidas scheint von der Olivenproduktion zu leben, wie die Ölmühle gleich am Ortseingang signalisiert. Übrigens nicht nur dieser Ort. Andalusien ist das weltweit größte Anbaugebiet von Oliven. Es gibt 200 Millionen Olivenbäume in der Provinz – 23 Bäume auf jeden Einwohner. 

Penny und Geoff haben sich hier vor zehn Jahren ein Haus gekauft. Die ersten Jahre nutzten sie es nur als Ferienhaus, inzwischen teilen sie das Jahr auf in eine Hälfte Spanien und eine zuhause in Nordengland (bei Kindern und Enkeln). Die ersten Jahre haben sie das Haus mit sehr viel Eigenarbeit instand gesetzt, jetzt ist der Garten dran. Geoff war Geologie-Professor und ist sehr interessiert an unser geplanten Erdsondenbohrung zuhause. Er will als erstes wissen, durch welche Gesteinsschichten gebohrt werden soll – aber dabon haben wir natürlich überhaupt keine Ahnung. Er lädt sich sofort die geologischen Daten der Schweiz herunter und gibt uns per whatsapp eine erste Einschätzung. Es ist ein unterhaltsamer Nachmittag, während dessen wir buchstäblich über Gott und die Welt plaudern. Praktischerweise gibt es in Villanueva de Algaidas einen Stellplatz, so dass wir nicht mehr weit fahren müssen. 

 Freitag – Samstag, 14. – 15. März

Auf dem Stellplatz können wir alles entsorgen und Frischwasser tanken. Um die Ecke gibt es außerdem einen Supermarkt. Wir fahren nur etwa 150 km nach Grazalema in den gleichnamigen Bergen. Dort waren wir schon letztes Jahr, aber ohne eine der Wanderungen zu unternehmen, die hier möglich sind. Der Weg dorthin führt uns durch Olivenebenen und Olivenhügel immer weiter in die Berge.

An einem Felsen kreisen sicher 50 Geier – die wir leider nicht fotografieren können, weil wir nirgends anhalten können. Ein majestätischer Anblick.

Wir stehen wie letztes Jahr auf einem Stellplatz am oberen Ende des Dorfes. Außer Mülleimern gibt es hier zwar keine Infrastruktur, dafür aber einen sagenhaften Blick aufs Dorf und hinunter ins Tal. Der Platz ist äußerst beliebt bei Campern, wir sind also nicht allein!

Die Wanderwege hier sind zum Teil perfekt ausgeschildert- zum Teil aber leider nicht. Am Freitag klappt die kleine Nachmittags-Wanderung ganz wunderbar, am Samstag muss ich leider umkehren. Aber egal, das Wetter ist traumhaft, und es gibt wunderbare Ausblicke in alle Richtungen. Und auch hier kreisen die Geier, wenn auch nicht so viele.

Blick von Süden auf Grazalema.
Ach ja, Gemsen gibt es hier auch!
Oberhalb von Grazalema liegt ein kleiner Stausee.

Wir stehen ja wie gesagt auf einem Stellplatz zwischen diversen anderen Wohnmobilen. Das kann gelegentlich nervig sein, je nachdem wer es ist und was sie so machen. Oder es kann für ungeahnte Erlebnisse sorgen. Wie z.B. Samstag Abend, als wir in den Genuss eines Privatkonzertes kommen. Ein Gitarrist spielt und singt spanische klassische Lieder. Er hat eine eher leise, fast rauchige Stimme, die perfekt zu den melancholische Klängen der Musik passt. Seine Frau sitzt auf dem Stuhl gegenüber und hält eine Art Riesen-Kindle mit den Noten. Wir bedanken uns und genießen, bis die Abendkälte uns alle in die Autos treibt.

Sonntag bis Mittwoch, 16. bis 20. März

Wir müssen dringend waschen und suchen deshalb einen Campingplatz. Das ist gar nicht so einfach. Viele haben noch nicht geöffnet, und viele sind voll. Wir finden schließlich einen geöffneten und nicht belegten Campingplatz in einem Naturpark nordöstlich von Sevilla. Der Weg dorthin führt uns zunächst auf Serpentinen aus der Sierra de Grazalema heraus. Zwischendurch genießen wir wunderbare Ausblicke auf das schroffe Karstgebirge. Allerdings kommen uns Dutzende von Motorradfahrern entgegen, für die Verkehrsregeln nicht gelten. Klar, es ist Sonntag und schönes Wetter! Nach dem Gebirge folgt die weite, fruchtbare Ebene des Quadalquivir.

Felder soweit das Auge reicht. Und ausnahmsweise keine Olivenbäume!

.Mittendrin erhebt sich ein Hügel, auf dem das Örtchen Carmona thront. Es hat eine maurische Festung (natürlich) und eine interessante Kirche im Mudejar-Stil, deren Turm der Giralda in Sevilla nachempfunden ist. 

Maurische Alcazaba in Carmona.
Kirche und Kirchturm in Carmona.

Nachdem wir den Fluß überquert haben, wird es langsam wieder hügeliger, und wir fahren ins nächste Naturschutzgebiet, die Sierra Morena. Auf winzigen Sträßchen erreichen wir den Campingplatz, und der ist wirklich im absoluten Nirgendwo. Er gehört zum Dorf Cazalla de la Sierra, ist aber 10 km außerhalb davon. Erstaunlich ist, dass er überhaupt geöffnet hat. Außer uns stehen hier genau noch zwei Wohnmobile. Wir sind also zu dritt auf dem gesamten Campingplatz und teilen uns eine große Wiese, auf der Raps in voller Blüte steht und mit seinem Duft eine Armada von Bienen anlockt. Ein prächtiger Hahn stolziert in der Gegend herum, im Gefolge zwei ebenso schöne Hühner.

Eine Bahnlinie führt am Campingplatz entlang, auf der alle zwei Stunden ein Zug entlang fährt. Gelegentlich wird gearbeitet: Am Montag reinigt eine Bahnequipe den Grünstreifen entlang der Gleise, und Mittwoch wird der Campingplatz mit einer Motorsense gemäht. Ansonsten ist hier die absolute Stille! Nicht mal Handyempfang gibt es hier.

Fast wie Wildcampen!

Die Gegend ist absolut perfekt zum Radfahren. Neben der aktuellen Bahnlinie führt eine stillgelegte Trasse, die zu einer „via verde“ umgebaut wurde. Auf diesen grünen Wegen (die es ja auch in Italien und in Frankreich gibt) ist das Radfahren ein absolutes Vergnügen. Aber auch die Landstraßen sind schöne Radstrecken, weil es praktisch keinen Verkehr gibt. Eventuell liegt es am Naturschutzgebiet, dass hier kaum Landwirtschaft betrieben wird. Es gibt Wiesen, Bäume, kleine Wälder, vorwiegend aus Korkeichen. Einige Schafe, Ziegen und Kühe grasen vor sich hin, das Ganze aber wirklich sehr extensiv. Gelegentlich versteckt sich ein Weingut in einem der Täler. Aber ansonsten – Natur pur, durch die man kilometerweise radeln kann, ohne einem Menschen zu begegnen. Vielleicht ist es am Wochenende anders. Wir genießen jedenfalls jede Minute. Am letzten Tag fahren die beiden anderen Wohnmobile weg, und wir stehen ganz allein auf unserer Wiese. Am Abfahrtstag wird die Wiese gemäht – Zeit zu gehen.

Im nächsten Dorf San Nicolás del Puerto: Storchennest auf dem Kirchturm.

Donnerstag, 21.3. bis Freitag, 22.3.

Auf besagten Sträßchen kurven wir mit 25 km/h durch das Naturschutzgebiet, bis wir auf größere Straßen weiterfahren können Richtung Mérida. Wir vergeben ja interne Namen für die Campingplätze, die wir besuchen. So nennen wir den letzten Platz „Raps-Camping“. Beim Campingplatz in Mérida haben wir uns anfangs noch überlegt, von welchen Tieren wohl die recht großen Köttel auf dem Platz stammen. Ganz klar, wir sind auf dem „Schafs-Camping“. 

Camplingplatz in Mérida mit natürlichen Rasenmähern.

Mérida ist die Hauptstadt der Provinz Extremadura und war 25 v.Chr. vom römischen Kaiser Augustus als Kolonie für Veteranen römischer Legionen gegründet worden. Im Laufe der Zeit errichteten die Römer mehrere repräsentative Gebäude, von denen viele heute noch als Ruinen existieren. Ein imposantes Aquädukt spannt sich über das 830 m breite Flusstal und bestand ursprünglich aus 100 Pfeilern. Heute nisten Störche auf den Pfeilerresten. 

Acueducto de los Milagros in Mérida.

Die Puente Romano mit ihren 62 Pfeilern auf 755 Metern gilt als die längste Brücke, die aus der Antike erhalten blieb.

Bis in die 90er Jahre floss der Verkehr über die alte römisch Brücke in Mérida.

In unmittelbarer Nähe kommt  man an einer anderen Bogenbrücke vorbei, die durch ihre Leichtigkeit und Eleganz besticht und aussieht als wäre sie von Santiago Calatrava. Was sie auch ist! Die Lusitania-Brücke wurde Anfang der Neunziger Jahre errichtet. Bis dahin floss der Verkehr über den Fluß Guadina noch über die alte Römerbrücke. 

Lusitania-Brücke von Calatrava.

Für die Unterhaltung ihrer Veteranen, errichteten die Römer ein Amphitheater, in dem heute noch Theaterfestspiele ausgetragen werden, sowie den größten Circus Maximus des Reiches für Wagenrennen (Ben Hur…). In der 600 Meter langen und 140 Meter breiten Arena hatten bis zu 250.000 Menschen Platz! Kaum vorstellbar, selbst für heutige Verhältnisse nicht.

Samstag, 23.3. bis Sonntag, 24.3.

Wir fahren in den Nationalpark de Monfragüe, der für seine Greifvogelkolonien bekannt ist. Bereits auf dem Weg dorthin entdecken wir eine weitere Besonderheit der Gegend, sogenannte „dehesas“. Das sind naturbelassene Weiden mit Stein- und Korkeichen, auf denen Schafe, Ziegen und Rinder weiden; oder Schweine, die sich an den Eicheln gütlich tun und sich dabei den berühmten „pata negra“ anfressen (den bekanntesten spanischen Schinken). Unsere Reisezeit ist absolut perfekt. Die Weiden stehen in voller Blüte und sind berückend schön. Sie erinnern an Landschaftsgemälde aus dem 18. Jahrhundert. Es fehlt nur die Schäferin, die an einer Steineiche lehnt. 

Auf den Weiden blühen Frühlingsblumen und grasen Schafe.

Im Naturschutzgebiet ist ein großes Wasserreservoir, das von verschiedenen Flüssen gespeist wird. An einer Engstelle stehen sich auf beiden Seiten hohe, karstige Felswände gegenüber, in denen Geier hausen. Der Aussichtspunkt „Salto de Gitano“ (Zigeunersprung) ist ein beliebter Punkt, um die Geier kreisen und von den Felswänden herunter stürzen zu sehen.

Wer zur Burgruine hochläuft, die oberhalb der Felsen thront, wird mit phantastischen Ausblicken auf die Gegend belohnt.

Die Geier sind äußerst majestätisch, wenn sie in der Luft sind, aber von beeindruckender Hässlichkeit, wenn sie nicht fliegen. Wir fahren an einem Tümpel vorbei, an dem sicher zehn Geier stehen, als warteten sie auf das nächste Aas. Leider können wir nicht anhalten, um diesen Anblick zu fotografieren.

Montag, 24.3. bis Mittwoch, 26.3.

Eigentlich wollen wir zu einem Stellplatz in die Kleinstadt Plasencia fahren. Allerdings ist der Platz völlig überfüllt, und wir kommen nur mit einem mühsamen Rückwärtsmanöver wieder heraus. Wir landen auf einem Campingplatz außerhalb des Städtchens, der allerdings nicht so toll ist, und fahren am nächsten Tag das Tal de Jerte weiter bis Navanconcejo. Das Tal ist bekannt für seine vielen Kirschbäume, die zur Zeit in voller Blüte stehen. Der  Campingplatz hat ein sehr gutes Restaurant und die hübschesten Bungalows, die wir je gesehen haben. Es sind kleine Steinhäuschen, wie an einer Dorfstraße aufgereiht.

Kirschblüte im valle de Jerte.
Das ist Lebensfreude pur! Fresco in der Dorfmitte von Navanconcejo.

Leider wird das Wetter immer schlechter. Während wir am Ankunfstag noch einen Spaziergang ins Dorf machen können, schüttet es am Mittwoch von morgens bis abends. Da wünscht man sich eines der Steinhäuschen, aus denen der Geruch von Holzfeuer dringt. 

Trübe Aussichten!

Donnerstag, 27.3. bis Sonntag, 31.3.

Ja, und dann gibt es am Mittwochabend noch eine schlechte Nachricht aus der Heimat, die klar macht, dass wir nach Hause fahren müssen. Die Strecke die wir eigentlich gemütlich in den verbleibenden vier Wochen fahren wollten, fahren wir nun in 3,5 Tagen. Leider spielt das Wetter nicht mit, d.h. entweder es schüttet oder es stürmt. Am Donnerstag schaffen wir es bei orkanartigen Windböen bis Victoria-Gasteiz im Baskenland. Freitag regnet es sintflutartig, so dass wir uns teilweise mit 60 km/h über die Autobahn quälen. Wir landen auf dem schönsten Stellplatz unserer Tour kurz vor Carcassonne im Dörfchen Bram.

Diese Skulptur auf einem Rastplatz bei Pau erinnert an die Pyrenäen-Etappen der Tour de France.

 Nach einem letzten Stop auf unserem „Schrankencamping“, dem Stellplatz in Aix-les-Bains sind wir am Ostersonntag Nachmittag wieder zuhause.

Alpenpanorama im Thurgau.

…..

Spanien, Januar/Februar 2024

Mittwoch, 24.1.

Wir starten – endlich! Bei Sturm und Regen cruisen wir durch die Schweiz und erreichen ohne große Zwischenfälle unseren ersten Übernachtungsplatz in Aix-les-Bains. Nachdem wir schon mehrmals dort waren, finden wir auch im Dunkeln den Weg und können das Bezahlterminal auf Anhieb zum Öffnen der Schranke motivieren. Das Chili con Carne ist schnell aufgewärmt und ebenso schnell gegessen, und wir fallen um 22 Uhr ins Bett.

Donnerstag, 25.1. 

Schon vor der Abfahrt überlegen wir, dass wir auf dem Weg nach Spanien einen Zwischenstopp einlegen könnten, z.B. in Avignon. Von Aix-les-Bains sind das knappe 300 km. Wie sich herausstellen wird, werden wir mehrere Zwischenstopps benötigen. Bereits nach etwa 70 km werden wir von der Autobahn heruntergeleitet, ohne dass eine Ausweichstrecke ausgeschildert wäre. Das Gleiche passiert uns kurze Zeit später nochmal. Irgendwann begreifen wir, dass auch die Hauptautobahn Richtung Marseille gesperrt ist, und zwar über etwa 150 km. Wir können uns keine Baustelle über diese Länge vorstellen. Aber kein Problem, wir fahren ja auch gerne auf Landstraßen. Das machen wir also und zuckeln auf kleinen Sträßchen durch das Departement Drôme. Inzwischen scheint die Sonne, kein Wölkchen ist am Himmel, wir gondeln durch malerische Landschaften und pittoreske Dörfer, an Lavendelfeldern und Weinreben vorbei. Allerdings sind wir nicht allein. Nicht nur wir müssen eine Ausweichroute für die gesperrte Autobahn suchen.  Die anderen Autofahrer und vor allem die LKWs preschen ebenfalls über die schmalen Landsträßchen  und durch die pittoresken Dörfer. Mehrmals halten wir die Luft an, wenn uns ein 30-Tonner in einer Kurve den Weg abschneidet. Claus fährt souverän wie immer, aber es wird zunehmend anstrengender.

Die Lavendelfelder sind um diese Jahreszeit noch grau.
Stau vor malerischer Kulisse: typische französische Allee.

In einem Dorf namens Sainte-Cécile-les-Vignes geht dann gar nichts mehr. Von allen Zufahrtstraßen quetscht sich der Schwerlastverkehr in das Dorf und blockiert sich gegenseitig. Die (einzige) Kreuzung in der Dorfmitte sieht aus, als hätte jemand eine Handvoll Bauklötze hineingeworfen. Eine einsame Polizistin bemüht sich ebenso verzweifelt wie vergeblich, die Klötze zu sortieren und den Verkehr zu regeln. Wir brauchen eine geschlagene Stunde für die 1,5 km lange Ortsdurchfahrt.

Schon kurz vor dem Stau beschließen wir, nicht mehr bis Avignon zu fahren, sondern den nächstgelegenen Stellplatz nähe Orange anzusteuern. Er gehört zu einem landwirtschaftlichen Betrieb, und der Platzwart löst dann auch das Rätsel der Autobahnsperrung und des heutigen Verkehrschaos: Bauernproteste!  Landwirte blockieren die wichtigsten Autobahnen über Hunderte von Kilometern. Den französischen Landwirten geht es auch um die Steuern auf Agrardiesel, aber nicht nur. Sie bemängeln immer geringere Einkünfte bei gleichbleibend (viel) Arbeit, zunehmende Bürokratisierung sowie die immer knapper werdenden Wasserresourcen. Übrigens markieren die Bauern ihre Proteste auch dadurch, dass sie die Ortsschilder verkehrt herum anschrauben.

Ortsschild aif dem Kopf als Zeichen des Protests.

Am Wochenende soll ganz Paris von Traktoren abgeriegelt werden. Unser Gastgeber erklärt uns, wie wichtig das sei!

Stellplatz mit Vollmond bei Orange.

Wir sind nach sieben Stunden Fahrt für 290 km ziemlich geschafft und freuen uns nur noch auf Spaghetti, Rotwein und die Koje. Morgen werden wir überlegen, ob wir einfach ein paar Tage an der französischen Mittelmeerküste abwarten oder versuchen sollen, so schnell wie möglich auf Schleichwegen nach Spanien zu gelangen.

Freitag, 26.1.

Wir entscheiden uns für die Variante Abwarten am Meer. Mit der Navigationsapp von tomtom (empfehlenswert!) umschiffen wir die Staus in Orange und fühlen uns wie ortskundige Einheimische. Ohne Verzögerungen fahren wir an Avignon vorbei und durch die Camargue, wo tatsächlich überall die sprichwörtlichen weißen Pferde herumlaufen, an die Küste nach Saintes-Maries-de-la-Mer. Der Ortsname bezieht sich auf zwei Marien (Maria Salome und Maria Jakobäa), die die Auferstehung Christi miterlebt haben und im Jahre 45 n.Chr. in einer Barke über das Mittelmeer in die Camargue gelangt sein sollen. Mit dabei ihre Dienerin Sara. Die Reliquien aller drei heiligen Frauen sind in der Krypta der Hauptkirche des Ortes „Unsere liebe Frau des Meeres“ bestattet. Die Reliquen der heiligen Sara sind Ziel einer jährlichen Pilgerfahrt von Zigeunern, die jedes Jahr im Mai stattfindet. 

In der Krypta der romanischen Kirche in Saintes-Maries-de-la-Mer liegen die Reliquien der drei Heiligen.

Von Pilger- oder touristischem Rummel ist bei unserem Besuch allerdings nichts zu spüren. Die Bürgersteige sind hochgeklappt, ca. 95% aller Restaurants, Geschäfte, Hotels und alle touristischen Attraktionen geschlossen. Das Städtchen liegt in tiefem Winterschlaf. Das ermöglicht einen einsamen Strandspaziergang bei schräger Wintersonne. Auch schön.

Wintersonne am Strand in der Camargue.
Und Abendstimmung!

Die größte Herausforderung wird sein, hier wieder wegzukommen. Für das Wochenende haben die Bauern den Streik nochmal ausgeweitet. Die gesamte Autobahn bis zur spanischen Grenze ist gesperrt. Immerhin gibt es schlimmere Gegenden als die Camargue, in denen man stranden kann. 

Samstag, 27.1.

Wir beschließen, unser Glück zu versuchen und vertrauen auf tomtom für die Stauvermeidung. Das klappt mit wenigen Ausnahmen auch ganz wunderbar, und wir fahren auf malerischen Routen und kleinen Nebensträßchen bis kurz hinter Narbonne.

Ab dort ist die Autobahn wieder frei. Welch eine Wohltat! Dafür steht der Verkehr auf der gegenüberliegenden Fahrbahn auf einer Strecke von etwa 20 Kilometern.

Wir haben freie Bahn, aber gegenüber staut sich der Verkehr über 20 Kilometer. D.h. Dort standen auf drei Fahrspuren rund 3000 LKWs.

Nach 6 Stunden Fahrtzeit für 370 km landen wir in Figueres, kurz hinter der französisch-spanischen Grenze.

Sonntag, 28.1.

Wir machen einen Abstecher zum Dalí-Museum. Salvador Dalí lebte die meiste Zeit seines Lebens in der Nähe seines Geburtsortes Figueres. Das Städtchen vermachte ihm das ehemalige Stadttheater, das Dalí in mehreren Jahren zu seinem eigenen Museum umbaute und umgestaltete: zum Teatro-Museo Dalí. Das ganze Gebäude ist ein Gesamtkunstwerk und bis in die letzte Nische mit Installationen, Skulpturen, Zeichnungen und Gemälden bestückt. Dalí lädt die Besucher ein, in seinen surreal-phantastischen Kosmos einzutauchen. Ins Auge springen die Installationen wie der Cadillac im Eingangsbereich, auf dessen Dach eine nackte Frau steht, die ein umgedrehtes Geisterschiff hinter sich herzieht.

In Dalís „Regentaxi“ werden zwei Schaufensterpuppen bewässert. Oben das imgedrehte Geisterschiff.

Oder der Mae West-Raum, in dem das Bild Dalís „Das Gesicht von Mae West“ nachgestellt wird; das eigentliche Bild entsteht, wenn man auf eine Leiter steigt und durch eine große Linse blickt.

Am beeindruckendsten jedoch sind die Bilder, Grafiken, Tuschezeichnungen und ein großes Deckenfresco, die Dalís grandioses Können zeigen. Nicht nur, dass er zeitgenössische Maler wie Picasso, Matisse oder Fernand Léger perfekt und mit einem Augenzwinkern adaptieren konnte.

Vor allem entwickelte er seine surreale Traumwelten mit großer Präzision und technischen Können. Jede Oberfläche, jede Textur, jeder Hintergrund zeigen Nuancen und Tiefe. Jeder Strich sitzt. Egal, ob es ein Ölgemälde in Miniaturformat oder ein Deckengemälde von etwa 10 x 4 Metern handelt. Die schiere Fülle an Eindrücken ist zu viel für nur einen Besuch. Wir waren sicher nicht das letzte Mal hier.

Soft Self Portrait.
Allgegenwärtig: Dalís Frau und Muse Gala. Hier als „Gala atomique“.

Nach dem Besuch im Dalí-Museum fahren wir nach Calafell, das ziemlich genau zwischen Barcelona und Tarragona liegt. Der Stellplatz liegt auf dem Hafengelände und ist nicht direkt schön, aber speziell. Wir machen einen Spaziergang am Hafen – zumindest soweit es die Absperrungen zulassen – und landen in einem Strandrestaurant mit Sonnenuntergang. Den genießen wir zusammen mit einem deutschen Paar aus Berlin, das einen Zweitwohnsitz im französischen Carcasonne hat. Nachdem die Sonne untergegangen ist, müssen wie noch bis 20 Uhr warten (zwischenzeitlich legen zwei Stromausfälle alles lahm),  bevor uns das Restaurant etwas zum Essen serviert. Der Magen hängt uns in den Kniekehlen, aber die Fleischportionen (es ist ein argentinisches Restaurant!) lassen jeden Hunger bald vergessen.

Montag, 29.1.

Wir fahren weiter Richtung Valencia. Es geht entlang endloser Orangen- und Olivenplantagen, Richtung Meer mit Blick auf Bettenburgen im Hochhausformat. Der Campingplatz südlich von Valencia, den wir uns ausgesucht haben, liegt in einem Naturschutzgebiet zwischen Meer und einem Binnensee. Er bietet so ziemlich jede Animation, die man sich vorstellen kann, von Spa bis Reitparcours, aber das brauchen wir alles nicht. Eigentlich wären wir gerne zwei Nächte geblieben, aber es ist alles ausgebucht. Im Januar! Die gleiche Auskunft werden wir auch auf dem nächsten Campingplatz erhalten. Spanien im Winter ist beliebt bei Campern.

Dienstag, 30.1.

Wir werden also heute weiterfahren. Vorher schaue ich mir jedoch in Valencia die Gebäude von Santiago Calatrava an. Der Bus fährt auf direktem Wege vom Campingplatz zur „Stadt der Künste und Wissenschaften“. Das Gebäudeensemble liegt im ausgetrockneten Flussbett des Túria, und besteht aus einem Aquarium („Océanografíc“),  einem Veranstaltungszentrum für Vorträge und Konzerte („Àgora Caixaforum“), einem naturwissenschaftlichen Museum, einer Art Orangerie im Freien („Umbracle“), einem Kino („Hemisfèric“) und einem Konzert- und Opernhaus („Palau des les Arts“). Die Gebäude erstrecken sich über ein Gelände von rund einem Kilometer. Sie werden durch Wege und Wasserbecken verbunden, in denen sich die Gebäude spiegeln. Zwei Brücken überqueren das Gelände, die Pont de Montolivet im Norden und eine spektakuläre Schrägseilbrücke, Pont de L‘Assut d‘Or, im Süden. Beide natürlich ebenfalls von Calatrava. 

Caixa-Forum und Schrägseilbrücke Pont de l‘Assut d‘Or.
Palau des les Arts.

Alle Elemente sind aus hellem, fast weißen Beton gefertigt und teilweise mit weißen Fliesen verkleidet, wodurch ein Wechsel von stumpfen und glänzenden Oberflächen entsteht. Außerdem reflektieren alle Bauteile, die direkt über den Wasseroberflächen liegen, die Wasserfarbe. Sie erscheinen heute in einem hellen Türkiston. Diese Farbe wiederum hängt wahrscheinlich von der Farbe des Himmels ab, der heute leider bedeckt ist. 

Die Kuppel in Hemisfèric ist weiß gefliest.
Die Unterseite des Trägers Naturwissenschaftlichen Museum reflektiert das Wasser und schimmert türkis,

Calatrava ist nicht nur bekannt für seine kühnen Brückenbauten, sondern auch dafür, Strukturen aus der Natur zu adaptieren. Manche Elemente erinnern an Blattrippen oder an Astgabelungen. „Hemisfèric“ kommt wie ein gigantisches Insekt daher. 

Insekt? Oder UFO? Calatravas Kino Hemisfèric.

Die Altstadt von Valencia ist ein Kontrastprogramm zu Calatravas kühner, moderner Architektur. Eines der markantesten Gebäude aus dem Mittelalter ist die Lonja de la Seda, die alte Seidenbörse. Sie gilt als eines der bedeutendsten Gebäude der profanen Gotik in Europa. Besonders beeindruckend ist der „Vertragssaal“. Acht spiralförmige Säulen gehen ohne Kapitelle in die Kreuzbögen der Deckengewölbe über und tragen die 14 Meter hohe Decke. An den Außenwänden nehmen Halbsäulen die Deckenlast auf und ermöglichen, dass die Außenmauern „nur“ zwei Meter dick sind.

Spiralförmige Säulen im „Vertragssaal“ der Seidenbörse.

Im ersten Stock hat das sogenannte Meereskonsulat („Cosolado del Mar“) eine unglaublich reich verzierte Kasettendecke und einen ebenso schönen dreifarbigen Marmorfußboden.

Kasettendecke und Marmorfußboden im Meereskonsulatsraum.

Direkt gegenüber der Seidenbörse liegt die Markthalle von Valencia, die zwischen 1914 und 1928 im valencianischen Jugendstil erbaut wurde. Mit der großen Glaskuppel im Zentrum und den beiden Längsschiffen erinnert sie eher an eine Kirche als an ein kommerzielles Gebäude. Das kleinere der beiden Schiffe ist ausschließlich dem Verkauf von Fischen und Meerestieren gewidmet. In der größeren Halle gibt es alles Weitere, was das Herz begehrt, von Safran in verschiedenen Qualitätsstufen bis zu Monster-Radieschen.

Glaskuppel in der Markthalle vo. Valencia.
Monster-Radieschen gefällig?

Bei der Rückfahrt mit dem Bus lege ich einen Umweg ein. Wer denkt denn auch, dass die Linie 24 nicht zur gleichen Endstation fährt wie die Linie 25… Ich lande zwar nur etwa 2 km vom Campingplatz entfernt, aber dazwischen liegt ein See! Der Busfahrer ist sehr nett und lässt mich kostenlos eine Station zurückfahren, wo Claus mich mit dem Wohnmobil aufliest. 

Da wir ja auf dem Campingplatz in Valencia nicht bleiben können, fahren wir zu unserer nächsten Station nach Sax, etwa 50 km nordwestlich von Alicante. Der Ort liegt zwar eigentlich im Nirwana, aber nahe einer Autobahn und bietet sich deshalb als Übernachtungsplatz an. Auf dem Campingplatz waren wir bereits zweimal und haben die Herzlichkeit der Betreiber, Charmaine aus Englandund Julien aus Frankreich, schätzen gelernt. Wir würden sehr gerne zwei Nächte bleiben, aber auch hier ist alles ausgebucht. So genießen wir leider nur eine ruhige Nacht in der Idylle zwischen Olivenplantagen.

Mittwoch, 31.1.

Wir fahren weiter Richtung Südwesten nach Tabernas. Das Städtchen liegt am Rand der einzigen europäischen und der kleinsten Wüste der Welt (Desierto de Tabernas) und ist berühmt als Filmstadt. Ja genau. Hier in der Gegend wurden alle Italo-Western gedreht, unter anderem die von Sergio Leone, Lawrence von Arabien, einer der Indiana Jones-Filme und viele weitere. Hier ist alles auf Western getrimmt. Unser Stellplatz am Stadtrand kultiviert neben einer Minigolfanlage eine Westernstadt, das dazugehörige Lokal nennt sich Route66 (ok, nicht ganz Western) und hat diverse Ami-Schlitten-Oldtimer ums Gelände drapiert.

Donnerstag, 1.2.

Kurz hinter Tabernas gibt es noch die ehemaligen Filmsets, die diverse Western-Attraktionen bieten. Letztere sparen wir uns und beobachten das Ganze nur aus der Ferne.

Spanische Wüste als Filmkulisse.

Die eigentliche Wüste, bzw. das Naturschutzgebiet Tabernas-Wüste, beginnt direkt hinter den Filmsets. Erstaunlicherweise gibt es bis kurz davor und auch wieder kurz dahinter die üblichen Oliven- und Mandelbaumplantagen. Die Mandelbäume fangen gerade an zu blühen, was ganz wunderbar aussieht. Aber ausgerechnet Mandelbäume? In der Wüste? Für die Produktion von 1 kg Mandeln werden 15.000 Liter Wasser gebraucht. Klar muss dafür ziemlich tief gebohrt werden! Wenigstens brauchen die riesigen Solarparks, an denen wir kurz darauf vorbeifahren, nicht so viel Wasser.

Auch in der Wüste blühen Mandelbäume.
Die Berge in der Sierra Nevada sind über 3000 Meter hoch umd schneebedeckt.

Unser nächster Halt ist Guadix, das für seine Höhlenwohnungen bekannt ist. Die Stadt liegt auf einer Hochebene zwischen markanten, von Erosion gekennzeichneten Lössbergen. In diese Berge wurden Höhlenwohnungen hineingegraben, und zwar ein ganzes Viertel. Insgesamt soll es 4000 Höhlenwohnungen, bzw. -häuser geben, in denen heute noch etwa 10000 Menschen wohnen. Die Höhlenhäuser sind leicht zu erkennen an den weißen Kaminen, die praktisch aus dem Berg herauswachsen.

Einer der Bewohner hat sein Haus für Besucher geöffnet. Es ist sein Elternhaus, und er lebt bereits sein ganzes Leben darin. Die Temperatur im Haus liegt übrigens ganzjährig bei 20 Grad. 

Auch die spätgotisch-barocke Kathedrale von Guadix ist sehenswert. Wegen der fast dreihundert Jahre dauernden Bauzeit vom 16. bis Mitte des 18. Jahrhunderts wechselten die Baustile.

Fassade der Kathedrale von Guadix.
Prächtig geschnitztes und vergoldetes Chorgestühl.

Der Chor liegt in der Mitte der Kirche und ist mit prächtigen barocken Holzschnitzereien geschmückt. Eine Replik der Pietá von Michelangelo in einer Nebenkapelle wird durch eine Lightshow in Szene gesetzt. 

Nach der Stippvisite fahren wir weiter auf einen Stellplatz in Casares. Dieses weiße andalusische Dorf thront spektakulär auf einem Felsen im Hinterland der Costa del Sol. Bevor wir den Stellplatz erreichen, machen wir einen unfreiwilligen Abstecher in das Dorf, inklusive einem waghalsigen Wendemaneuver zwischen gut besuchten Straßencafés und diversen Autos. Wie sich später herausstellt, sind wir gleich beider Ortseinfahrt am Stellplatz vorbeigefahren. Das ganze Manöver war also ebenso nervenaufreibend wie unnötig.

Der Stellplatz in Casares ist ebenfalls auf einem Hügel und bietet eine spektakuläre Aussicht auf das Dorf und auf die Umgebung. Über uns kreisen Gänsegeier. Und einen Sonnenuntergang gibt es auch.

Casares im Abendlicht.

Freitag, 2.2.

Unser Versuch, heute schon auf den Campingplatz nach Tarifa zu fahren, scheitert nach einem Telefonanruf. Wenn wir nicht schon vorher reserviert hätten, kämen wir dort gar nicht unter. So bleiben wir noch einen Tag auf dem Stellplatz in Casares, genießen die Aussicht, die Sonne, die kreisenden Geier und machen Online-banking. Wir haben übrigens einen Router dabei, mit dem wir perfektes Internet herstellen können (mit einer spanischen SIM-Karte).  

Es gibt hier einen etwa zweistündigen Rundweg. Der Weg ist perfekt ausgeschildert – außer im Dorf, wo man sich zwangsweise verläuft und dabei den gesamten Ort erkundet. Casares ist ein typisch weißes andalusisches Dorf, in dem sich nacheinander die Phönizier, Römer, Mauren und schließlich Katholiken getummelt haben. Es ist Geburtsort des Politikers Gil Blas Infante, der als Vater des andalusischen Nationalismus gilt und den Status Andalusiens als Autonome Provinz begründet hat.

Von jeder Gasse aus gibt es schöne Ausblicke in die Umgebung.
Die (ursprünglich maurische) Festung von Casares thront auf einem Felsen.

Der Sonnenuntergang heute Abend ist nochmal schöner!

Ist das ein Adler? Oder doch ein UFO?

Freitag, 2.2

(Claus schreibt): Nach 10 Tagen unterwegs nun das erste Mal, dass wir für 2 Tage/Nächte auf einem Platz bleiben). Dies aber auch nicht ganz freiwillig. Wir sind gestern bis zu einem Stellplatz gefahren, von dem es noch ca. 100 KM zu unserem Ziel Tarifa sind. Der Stellplatz ist sehr nett (ein toller Blick – allerdings keine Infrastruktur).

Blick von unserem Stellplatz aus.

In Tarifa sind wir für den 3.2. angemeldet. Also haben wir heute kurz angerufen, ob wir einen Tag früher kommen können? Nein! Alles voll. So haben wir uns entschlossen hier noch einen weiteren Tag zu bleiben, da wir genug Proviant und Wasser haben. Warum einen neuen Platz suchen, wenn dieser doch sehr nett ist.
Wir haben bislang noch nicht die Fahrräder vom Fahrradträger genommen oder die Stühle und den Tisch ausgepackt (dafür müssen die Räder weg). Die Gelegenheit ergab sich bislang noch nicht, da wir jeden Tag gefahren sind. Auf den letzten Reisen waren wir zwischendurch immer mal 2-3 Nächte auf einem Platz – sodass man sich auch „installieren“ konnte und wollte. Durch die lange und mühsame Fahrt durch Frankreich (aufgrund der Bauernproteste, bzw. der Vollsperrung der Autobahnen und dem erheblichen Verkehrsaufkommen auf den Landstraßen)) fuhren wir ja eine Strecke, die so gar nicht geplant war und wir fuhren wesentlich länger und auch weiter, als wir ursprünglich wollten.

Gut, dass wir unseren Plan ja anpassen können. Allmählich wollen wir jedoch mal „ankommen“. Freuen uns nun auf Tarifa (morgen) und hoffen, dass wir dort einen schönen Stellplatz bekommen. Wir sind gespannt, ob dies möglich ist, wenn alles sooo voll ist.

Hier noch ein paar Stellplatz-Impressionen der letzten Tage. Alles war dabei, von riesigen Parkplätzen, über schmale Plätze – aber mit Palmen -, Plätze direkt im Hafen (allerdings ohne Seesicht) und einen Platz mit sehr viel Fläche drumherum.

Parkplatz in Guadix.
Stellplatz bei Route 66 in Tabernas.
Campingplatz in Valencia.
Stellplatz am Hafen in Callafell, südlich von Barcelona.
Stellplatz nähe Figueres.

Freitag, 3.2.

Heute steht nur eine kurze Fahrt auf dem Programm. Wir starten bei viel Wind und trübem Himmel und sind etwa eine Stunde später in Tarifa bei noch mehr Wind und Sonne! Es ist verrückt, weil wir ja noch nicht so oft hier waren. Aber schon die Fahrt von Algeciras über die Hügelkette, der erste Blick auf die Straße von Gibraltar und auf Tarifa mit seinen weißen Häusern und dem Leuchtturm und schließlich auf die lange Bucht mit dem Sandstrand – das ist ein bisschen wie Nachhause-Kommen. Wir bunkern nochmal Lebensmittel und fahren schließlich auf „unseren“ Campingplatz Torre de la Peña. Dort kennt man uns schon und begrüßt uns herzlich. Die große Frage ist immer, welcher Platz uns zugewiesen wird; die Stellplätze sind ganz unterschiedlich, näher oder weiter zur Rezeption (und der Infrastruktur), mit mehr oder weniger Blick und mit mehr oder weniger Sonne bzw.  Schatten. Aussuchen kann man sich das leider nicht. Aber wir haben Glück und bekommen einen Platz mit gigantischem Blick und viel Sonne. Dass er etwa 50 steile Höhenmeter oberhalb der Rezeption liegt, ist kein Problem, wir haben ja E-Bikes.

Blick von unserem Stellplatz: hinten Tarifa, vorne rechts der Torre de la Peña, im Dunst die marokkanische Küste,

Wir installieren uns, waschen die erste Maschine Wäsche und trinken ein Bier im Sonnenuntergang in „unserer“ Chozo Bar. Und sind angekommen!

Entspannte Atmosphäre und die schönsten Sonnenuntergänge in der Chozo Bar.

Sonntag, 4.2. – Mittwoch, 7.2.

In den nächsten Tage zelebrieren wir diverse Fälle von „das erste Mal wieder“. Das erste Mal wieder am Strand spazieren gehen und zum Aussichtspunkt La Peña klettern. Das erste Mal wieder nach Tarifa fahren, ein bisschen shoppen und einen Kaffee im Ort trinken. Das erste Mal wieder in der Spanisch-Schule vorbeischauen und sich über die herzliche Begrüßung freuen. (Ich buche einen zweiwöchigen Kurs ab kommendem Montag)

Blick vom Aussichtspunkt La Peña auf Tarifa.

Übrigens blüht hier schon einiges, und Schmetterlinge sind auch schon unterwegs.

Mittwoch ist das erste Mal wieder ein typischer Tarifa-Tag mit weißlich gleißender Sonne, blauem Himmel und genau richtig viel Wind. Das heißt, genügend Wind, damit die Kite-und Wind-Surfer auf ihre Kosten kommen, aber eben nicht so viel Wind, dass das Laufen keinen Spaß mehr macht.

Das Licht könnte süchtig machen!

Der Tag endet mit einem ebenso typischen Tarifa- (oder Camping-?) Abend. Die meisten Mit-Camper begrüßt man nämlich nur oder hilft sich, wenn erforderlich, bleibt ansonsten aber für sich. Es gibt jedoch immer wieder Begegnungen, bei denen man sich sofort gegenseitig sympatisch ist. So eben am Mittwoch abend. Spontan laden wir unsere neuen Nachbarn Graham und Sarah aus England zu einem Glas Wein auf unseren Platz ein. Aus dem Glas werden vier Flaschen, die wir vor lauter Plaudern und Politisieren überhaupt nicht spüren. Jedenfalls nicht am Abend. Am nächsten Morgen schon…

Donnerstag, 8.2. 

Der bleierne Himmel und die trübe Sonne passen zu unserem ebenfalls leicht trüben Zustand. Weil gegen Kater nur frische Luft und Bewegung hilft, laufe ich (das erste Mal wieder) nach Tarifa, wo Claus mich mit dem Wohnmobil aufpickt.

Bleierner Himmel und das Meer wie Öl.

Dann folgt die übliche Ver- und Entsorgungstour: Einkaufen, eine neue spanische Gasflasche besorgen, Wasser ablassen und Frischwasser tanken. Leider bleibt das Wohnmobil mit der elektrischen Trittstufe an einem Stein hängen, die daraufhin nicht mehr funktioniert. Wir beschließen, dass wir die Stufe zuhause reparieren lassen und uns solange mit einem Klapptritt behelfen. Graham und Sarah leihen uns einen für die nächsten Tage, Problem erstmal gelöst. Dafür klappt das Anschließen der spanischen Gasflasche mit unserem Adapter (Ihr erinnert Euch an das Galama vom vergangenen Jahr) auf Anhieb.

Wir räumen alles weg, was wegfliegen kann, und sichern unsere Fahrräder. Für die Nacht und für morgen sind Sturm und Regen angesagt. 

Freitag, 9.2.

(Claus schreibt:) Die Nacht war stürmisch. Allerdings regnete es weniger als erwartet…der Regen beginnt erst jetzt (11:00) richtig. Die nächsten Tage bleiben, laut Prognosen, ähnlich.

Wir machen es uns im Auto gemütlich. Heute werden wir es wohl kaum verlassen können. Wie schön, haben wir unser eigenes WLAN und unsere iPads. Heute ist „Car Office“ angesagt.
Wie alle auf dem Campingplatz werden wir lesen, Musik hören und eventuell TV schauen. Mehr ist auf dem kleinen Raum kaum möglich. Jeannine bereitet sich auf ihren Spanischkurs am Montag vor.

Das Meer sieht heute anders aus (aufgepeitscht durch den Westwind, der vom Atlantik kommt). Selbst aus mehreren hundert Metern Entfernung kann man ahnen, wie hoch die Wellen sind.

Vielleicht noch ein paar allgemeine Anmerkungen:
Wie bereits auf der Anfahrt nach Tarifa mehrfach gehört (und dann selbst erfahren), sind viele der geöffneten Campingplätze vollständig belegt. Verschiedene Leute, die wir trafen, sind bereits seit Dezember unterwegs und planen, erst im April oder Mai wieder heimzufahren. Bedeutet bei vielen also, dass sie ca. ein halbes Jahr campen, um dem Winter daheim zu entfliehen. Dies wird sich vermutlich so schnell nicht ändern, da die „Baby-Boomer“ in den kommenden Jahren in Rente gehen und Zeit (und Geld) haben werden, um länger zu verreisen. Somit ist zu vermuten, dass der Camping-Boom noch eine ganze Weile andauern wird.
Schön für die Campingplatz-Besitzer, schlecht für das spontane Reisen. Mit einem Wohnmobil bleiben einem ja noch die Stellplätze, mit einem Wohnwagen ist man ziemlich eingeschränkt bezüglich der Übernachtungsmöglichkeiten.

Eine Camper-Weisheit: Was sich mit WD40, Panzertape und einem Leatherman-Multitool nicht reparieren lässt, lässt sich NICHT reparieren! Auch nützlich: ein Gummi-Hammer. Mit diesem habe ich gestern unsere Trittstufe zurecht geklopft. Immerhin öffnet sie sich nun wieder zu gut 70%. Besser als gar nicht!
Die Lampen und Halterungen unseres Fahrradträgers haben wir mit Panzertape geflickt – ja, irgendwas ist immer.

Samstag, 10.2.

In der Nacht auf Samstag war nicht so windig wie prognostiziert. Dafür hat es ordentlich geregnet. Nun, gegen 13:00, ist es allerdings sonnig und trocken – und die Pfützen auf dem Platz verschwinden langsam. Jeannine versucht, auf dem Campingplatz Mehl zu organisieren – für (m)einen Geburtstagskuchen!

Wir treffen uns zum gemeinsamen Abendessen mit Graham und Sarah und wollen definitiv nicht wieder so viel trinken wie beim letzten Mal. Aber wie es so geht. Sarahs Curry ist sehr lecker – und der Rotwein auch (wieder).

Ergebnis des total netten Essens mit Graham und Sarah aus England.

Sonntag, 11.2.

Geburtstag: Geschenke, tolles Frühstück und selbst gebackener Kuchen!!

Ein toller Start ins neue (Lebens-)Jahr – auch wenn es draußen leider schüttet und stark windet 🙁 Egal, wir machen es uns gemütlich.

Gegen 16:00 wird es noch gemütlicher: Kein „Landstrom“ (wir sind am Strom des Campingplatzes angeschlossen, weil keine Sonne scheint). Komisch, eben ging noch alles. Regenjacke an, Sicherungen und Kabel kontrolliert…sieht eigentlich ganz gut aus. War es vielleicht unser Wasserkocher? Hmm, aber da im Auto alles funktioniert, kann es der eigentlich nicht sein?!
Jeannine geht zur Rezeption und meldet unseren Stromausfall. Wir sind nicht die einzigen! Der ganze Platz ist ohne Strom. Nun denn, der Wasserkocher war es definitiv nicht 🙂

Irgendwas ist immer :-))

Montag, 12.2.

Gestern Nacht: Superbowl (No. 58), das Endspiel der National Football League! Die letzten 28 Jahre habe ich 27 Superbowls im TV miterlebt. Meist sogar live – was bedeutet: Um kurz vor 0:00 (immer Sonntags) geht es los und gegen 4:30 kann man ins Bett. Der nächste Tag: Ausschlafen und Frei!
Diesmal entschied ich mich dafür den SB aufzunehmen und erst heute morgen, nach dem Frühstück, zu schauen. Eine gute Entscheidung, da es erst das 2. Mal passierte, dass das Spiel in die Verlängerung ging. Verlängerung!! Nach ca. 4 Stunden, nochmals… danach noch Siegerehrung, Interviews, usw. Ein langer Fernsehmorgen. Jeannine kam schon bald wieder von ihrem Spanischkurs, als ich mit dem Spiel fertig war.
Trotzdem, es hat sich gelohnt – ein wahnsinnig spannendes und knappes Spiel!
Gewonnen haben, in letzter Sekunde, die Kansas City Chiefs gegen die San Francisco 49er, mit 25:22.

Montag, 14.2. bis Samstag, 17.2. (Jeannine)

Voller Vorfreude schwinge ich mich am Montag morgen auf mein E-Bike, um zum Spanischkurs nach Tarifa zu fahren. In den Tagen davor habe ich noch fleißig die alten Lektionen wiederholt, um möglichst gut im neuen Kurs mitzukommen. Soviel Eifer wäre nicht nötig gewesen.

Meine Klasse besteht aus vier Schülern, mich inklusive. Axel und Thomas, zwei 16jährige Zwillingsbrüder aus Innsbruck, sind mit ihren Eltern nach Tarifa gezogen, um eine Profikarriere im Wing-Surfen zu beginnen. Sie nehmen bereits an Weltmeisterschaften teil und werden von einem Sportartikelhersteller gesponsort. Außerdem Rebecca, eine 23jährige Biologiestudentin aus Freiburg, die ihre Semesterferien für einen Spanischkurs nutzt. Unsere Lehrerin ist Cindy, eine Chilenin, die der Liebe wegen nach Tarifa gezogen ist. 

Alle sind sehr sympathisch. Leider stellt sich der Unterricht bereits nach kurzer Zeit als gähnend langweilig heraus. Cindy wiederholt alles mehrfach, spricht selbst unablässig, so dass wir praktisch nicht zu Wort kommen und nicht üben können, und lässt alle jede Aufgabe einzeln laut vorlesen. Überhaupt findet sie Vorlesen ganz toll. So müssen wir Verbkonjugationen laut vorlesen. Gemeinsam, also im Chor. Ich glaube, das musste ich das letzte Mal in der Grundschule machen. 

Wie immer gibt es zwei Pausen während des Unterrichts, eine viertelstündige („mini pausa“) und eine halbstündige. In einem anderen Kurs hat sich eine sehr nette Truppe aus zwei Engländerinnen und einem jungen Deutschen zusammengefunden, die die große Pause im Café an der nächsten Ecke verbringt. Rebecca und ich schließen und an, und freuen uns über cafe con leche und „tostades con tomate“, durchgeschnittenes und getoastetes Brötchen, auf das Olivenöl und Tomatensaft mit Stückchen geträufelt wird. 

Mittwoch Nachmittag haben wir eine Vertretung, und die zwei Stunden mit ihr sind interessanter und lehrreicher als die zweieinhalb Tage davor mit Cindy. Selbst die Zwillingsbrüder erwachen aus ihrem Koma, in dem sie bisher mehr oder weniger verharrt waren.

Rebecca und ich haben bereits in der Pause beschlossen, mit dem Schulleiter Gaspar zu sprechen und ihn zu bitten, in eine andere Klasse wechseln zu dürfen. Gaspar ist sehr entgegenkommend (vielleicht sind wir ja nicht die ersten, die Probleme mit Cindys pädagogischem Ansatz haben). Allerdings gibt es derzeit keine andere Klasse in der gleichen Stufe, so dass wir ein oder zwei Wochen warten müssen. 

Rebecca wollte sowieso noch nach Marokko, und für mich ist die Unterbrechung auch kein Problem. Ich lerne derweil selbst mit den Büchern. Wenn ich laut lese, dann zumindest ganz allein.

Freitag, 23.2.

(Claus:) Seit knapp einer Woche keine Einträge, weil es eigentlich nichts besonders gab. Wir sind immer noch auf „unserem“ Campingplatz und fahren nur einmal die Woche mit dem Auto in die Stadt, um einzukaufen und Frischwasser zu tanken und Grauwasser abzulassen. Die restliche Zeit stehen wir auf dem Platz und genießen die Ruhe, schauen aufs Meer und sind einfach nur „faul“.

Der Tagesablauf ist ungefähr so:
– Aufstehen (ohne Wecker, da Jeannine keine Schule hat) gegen 9:30
– Frühstück ca. 10:30 bis 11:00 (meistens draußen)
– Spülen gehen (um unser Frischwasser aufzusparen), im Auto aufräumen, Klamotten versorgen und staubsaugen, bis ca. 12:00
– draußen sitzen, Zeitung lesen und Kaffee trinken und schon ist es 13:30
– kurzes Mittagessen gegen 14:00
– dann wiederholt sich der Punkt „Zeitung lesen und Kaffee trinken“ und/oder Jeannine lernt mit ihren Büchern die nächsten Spanisch-Lektionen
– wenn möglich und nötig, kleiner Mittagsschlaf um 15:30
– dann wieder Lesen oder (Jeannine) Spaziergang machen
– und schon ist es 17:00. Zeit ans Abendessen zu denken. Jeannine kocht dann meist gegen 18:00/18:30, sodass wir dann gegen 19:00 (manchmal noch draußen) essen können.
Danach (auswärts spülen), aufräumen/einräumen.
– 20:30, Zeit ans Bett zu denken.
– Schlafen, so gegen 21:30. Wir sind dann müde und kuscheln uns in unsere Koje.

Immerhin sind wir ja schon 12 Stunden wach und haben soooo viel unternommen.

Am nächsten Tag wiederholen wir das Programm, weil es sich bewährt hat :-))

P.S.: Wir sind nun 1 Monat unterwegs.

Freitag, 23.2. bis Sonntag, 25.2.

Am Wochenende ist „Carnaval“ in Tarifa. Schon in den Tagen davor wird die Innenstadt dekoriert und vor der Kirche eine Bühne aufgebaut. Aus Neugierde fahre ich Samstag Nachmittag in die Stadt, um mir das anzusehen. Na ja, es ist nicht das Gleiche wie in Konstanz – oder gar in Köln. Die Deko ist ein bisschen mager, und das närrische Treiben beschränkt sich auf die „Hauptstraße“ in der Altstadt. Aber die Stimmung ist fröhlich und entspannt. Es sind viele Familien und Freundesgruppen unterwegs, und die diversen Outdoorbars, die aufgebaut sind, lassen darauf schließen, dass es abends richtig zur Sache geht. 

Kreative Fastnachtsdeko in der Innenstadt von Tarifa.
Nicht alle sind verkleidet – aber manche schon!

Habe ich schon erwähnt, dass ich jeden Tag einen langen Strandspaziergang mache? Das wird einfach nicht langweilig! Jeder Tag ist anders, das Licht, der Wind, die Wellen, die Surfer. Manchmal bin ich schon kurz nach Sonnenaufgang unterwegs, der hier jedoch gnädigerweise erst kurz vor 8 Uhr ist.

Meer, Wind und Wellen sind jeden Tag anders. Und das Licht!

Montag, 26.2.

Ich bin wieder in der Schule! Die neue Lehrerin stammt aus Madrid und hat den beeindruckenden Namen Maria Salvadora, nennt sich aber Dory. Neben Rebecca, die erschöpft aber beseelt von ihrem Kurztrip nach Marokko zurückgekehrt ist, und den beiden Wing-surfenden Zwillingsbrüdern ist noch Nikki aus Schottland in der Klasse. Die Zwillinge sind auch bei Dory nur mäßig motiviert, aber der Unterricht ist immerhin etwas spannender. 

Weil für Montag Sturm und heftiger Regen angesagt sind, fahre ich morgens schon früher los und habe alles dabei inklusive Regenhose und Überschuhe. Ich erreiche Tarifa noch vor dem Regen und überbrücke die Zeit im Café an der nächsten Ecke.

Das ist ein typisches spanisches Frühstück: Café con leche und tostades con tomate. Lecker!

Als ich aus dem Café komme, regnet es leicht, denke ich, und für die 100 Meter bis zur Schule rentiert sich die Regenhose nicht. Denke ich. Aber als ich um die Ecke biege, erwischt mich der Regen doch, und zwar waagrecht. Auf den paar Metern werde ich klatschnass. In der Satteltasche konnte die Regenhose ihre Wirkung leider nicht entfalten.

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Frankreich, Oktober 2023

Samstag, 30.9.

Es ist alles erledigt, was erledigt werden musste. Wir können wieder los* und tauen zum dritten Mal den Kühlschrank ab.

(*Anmerkung: Eigentlich war geplant gewesen, vom 10.9. bis zum 20.10. „durchgehend“ wegzufahren. Aufgrund zweier wichtiger Termine mussten wir aber die Reise neu planen und 2x kurz mit einem Stop-over daheim unterbrechen).

Unser erstes Ziel ist nun Besançon in der Franche-Comté. Nicht so weit weg, aber schon richtig Frankreich. Bisher sind wir hier nur immer vorbeigefahren, diesmal bleiben wir zwei Nächte, um uns das Städtchen anzuschauen.

Am ersten Abend haben wir keine Lust auf Kochen und gehen ins Campingrestaurant. Falscher Fehler. Selten so schlecht gegessen; das nächste Mal kochen wir lieber wieder selber. Wenigstens ist der Campingplatz recht nett und liegt nahe am Flüsschen Doubs, der gemächlich in vielen Schlaufen Richting Saône fließt.

Sonntag, 1.10.

Bei strahlendem Wetter fahren wir am nächsten Tag dem Doubs entlang nach Besançon. Das ist eine lebendige kleine Stadt, früher das Zentrum der französischen Uhrenindustrie, inzwischen führend in Nano- und Mikrotechnologie. 

Radweg entlang des Flüsschens Doubs.

Sie wird dominiert von einer Festung, die Sébastien de Vauban für Ludwig XIV auf einem Hügel errichtet hat. De Vauban hatte in der Armee erfolgreich 48 Siege über belagerte Städte errungen. Als Bauingenieur für den Sonnenkönig drehte er sein Talent gewissermaßen um und konstruierte komplexe, uneinnehmbare Festungen. Sein „eiserner Gürtel“ sicherte die Grenzen des französischen Königreichs mit 160 Citadellen. In der Festungstadt Neuf-Brisach, die wir letztes Jahr besichtigt haben, konnte de Vauban gewissermaßen die ideale Festungsform auf freiem Terrain realisieren. In Besançon orientierte er sich an den topographischen Gegebenheiten und nützte diese perfekt aus. Die Mauern sind Verlängerungen der steilen Felsen, auf denen sie errichtet sind. Angreifer mussten mehrere Befestigungen und Gräben überwinden, bevor sie auf einem steilen Hang dem direkten Angriff der Verteidiger ausgesetzt waren. Die Citadelle von Besançon wurde nie eingenommen und hielt bis zum ersten Weltkrieg allen Angriffen stand. 

Heute ist die Festung ein gut erschlossenes touristisches Ziel. Neben mehreren Museen und Ausstellungen gibt es sogar eine Art Zoo. Vor allem aber beeindrucken die Ausblicke von den Festungsmauern in das Tal des Doubs und auf die Stadt.

Die Festungsmauern sind auf die Felsen gebaut.
Eine Schleife des Doubs kann man von der Festung aus besonders gut sehen.
Besançon von der Festungsmauer aus.

Auf dem Weg zur Festung kommt man an der Kathedrale von Besançon vorbei. Drinnen wird gesungen, davor stehen Ministranten in langen Zweierreihen und warten. Wie sich herausstellt, findet an diesem Tag der „Congrès Mission“ statt, und zwar gleichzeitig in neun französischen Städten. Es geht dabei darum, den eigenen Glauben zu bekunden. Und das tun die Leute. Die Atmosphäre in der Kathedrale erinnert fast an ein Rockkonzert, es wird lauthals gesungen, gerufen, getanzt. Zu lauten Gesängen ziehen auch die Ministranten und Priester ein, um  Gottesdienst zu feiern.

Atmosphäre wie auf einem Popkonzert…
Auf den großen Monitoren wurden auch die anderen Orte des Missionsfestes eingeblendet.

Montag, 6.10.

Auf unserem Weg Richtung Cevennen machen wir Halt in Cluny, um uns die Klosterkirche anzuschauen. Ich hatte einen Fernsehbericht über diese Kirche gesehen, die vor dem Bau des Petersdoms die größte christliche Kirche der Welt war. War! Heute stehen nur noch Fragmente von dem gigantischen Bauwerk, und es braucht 3D-Animationen, um sich die Ausmaße der usprünglichen Kirche vorstellen zu können. Nachdem die Kirche nach der Säkularisation als Steinbruch gedient hatte, steht heute nur noch ein Turm des Querschiffs. Die Kuppel dieses Querschiffs hat allein schon 30 Meter Raumhöhe im Inneren.

Auf der Fahrt kommen wir an diesem wunderschönen Schloss vorbei, ddas wir leider nicht betreten dürfen.

Wir stehen auf einem gemütlichen kleinen Campingplatz unter Bäumen und genießen den lauen Herbstabend. Normalerweise wird es abends und nachts empfindlich kalt, hier ist es mild bis in den späten Abend.

Dienstag, 7.10.

Heute ist ein Fahrtag. Das Wetter ist durchwachsen, gelegentlich tröpfelt es, also perfekt zum Fahren. Wir schaffen es bis zu unserem Reiseziel, der Tarnschlucht. Unterwegs entdecken wir bei einem Rastplatz eine markante rotgestrichene Eisenbahnbrücke, wie sich herausstellt von Gustave Eiffel. 

Eisenbahnbrücke, erbaut 1880 von Gustave Eiffel.
Fantastische Aussicht von den Bergen der Auvergne während der Fahrt.

Die meiste Zeit cruisen wir entspannt auf gut ausgebauten Nationalstraßen und kommen in der Auvergne bis auf 1100 Meter Höhe. Die letzten Kilometer zwischen Nationalstraße und Tarnschlucht sind dann aber eine echte Herausforderung für Claus‘ Fahrkünste. Auf winzigen Sträßchen geht es in Haarnadelkurven nach unten. Glücklicherweise fast ohne Gegenverkehr. Nach insgesamt sieben Stunden Fahrt sind wir etwas geplättet und freuen uns über den idyllischen Campingplatz am Tarn – und über Spaghetti mit einem Glas Rosé.

Mittwoch, 8.10. – Freitag 10.10.

Claus genießt die Ruhe am Campingplatz und schließt Freundschaft mit einer kleinen weißen Katze mit blauen Augen.

Ich erkunde die Gegend mit dem Rad. Bei Le Rozier, etwa 5 km flußaufwärts, treffen zwei Täler aufeinander: die Tarnschlucht und das Tal der Jonte.

Blick von Le Rozier in die Tarnschlucht.

Auf der anderen Flußseite geht es flußabwärts nach Millau, einem unspektakulären und nicht wahnsinnig schönen kleinen Städtchen. In der ganzen Gegend gibt es unzählige Campingplätze, aber inzwischen fast alle geschlossen*. Das Gleiche gilt für die Restaurants, Kanuverleihe, etc. Die Saison endet Ende September, danach kehrt hier Ruhe ein.

*Was verständlich ist, da sehr wenig Camper unterwegs sind. Zumindest in dieser Gegend. Wir sind fast alleine auf dem CP. Sämtliche Mobile-Homes sind unvermietet. Die Saison endet auf diesem Platz am 31.10.
Die Gärtner (?) waren allerdings schon da und haben ganze Arbeit geleistet…

Von Le Rozier aus fahre ich am nächsten Tag der Tarnschlucht entlang. Trotz Landstraße ist kaum Verkehr, und im übrigen gelten in Frankreich 1,50 Meter Sicherheitsabstand beim Überholen von Fahrrädern. Die meisten halten sich daran. In einem Örtchen (Saint Préjet) genehmige ich mir einem Cappucchino und entschließe mich spontan für eine Route, die sich in Serpentinen entlang der Klippen hochschraubt. E-Bike sei Dank sind die 500 Höhenmeter kein Problem (wie hat man das eigentlich vorher gemacht?). Oben gibt es erstmal einen phantastischen Blick in die Schlucht, und dann ist man auf der Hochebene der Kalktafelberge (les Causses).

Geschafft: Fährst Du (500 Meter) hoch, kannst Du runtergucken!

Im Grunde ist dieser Teil der Cevennen eine karstige Hochebene, die von mehreren Flüssen durchschnitten wird. Der Tarn, die Jonte, der Lot und andere Flüsse haben sich tief in die Kalkschichten gegraben und Schluchten mit phantastischen Felsformationen an deren Rändern geschaffen. Die Plateaus oben sind eher unspektakulär. Die Böden sind närstoffarm und trocken und eignen sich oft nur für Waldwirtschaft und für Viehzucht. Seit Jahrtausenden wurde (und wird zum Teil noch) Viehzucht in Form von Transhumanz betrieben, Wanderviehwirtschaft. Schäfer zogen Hunderte von Kilometern mit riesigen Schafherden bergauf (im Sommer) und bergab (im Winter). Im Gegensatz zu den Almab- und auftrieben in den Alpen wurden die Schafe jedoch nicht immer auf die gleichen Almen getrieben, sondern in freies Gelände. Die Gegend „Les Causses“ und „Les Cevennes“ zählt wegen dieser besonderen Form der Viehwirtschaft zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Samstag, 7.10.

Wir verlassen den Campingplatz und das weiße Kätzchen und fahren nach Millau. Wir müssen einkaufen und wollen das berühmteste Bauwerk der Region besichtigen, das Viadukt von Millau. Die 2460 Meter lange Brücke ist die längste Schrägseilbrücke, mit einer maximalem Pfeilerhöhe von 343 Meter die größte Brücke der Welt, das höchste Bauwerk Frankreichs und die höchste Brücke in Europa. Das Viadukt führt die Autobahn A75 über den Tarn. Es wurde vom französischen Brückenbau-Ingenieur Michel Virlogeux in Zusammenarbeit mit Norman Forster entworfen und 2004 von Jacques Chirac eröffnet. Die Brücke dominiert das Tarn-Tal schon von weitem mit ihren filigranen Stahlstreben. Direkt am Brückenkopf gibt es einen Aussichtspunkt, von dem aus man die gewaltigen Dimensionen des Bauwerks erkennen kann.

Die Brücke von Millau dominiert das Tal schon von Weitem.
Bauwerk der Superlative: Längste und höchste Brücke der Welt.

Als nächsten Halt haben wir uns einen Stellplatz auf der Causse Noir ausgesucht, einem der Kalkplateaus. Der Platz gehört zu einem Landgasthaus, der Auberge du Maubert, und besteht aus einer Wiese mit Bäumen. Sonst nichts. Obwohl noch vier weitere Wohnmobile dort stehen, fühlt es sich an wie Wildcampen. Wir essen abends sehr lecker im Landgasthaus (der langsam geschmorte Rindfleischeintopf – „en daube“- ist ein Gedicht), beobachten eine Schafherde, die mit hellen Glöckchen in schnellem Tempo vorbeizieht, und die dazugehörigen Hüte- und Wachhunde, die vor dem Schäfer mit seinem Auto herrennen. Wie wir von einem Mitcamper erfahren, ist der Hütehund dafür verantwortlich, die Herde zusammenzuhalten und hört auf den Schäfer. Die Wachhunde hingegen sind halbwilde Tiere, die ihr ganzes Leben bei den Schafen verbringen und die Herde beschützen, unter anderem vor Wölfen. 

Nach dem Essen sitzen wir vor unserem Wohnmobil, schauen Sterne und hören die Stille. Auch bisher war es ja ruhig, aber die Stille hier hat eine ganz andere Qualität.

Sonntag, 8.10.

Wir machen nochmal einen Abstecher zum Katzen-Campingplatz, auf dem ich meinen Fahrradschlüssel vergessen hatte. Wie gut, dass der nette holländische Nachbar aufgepasst und ihn aufgelesen hat. Im Anschluß fahren wir durch die Tarnschlucht bis zum Örtchen Sainte-Enimie, wo wir auf einem Stellplatz direkt am Fluß übernachten können. Obwohl Sonntag, gibt es kaum Verkehr, und die Fahrt entlang der Flußschleifen und durch die mal enge mal weite Schlucht ist wie ein Roadmovie.

Malerische Fahrt durch die Tarnschlucht.

Wie alle Dörfer hier sind die Häuser in Sainte-Enimie aus den Kalksteinen gebaut und mit dem Schiefer gedeckt, die es hier in der Umgebung gibt. Der Ort fügt sich harmonisch in die Umgebung ein und sieht genauso aus, wie man sich ein mittelalterliches französisches Bergdorf vorstellt. Trotzdem überlegen wir, wovon die Menschen hier wohl leben können – außer vom Tourismus.

Sainte-Enemie liegt malerisch in der Tarnschlucht.
Schöner Stellplatz direkt am Fluß – aber wir sind nicht ganz allein…

Montag, 9.10. – Donnerstag, 12.10.

Wir fahren weiter bis zum Ende (oder Anfang) der Tarnschlucht nach Florac auf einen Campingplatz. Der Wäschesack ist voll, wir brauchen dringend eine Waschmaschine. 

Der Campingplatz liegt am Oberlauf des Tarn, und der Campingplatzchef ist ganz stolz darauf, dass der sogenannte Stevenson-Weg mitten über den Platz führt. Robert-Louis Stevenson („Die Schatzinsel“, „Dr. Jeckyll and Mr. Hyde“) war 1878 von Le Puy en Velay nach Alès gelaufen, 260 KM zu Fuß durch die Cevennen, begleitet von einer Eselin, die sein Gepäck trug und die er Modestine nannte. Der Bericht über diese Wanderung, „Reise mit dem Esel durch die Cevennen“, ist die perfekte Lektüre für die Gegend. Stevenson hat einen scharfen und humorvollen Blick auf seine Umgebung und auf die Menschen, die er trifft. So beschreibt er, wie Modestine erst mithilfe eines stachelbewehrten Steckens zum zügigeren Gehen bewogen werden konnte, wie er in einfachen Herbergen mit mehreren anderen Gästen in einem Zimmer, gelegentlich auch in einem Bett, nächtigte, und dass er die Nächte in der Natur, eingewickelt in einen Schlafsack aus wasserdichter Plane und Schaffellen bevorzugte. In einem Trappistenkloster registrierte er  amüsiert, wie schwer sich manche Brüder mit dem Schweigegelübde taten. Heute ist der Stevenson-Weg touristisch gut erschlossen, für das Gepäck gibt es immer noch Esel, oder es wird transportiert. Interessant ist, dass in einem Reiseprospekt auf mögliche Bettwanzen hingewiesen wird. Die dürften bei Stevenson auch an der Tagesordnung gewesen sein. 

Egal ob Stevenson- oder andere Wege, die Gegend ist ein Wander-Eldorado. Vom Tarn führen die Routen hoch durch Pinien- oder Kastanienwälder in die Kalkplateaus und bieten phantastische Ausblicke. 

Wanderung vom Tal in die Hochebene.

Blick auf das Tal des Tarnon, der sich bei Florac mit dem Tarn vereinigt.

Bei der Wanderung durch lichtdurchflutete Kastanienwäldersammlemich ein Säckchen Esskastanien, die wir am Abend fachmännisch auf unserem Grill rösten.

Sah ganz toll aus und roch verführerisch. Leider ließen sie sich nicht schälen… Es muss einen Trick geben, wie auch das dünne Häutchen abgeht. Das nächste Mal Maronis lieber wieder auf dem Weihnachtsmarkt vom Profi.

Die nächstgelegene Kirche sitzt in Bédoues auf einem Hügel, stammt aus dem 14. Jahrhundert und kann sich nicht entscheiden, ob sie Gotteshaus oder Festung sein wollte. Jedenfalls sieht sie interessant aus – ist aber leider geschlossen.

Kirche von Bedouès.

Das Örtchen Florac hat eine hübsche Platanenallee mit Bänken in der Mitte und Restaurants außen herum. Ansonsten zerfallen die Häuser mit marodem Charme vor sich hin. 

Wir fahren auf den Markt nach Florac, kommen aber leider zu spät. Markt schon vorbei. Dafür essen wir auf dem platanengesäumten Platz zu Mittag und fühlen uns wie in Frankreich!

Freitag, 13.10.

Abwechslungsreiche Fahrt auf einer Landstraße durch die Cevennen.

Wir fahren der Sonne nach in die südlichen Cevennen nach Anduze. Das kennen wir schon von früheren Reisen, damals noch mit dem Wohnwagen. Leider haben alle Campingplätze geschlossen, und der einzige Stellplatz ist nicht serh attraktiv. Wir probieren es 20 km weiter, ebenfalls ohne Erfolg. Schließlich landen wir beim sogenannten Axel-Camping. Das Dorf Montoulieu leistet sich einen Camping Municipal namens Le Grillon, der von Axel aus Hamburg geführt wird. Auch diesen Platz kennen wir von früher, einschließlich Axels  leckere Pommes. Auf Axel ist auch sechs Jahre nach unserem letzten Besuch noch Verlass, und auch die Pommes sind so gut wie in der Erinnerung. Wir beschließen den Tag mit mehreren Flaschen Wein, die wir mit einem Lehrerpaar aus Bochum teilen. Es ist Sympathie auf den ersten Blick und wird ein sehr netter Abend.

Samstag – Sonntag, 14.-15.10.

Das letzte schöne Wochenende ist angekündigt, bevor auch für Südfrankreich eine Regenperiode angesagt ist. Etwa 5 km von unserem Campingplatz entfernt beginnt eine sogenannte Route Verte, eine grüne Straße, die von Sauve (Richtung Nîmes) über Sainte-Hippolyte-du Fort und Ganges bis Sumène führt. Route vertes sind ehemalige Bahnstrecken, die für den Fuß- und Radverkehr umgebaut wurden. Das heißt, ein schmales Sträßchen führt elegant durch Tunnel, über Viadukte und unter Straßenbrücken durch die Landschaft, mit gemächlichen Steigungen wie bei Zugstrecken üblich. Richtung Sauve führt die Strecke aus den Bergen heraus in offeneres Gelände. In die andere Richtung, besonders zwischen Ganges und Sumène, wechseln sich die Brücken und Tunnel ab, und man fährt an steilen Felswänden entlang. 

Route Verte zwischen Ganges und Sumène mit Brücken und Tunneln.

In Sainte-Hippolyte-du-Fort gibt es ein altmodisches kleines Museum, das dem früher wichtigsten Broterwerb der ganzen Gegend gewidmet ist, der Seidenproduktion. Ein Film aus den 40er Jahren erzählt mit dramatischer Musikuntermalung wie die Seidenraupen, die ausschließlich Maulbeerblätter fressen, aufgezogen wurden, wie die Puppen in heißem Wasser abgetötet und wie rund 900 Meter Seidenfaden von jedem Kokon abgewickelt, genauer abgehaspelt wurde.

Mit der Zeit entwickelte sich eine Arbeitsteilung zwischen den Dörfern der Cevennen, die sich um die  Produktion der Seide kümmerten, und den umliegenden Städten wie Alès (Spinnereien), Nîmes und Lyon (Webereien) und Ganges (Produktion von Seiden- und anderen Strümpfen). Während die Produktion der Seidenfäden von der Raupe bis zum abgehaspelten Kokon bis heute nur mit sehr viel Handarbeit bewältigt werden kann, initiierte die weitere Verarbeitung der Seide eine Industrialisierung der Gegend. Nach dem ersten Weltkrieg stellte man die Strumpfproduktion um von echter Seide auf Kunstfasern, nach dem zweitwn Weltkrieg war bald auch damit Schluß. Heute zeugen leerstehende oder umgenutzte Fabrikgebäude von der industriellen Vergangenheit. 

Sumène wurde von Benediktinern gegründet. Später dominierten Bergbau und die Seidenproduktion.

Montag, 16.10. – Dienstag 17.10.

Entgegen der Wettervorhersage ist es immer noch trocken. Wir fahren dem Regen davon und bei trockenem Wetter zunächst zu unserem schon bekannten Übernachtungsplatz in Aix-les-Bains (genannt „Schrankencamping“) und am Dienstag durch die Schweiz nach Hause. Es war eine wunderbare Tour, die uns die atemberaubenden Landschaften der Cevennen nahegebracht hat. Wir waren sicher nicht das letze Mal dort.

Oberbayern, Oberschwaben, Allgäu: September 2023

Sonntag, 10.9., bis Mittwoch, 13.9.

Unsere Reise beginnt mit einem Abstecher nach Oberbayern. Wir besuchen zunächst meine Patentochter Veronika und ihren Freund Josef (Vroni und Sepp). Während Vroni und ich einen Spaziergang machen und dabei ausgiebigst ratschen, wie man das hier nennt, schnippeln die Männer schon mal das Abendessen. Nach dem, was man in der Schweiz „Spaghettiplausch“ nennt, also nach zwei äußerst leckeren Spaghettivarianten, und nach intensiven Gesprächen auf dem Balkon in einer lauen Spätsommernacht, verziehen wir uns ins Wohnmobil, das wir vor der Türe parken durften.

Vroni und Sepp sind natürlich längst bei der Arbeit, als wir aus unserer Koje kriechen. Zum Frühstücken fahren wir ins nächste Dorf, wo wir bei der Kirche ein Plätzchen mit Blick aufs umliegende Moor finden.

Von dort aus geht es weiter zu Anne und Thom, Veronikas Eltern. Auch hier wird stundenlang geplaudert. Weil es so heiß ist, bleiben wir auf der schattigen Terrasse und drehen nur gegen Abend eine kleine „Hunderunde“. Den Hund gibt es leider nicht mehr, die Runde ist geblieben. Hier können wir auf dem Kirchplatz übernachten und sind überrascht, dass die Glocken bereits um 5 Uhr morgens anfangen zu läuten. Wie Anne uns erklärt, ist das sozusagen der Wecker für die Bauern.

Die beiden Dörfer, in denen Veronika und Anne wohnen, könnten unterschiedlicher nicht sein. Beides sind Schlafdörfer, mit vielen Familien und vielen Kindern. In Annes Dorf gibt es außerdem noch einige große Bauernhöfe. Der Hauptunterschied liegt jedoch im Verkehr. Während Veronikas Dorf verkehrsberuhigt ist und nur mit Tempo 30 befahren wird, hält sich in Annes Dorf niemand an das Limit von 50. Zwei Landstraßen kommen hier von der einen Seite zusammen und teilen sich im Dorf. Die kräftig motorisierte Landbevölkerung brezelt mit den erlaubten 100 km/h heran, bremst kurz herunter auf gefühlt Tempo 70, um nach einer unübersichtlichen Kurve im Dorf wieder zügig zu beschleunigen. So winzig das Dorf ist (213 Einwohner), so viel Respekt hat man beim Überqueren der einzigen Straße. Wie mir Anne berichtet, sind alle Bemühungen um ein niedrigeres Tempolimit bisher gescheitert. „Der Verkehr muss fließen“, war demnach die Antwort der Behörden.

Was wir am Vortag noch nicht besprochen haben, holen wir am Dienstag Morgen bei einem ausgiebigen Frühstück nach, bevor wir nach München zum nächsten Besuch aufbrechen. Wir fahren zu einem Campingplatz in Thalkirchen, der im Süden von München direkt an der Isar liegt. Der Campingplatz ist riesig, idyllisch gelegen und gut mit Bus und U-Bahn angebunden. Von der Idylle wird in den kommenden beiden Wochen allerdings nicht viel übrig bleiben. Wir bekommen einen Vorgeschmack darauf, wie es hier während des Oktoberfests zugehen wird. Ein Trupp von Helfern errichtet eine wahre Zeltstadt mit hunderten größerer und kleinerer Zelte, baut eine Bühne auf, macht ausgiebigen Soundcheck und installiert mehrere Getränke- und Essenswagen. Auf der Campingplatz-website wird mit einer „After-O-party“ geworben: „cold drinks, good food, great party“. Denn: „Nach der Wiesn ist noch lange nicht Schluss“. Gut, dass wir bis dahin längst wieder weg sind.

Abends gehen wir mit Freund Wolfgang, meinem Neffen Jakob und seiner Freundin Aline in ein georgisches Restaurant in der Nähe. Die (georgischen) Kellner kommen zwar ein wenig furchteinflößend daher, aber das Essen ist wirklich sehr gut. Viel Knoblauch, viel Petersilie und viele Walnüsse. Besonders der Vorspeisenteller, den wir uns teilen, ist ausgesprochen lecker. Wasser wird beim Georgier übrigens maximal in 0,75 l Flaschen angeboten – im Gegensatz zum Wodka! Davon gibt es drei Sorten, jeweils auch als Literflasche.

Am nächsten Tag fahren wir zu einem Familientermin nach Hause.

Donnerstag, 14.9.

Wir wollen wieder weg, müssen aber voraussichtlich nächste Woche noch einmal zurück sein. Deshalb suchen wir ein Ziel in der Nähe und landen im oberen Donautal auf einem Campingplatz namens Wagenburg. Der Name stammt übrigens von einer Burgruine oberhalb des Platzes. Die Donau hat sich in diesem Bereich zwischen Beuron und Sigmaringen tief in die Schwäbische Alb gegraben. Ein weites, offenes Tal wird von schroffen Felswänden begrenzt. Wir installieren uns und genehmigen uns ein Feierabendbier. Sobald die Sonne hinter den Felswänden verschwindet, wird es kalt und feucht und ungemütlich. Zumindest draußen. Wir liegen früh in unserer Koje.

Freitag, 15.9.

Die Sonne braucht relativ lange, bis sie hinter den Felsen hervorkommt, aber dann wird es schlagartig warm. Wir radeln der Donau entlang, zunächst zum Kloster Beuron. Die Klosterkirche ist ein schöner, lichter Barockbau, an die Ende des 19. Jahrhunderts eine prachtvolle Kapelle mit düster-goldfarbenen Jugendstil-Fresken angebaut wurde.

Hauptschiff der Klosterkirche Beuron.
Jugendstilkapelle.

Auch in die andere Richtung, also Richtung Sigmaringen, ist die Fahrt ein Erlebnis. Die Donauschlaufen werden enger, man fährt an senkrecht aufragenden Felsen vorbei und kurz darauf durch liebliche Flussauen. Am Ufer träumen verschlafene Dörfer und Weiler vor sich hin, während auf den Klippen Burgen, Schlösser und Ruinen thronen. 

Abends bekommen wir Besuch von Ulli und Joa, von denen der Tipp mit dem Campingplatz ursprünglich stammte. Auch der Platz hat sich gefüllt, überall wird gegrillt, geplaudert und gelacht.  Ulli und Joa haben für uns alle eingekauft, und so kommen auch wir in den Genuss von Gegrilltem. 

Samstag, 16.9,

Morgens steckt das Donautal in tiefstem Nebel. Die Felsen um uns herum sind nicht sichtbar, alles ist in Watte gepackt. Kurz vor 11 Uhr taucht die Sonne spektakulär über den Felsen auf und brennt den Nebel in kurzer Zeit weg. 

Die Sonne kämpft sich durch. Rechts oben Schloss Werenwag.

Wir fahren mit den Rädern aus dem Donautal hinauf auf die weite, karge Hochebene der Schwäbischen Alb. In Stetten am kalten Markt kann man sich grob vorstellen, wie es hier im Winter ist. Kalt! Dann tauchen wir ein in das verschlafene, liebliche Tal der Schmeie, die ganz sanft Richtung Donau mäandert. Und bald sind wir wieder im Donautal mit seinen sanften Flußschleifen und den schroffen Felsabbrüchen. Ganz ehrlich, das war eine der schönsten Radtouren, die ich bisher überhaupt gemacht habe. 

Zum Abschluss gönnen wir uns eine kleine Stärkung und genießen den Blick vom Ausflugslokal ins Tal.

Rechts hinten liegt der Campingplat Wagenburg.

Sonntag, 17.9.

Wir sind so stolz auf unseren neuen Wechselrichter, dass wir immer alles sofort laden, und außerdem den Föhn und den elektrischen Wasserkocher benutzen. Damit haben wir es wohl etwas übertrieben und bekommen in der Nacht die Quittung: kompletter shutdown. Der Strom fällt aus, unsere beiden Lithium-Batterien sind völlig leer. Morgens organisieren wir mit Joas Hilfe Strom, so dass zumindest der Kühlschrank wieder funktioniert. Gut, dass die Lithium-Batterien sowas überhaupt mitmachen.

Heute fällt die Radtour etwas kürzer aus. Es ist der letzte Tag der Saison auf dem Campingplatz, und alle müssen abreisen. Wir fahren nochmal auf die Hochebene der Schwäbischen Alb und zum Schloss Werenwag, das eindrücklich auf einem Felssporn über der Donau thront. Das Schloss ist im Besitz der Hohenzollern und immer noch bewohnt. Leider darf man es nicht besichtigen, sondern nur vom Tor aus einen Blick auf das Anwesen werfen. Es sieht aus dieser Perspektive übrigens gar nicht so spektakulär aus wie von unten.

Schloss Werenwag ist im Besitz der Hohenzollern und heute noch bewohnt.

Wir verfransen uns ein bisschen, fragen mehr als einmal nach dem Weg und lernen dabei nette Leute kennen. Am Ende finden wir die perfekte Steecke über Irndorf und einen Waldweg wieder hinunter ins Tal. Die wenig angenehme Alternative wäre die Landstraße nach Beuron gewesen, eine beliebte Motorradstrecke.

Das war ein super nettes Campingwochenende mit Ulli und Joa, vielleicht gerade weil es so spontan war. 

Spontan laden wir uns bei den nächsten Freunden ein, bei Hucky und Christiane im Deggenhausertal. Bei strahlendem Spätsommerwetter ist die Fahrt dorthin schon wieder ein Erlebnis. Wir werden lecker bekocht, bekommen eine Ladung Strom für unsere Batterien und einen ruhigen Stellplatz bei einem Sportverein zugewiesen. 

Montag, 18.9.

Heute regnet es und soll auch den ganzen Tag so bleiben. Wir fahren zu Hymer nach Bald Waldsee, schauen uns die aktuellen Wohnmobile an (und finden kein einziges schöner als unseres) und besichtigen danach das Hymermuseum. In einem interessanten Gebäude wird hier die Geschichte des Campens mit vielen Wohnwagen und den dazu „passenden“ Autos sowie mit Wohnmobilen gezeigt. Die Campingbewegung fing Ende des 19. Jahrhunderts in England an und nahm nach dem zweiten Weltkrieg richtig an Fahrt auf. Pioniere wie Erich Bachem adaptierten die Leichtbauweise von Flugzeugen für die neuen rollenden Behausungen. Auf einer Rampe laufen die Besucher an Trabbis mit selbstgebauten Dachzelten vorbei, an Amphibiencampern und an den ersten Wohnmobilen und ausgebauten VW-Bussen. Von der Hippie- zur Surferbewegung geht es bis zu aktuellen Modellen, die selbst im tiefsten Winter noch Wohnkomfort bieten.

Normalerweise ist es nicht erlaubt, auf einem Museumsparkplatz zu übernachten. Bei Hymer schon. 

Dienstag, 19.9.

Es hängen noch graue Wolken am Himmel, aber es regnet nicht mehr. Nach der Campinghistorie soll es heute ein bisschen Barock sein, und wir besichtigen die schönste Dorfkirche Deutschlands. In Steinhausen, einem Ortsteil von Bad Schussenried, steht ein kleines Rokokojuwel.

Die Kirche hat einen ovalen Grundriss und wird durch drei übereinanderliegende Fensterreihen mit Licht durchflutet. Alles spielt sich an der Decke ab. Das zentrale Kuppelfresko zeigt Marias Aufstieg in den Himmel, ergänzt von acht Fresken außerhalb der Pfeiler, die ihren Lebensweg nachzeichnen. Die Stukkaturen an den Wänden und Pfeilern fügen sich meisterhaft in die perspektivische Malerei des Deckengemäldes ein. Wie auf einem Wimmelbild findet man immer neue Details. So sind in den Stukkaturen zahlreiche Tierdarstellungen versteckt. Das Ganze war übrigens familiäre Teamarbeit: Baumeister Dominikus Zimmermann war für den Kirchenbau und für die Stukkaturen zuständig, sein Bruder Johann Baptist Zimmermann für die Fresken. 

Nach der Rokoko-Kirche geht es in die Natur. Gleich um die Ecke bei Bad Buchau liegt der Federsee, bzw. das Federseemoor, mit 33 qkm das größte Moorgebiet in Südwestdeutschland. In 2 km langer Holzsteg führt über das Schilf zum See. Das Naturschutzgebiet ist Heimat unzähliger Vögel, Insekten und Fische.

In früheren Jahrhunderten wurde hier Torf abgebaut, was eine Absenkung des Grundwasserspiegels bewirkte. Dabei tauchten archäologische Zeugnisse prähistorischer Siedlungen von der Altsteinzeit bis zu den Römern auf. Die Geschichte dieser Siedlungen wird in einem hübschen kleinen Museum erklärt, das sinnigerweise auf Pfählen im Wasser steht. Im Museumsgarten werden jedes Jahr im Rahmen von Projektwochen Hütten in verschiedenen Baustilen errichtet, Flachs gehechelt, gesponnen und gewebt und Tierhäute gegerbt. 

Wir können direkt am Museum und am Schilfrand stehen und sind mal wieder erstaunt, wie dunkel es nachts ist.

Mittwoch, 20.9.

Bei der Fahrt nach Isny im Allgäu überlegen wir zum wiederholten Mal, warum wir so gerne weit weg fahren, wenn es um die Ecke ebenfalls traumhaft schön ist. Die Hügel wellen sich, die Kühe sind anerkanntermaßen schöner als die Mädle (OK, ein ganz blöder Spruch), Kirchen mit Zwiebeltürmchen dominieren die Ortschaften, und im Hintergrund sieht man die Alpen mit blauen Bergen.

Isny ist ein hübsches kleines Städtchen, dessen oval angelegte Innenstadt zu großen Teilen noch von der alten Stadtmauer umgeben ist. Einträchtig stehen die katholische Kirche St. Georg und Jakobus  (im Rokokostil) und die reformierte Nikolaikirche nebeneinander, beide mit Zwiebeltürmen, versteht sich. In der Innenstadt fällt sofort die grafisch schöne Beschilderung in schwarz-weißen Piktogrammen auf. Otl Aicher, Deutschlands berühmtester grafischer Gestalter, hat sie Ende der Siebziger Jahre für Isny entworfen. Isny stand für ihn dabei gleichzeitig stellvertretend für die hügelige, bäuerlich geprägte Landschaft des Allgäus. Eine kleine Ausstellung im Zentrum von Isny zeigt alle 138 Piktogramme und beschreibt Aichers Arbeitsweise.

„Der Himmel über Isny ist nicht blau, sondern schwarz und weiß. Aber blau ist er auch,“ fand Otl Aicher.

Donnerstag, 20.9.

Es ist nochmal ein strahlend schöner Tag, bevor morgen der große Regen einsetzen soll. Ich mache eine mittlere Radtour, ohne Komoot und ohne vorher definierte Route. Hier ist alles so offen und weit, dass man sich jederzeit orientieren kann. Die kleinen Sträßchen sind gut zu fahren und praktisch autofrei. Ein Radlerparadies.

Freitag, 21.9,

Wir sind so froh, dass wir noch am Vorabend alles gepackt haben: Gartenstühle ins Auto, Fahrräder auf den Träger und Markise eingefahren. Es regnet Bindfäden, und man ist sofort klatschnass. Aber wie gesagt, wir müssen außen fast nichts mehr machen. 

Wegen des schlechten Wetters fällt es uns nicht ganz so schwer, dass wir die Reise erneut unterbrechen müssen. Wir fahren nach Hause.

Dort angekommen entladen wir unser WoMo teilweise, da wir die Tage ja wieder los wollen. Am Samstag beschließen wir dann allerdings für eine ganze Woche daheim zu bleiben. Es gibt schlimmeres – besonders, da es die nächste Woche noch um die 20 Grad warm sein soll.

Schweiz, Juli 2023

Für fünf Tage sind wir nun ins Berner Oberland gefahren, genau gesagt nach Kiental. Eigentlich waren 7 Tag geplant, aber aufgrund der Wetterprognose sind wir nur von Mittwoch bis Sonntag dort.
Freitag treffen wir uns dort mit Freunden, denen wir den Trip zu verdanken haben, da sie die Gegend kennen und mir ein Wochenende zum Geburtstag dort geschenkt haben.
Wir hoffen, dass das Wetter dann etwas besser ist und wir etwas gemeinsam unternehmen können. Schön Essen gehen werden wir ganz sicher.

Nachdem es gestern recht frisch (ca. 15 Grad) war und nachts sogar die Heizung angesprungen ist, ist es heute (Donnerstag) sogar sonnig. Jeannine ist zu einer grösseren Wanderung gestartet.
Ich habe mit der Hotline unseres Daten-Karten-Anbieters telefoniert, da wir leider über unseren Router keinen Internetzugang haben. Es scheint so zu sein, dass wir in einem Funkloch sind… online also nur mit Hotspot (langsam und dann irgendwann recht teuer).

Der „Campingplatz“ ist eigentlich keiner – denn es gibt gerade mal 3 Plätze, auf gesamt ca. 150 qm. Gestern Abend haben sich (mit uns) 3 Fahrzeuge die Wiese geteilt. Erinnerte also mehr an einen Stellplatz. Auf dem Rest des Geländes befinden sich lauter Mobilhomes. Nun ja, trotzdem ganz nett. Die (4?) Betreiberinnen haben den Platz erst am 1.7.23 übernommen – sind also auch noch nicht ganz „eingerichtet“. So ist das Restaurant noch geschlossen und Gipfeli gibt es auch nicht. Immerhin kann man auf der Terrasse einen Kaffee trinken.

Blick vom Restaurant in ca. 1500m Höhe
Der „Stellplatz“, als wir noch alleine waren
Highlight: Die Fahrt mit dem Postbus auf die Pochtenalp. Mit 28% (!!!) Steigung die steilste Postbusstrecke Europas.

Das eigene Stromkraftwerk: Unser Wechselrichter

Ein weiterer, sehr grosser Schritt zum autarken Campen ist unser neuer Wechselrichter.

Wofür braucht mann/frau so etwas? Nun, dass WoMo verfügt über 2 Solarpanels und 2 Lithiumbatterien die den „Aufbau“ (=Wohnbereich)* mit 12V-Strom versorgen. Der in den Batterien gespeicherte Strom wird in das im WoMo vorhandene „Stromnetz“ eingespeist, z.B. für die LED-Beleuchtung, die Wasserpumpen, den Lüfter im Bad, den Kühlschrank, usw. Zudem sind mehrere USB-Ladestationen (vom Hersteller) im Auto verbaut, sodass man iPhones, iPads usw. direkt an den Buchsen, mit 12V, laden kann.

*das WoMo hat zusätzlich auch eine Starterbatterie, wie jedes Auto, die den Anlasser, Blinker, Fensterheber, Licht usw. versorgt.

ABER: Dies alles nur mit 12V.
Es gibt aber auch Geräte, die 230V benötigen (z.B. Fön, Elektrokocher,..) oder Akkus die mit 230V geladen werden müssen, wie z.B. die von den eBikes oder vom Akkustaubsauger und unserer Zahnbürste.
Die nötigen 230V bekam man (bislang) nur über den „Landanschluss“ auf dem Campingplatz. Das WoMo hat einen (Aussen-)Stecker den man mit der „Stromstation“ auf dem CP per Kabel(-Trommel) verbinden musste. Somit konnte man, aber nur solange man Landstrom hatte, auch die 230V Geräte betreiben/laden. Dies ist aber nur auf CPs möglich und nicht auf Stellplätzen (die nur selten Lade-/Stromanschlüsse bieten), wo man dann diese Geräte nicht nutzen und nicht laden konnte.

Dies ändert sich mit einem Wechselrichter: Wie der Name andeutet, wandelt er denn 12V-Strom (der in den Solarpanels gesammelt und den Batterien gespeichert wird) in 230V. Somit hat man alle Möglichkeiten die verschiedensten Verbraucher anzuschließen. Die Kapazität ist (bei unserem) auf 1500W begrenzt. Geräte mit weniger Leistungsaufnahme können also verwendet werden – und „ziehen“ während dem Betrieb/Laden Strom aus den beiden Lithiumbatterien, die durch die Solarpanels weiter geladen werden (solange die Sonne scheint). Wir produzieren nun also unseren eigenen Strom und sind unabhängig von den Landstromanschlüssen auf den CPs.

Wie lange die Batterien genug 230V-Strom abgeben können hängt davon ab, wie viele Geräte/Akkus man gleichzeitig nutzt und ob währenddessen die Solarpanels genügend Sonne bekommen um die Batterien wieder zu speisen.
Fährt man mit dem WoMo laden sich die Batterien auch dadurch (wie bei der Startertbatterie via Lichtmaschine) wieder auf.
Schließt man das WoMo trotz Wechselrichter auf dem CP an den Landstrom an, so werden die Batterien weiter geladen und es wird automatischer der Landstrom verbraucht, d.h. die Batterien werden nicht in Anspruch genommen.

Der Sinn ist also, dass man auch dort wo man keinen Landstrom bekommt, trotzdem seine eigenen 230V produzieren und nutzen kann. Außerdem entfällt das Ausrollen der Kabeltrommel auf dem CP für den Anschluss an den Landstrom – und man spart auf dem CP pro Übernachtung ca. EUR 4.-, wenn man keinen Strom benötigt.

Unser Wechselrichter hat (inkl. Einbau) ca. EUR 1.500.- gekostet. Amortisiert sich also nach ca. 400x Stromnutzung auf dem CP und bietet natürlich die o.g. Vorteile der Unabhängigkeit.

Eingebaut ist der Wechselrichter unter der Sitzbank (dort sind auch die beiden Batterien). Von aussen sieht man nur dieses kleine Kästchen, mit dem Ein- und Ausschalter:

Anmerkung 20. Oktober 2023

Auch wenn die App einen Ladezustand der Batterien von je 100% anzeigt: Man sollte es nicht übertreiben! Wir haben es nun 2x „geschafft“ die Batterien komplett zu entladen. Eigentlich waren sie voll – dann haben wir geladen (die Fahrradakkus, die Zahnbürste und Wasser mit dem Elektrokocher gekocht). Und schwupp, waren sie leer. Genau genommen nach ca. 5 Tagen.
Da sie nicht „nachladen“ konnten (via Sonne) und wir auch nicht gefahren sind, ging dann die gesamte Elektrik im WoMo aus: Innenbeleuchtung, Pumpen der Wasserhähne, Kühlschrank…alles.
Es dauerte dann, mit Anschluss/Aufladen via Landstrom und Fahren ca. 24 Stunden, bis die Batterien wieder ihre volle Leistung hatten.
Besonders im Herbst (und Winter) sollte man also doch überlegen, was und wie lange man etwas lädt, da die Solarzellen es nicht schaffen „nachzuladen“ oder man wechselt öfter den Stellplatz/CP, da die Batterien dann auch während der Fahrt geladen werden.

Internet und WLAN im WoMo

Das Problem kennt wahrscheinlich jeder Camper: Kein Internet!
Da Campingplätze in der Regel recht gross sind, gibt es meistens nur in der Nähe der Rezeption einen halbwegs guten Empfang, über den (öffentlichen, nicht geschützten) Router des CPs. Das Passwort dafür erhält man meistens beim Einchecken. Und zwar erhalten es alle – d.h. dieses Netz wird langsamer, je mehr Camper sich dort anmelden. Zudem muss man sich mit seinen Geräten (iPad, Laptop,..) in der Nähe der Rezeption aufhalten – dort ist man oft nicht alleine, wird gestört, o.ä.

Die individuelle Lösung: Ein eigener, mobiler Router!
Dafür braucht man das Gerät an sich (ca. 10x10x2 cm gross) und eine SIM-(Daten-)Karte. Damit kann man seinen eigenen Internetzugang und sein WLAN einrichten (und alleine nutzen). Der mobile Router lässt sich mit diversen Geräten gleichzeitig verbinden (mehrere iPhones, mehrere iPads, usw.).

Wir haben uns einen „Netgear Nighthawk M1“ Router gekauft und diesen daheim mit einer heimischen Karte ausgiebig und erfolgreich getestet.
Die Recherchen haben nämlich ergeben, dass man die SIM-Daten-Karte günstiger im jeweiligen Urlaubsland kauft, da ansonsten Roaming-Gebühren anfallen können. Zudem sind deutsche und Schweizer Karten in der Regel wesentlich teurer, als z.B. französische oder spanische Karten.

Den mobilen Router also für die Reise eingepackt und bei der ersten Gelegenheit in Frankreich eine französische Karte gekauft. Dafür gingen wir in einen „Orange-Shop“ (in Frankreich einer der größten Telekommunikationsanbieter). Diese schickten uns lustigerweise gegenüber zu einem Tabak-Shop – der genau die gewünschten Karten verkauft. Auf dem Kassenzettel stand dann der Aktivierungscodes und das Basispasswort. Eine SMS an den Anbieter – und dann wurde die Karte freigeschaltet. Perfekt!

So haben wir nun unser eigenes (sehr schnelles und stabiles) Internet/WLAN, das wir überallhin mitnehmen können (z.B. an den Strand oder zu einem netten Sitzplatz).

Die Karte hat eine Laufzeit von einem Monat und kann dann wieder mit neuem (Daten-) Guthaben aufgeladen werden. Bei der nächsten (Spanien-)Reise werden wir uns ebenfalls eine entsprechende Karte kaufen.

Das ist der mobile Router. Weitere Anschlüsse: Antenne, Ethernet, auch als Powerbank nutzbar.

Frankreich, Mai 2023

Donnerstag (Himmelfahrt) 18.5.2023

Wir ändern mal wieder kurzfristig unsere Reiseroute. Für die Cevennen, wo wir eigentlich hinfahren wollten, ist die Wetterprognose für die nächste Zeit nicht so prickelnd. Regen hatten wir zuhause genug, jetzt wollen wir in die Sonne fahren. Paradoxerweise ist die Vorhersage für den Norden Frankreichs besser als für den Süden, also richten wir uns danach aus.

Wir fahren die nun schon altbekannte Route über Freiburg, Belfort, Besançon und peilen einen Campingplatz in Dole an, auf dem wir vor einigen Jahren schon mal waren. Die Fahrt ist unspektakulär und glücklicherweise stau- und regenfrei. Viel Verkehr ist natürlich trotzdem, aber zumindest keine LKWs. 

Dole ist ein hübsches mittelalterliches Städtchen im Burgund und liegt an einer Schleife des Flusses Doubs. Der Campingplatz ist sehr idyllisch in einem Dreieck zwischen dem Fluss und dem Rhein-Rhone-Kanal gelegen, aber leider belegt. Reserviert hatten wir nicht, müssen also wieder umdrehen. Jetzt sind wir froh über unser Wohnmobil. Im Gegensatz zum Wohnwagen können wir damit auch auf dem Stellplatz im Ort übernachten, der zwar weniger beschaulich ist, aber dafür näher an der Stadt liegt. Wir haben einen Panoramablick auf die Altstadt mit Kathedrale.

In 5 Minuten ist man in der Altstadt. Es gibt eine Passage unterhalb mehrerer Häuser, die vom Kanal zu einer Gasse weiter oben führt. Im Städtchen wartet eine Blasmusikgruppe mit schwungvollem und etwas schrägen Sound direkt vor der Kathedrale auf. In der Kirche das Kontrastprogramm: eine klassische Solosängerin, begleitet von der Orgel.

Wir entscheiden uns für Resteessen im Wohnmobil und liegen um 22:30 Uhr im Bett.

Freitag, 19.5.

Nach einem weiteren Spaziergang durch Dole, inklusive Kaffee und dem erfolgreichen Kauf einer SIM-Karte für unseren neuen Router, peilen wir Beaune an, das im Zentrum des Weinanbaugebiets Côte d‘Or im Burgund liegt. Leider sind wir nicht die einzigen, die das Städtchen an diesem Feiertagswochenende besichtigen wollen. Wir probieren es auf zwei Campingplätzen und einem Stellplatz, aber alles ist bereits voll. Wir fahren weiter nach Westen und landen in einem Dorf namens Nolay, wo wir mehr Glück haben. Der Campingplatz ist sehr  naturbelassen und offensichtlich ein Geheimtipp für Zelt-Camper. Oder es liegt wiederum am Feiertagswochenende, dass so viele Gruppen und Familien hier übernachten. 

Nolay ist ein winziges Weinbaudorf. Im Zentrum die typische romanische Kirche, und daneben eine riesige offene Markthalle. Eigentlich ist es eher ein aufgeständertes Dach mit beeindruckender Holzkonstruktion. Das Markt-Dach stammt original aus dem 14. Jahrhundert und hat die Zeitläufte erstaunlich gut überstanden. 

Wir entscheiden uns für Pizza vom Campingrestaurant. Alle Gäste sitzen draußen, und wir scheinen die einzigen zu sein, die frieren. Neben uns sitzen Camper in Flip-Flops, während wir bedauern, dass wie die Daunenjacke nicht eingepackt haben. Die Pizza bestellen wir dann kurzerhand zum Mitnehmen. Im Wohnmobil ist es definitiv gemütlicher.

Samstag, 20.5.

Wir fahren auf Landstraßen durch das Burgund und sind begeistert. Die Anbaugebiete sind eher kleinteilig, die hügelige Landschaft abwechslungsreich, die Dörfer mittelalterlich, die Häuser blumengeschmückt. Über mehrere Kilometer führt die Landstraße neben dem Canal du Centre, der die Saône mit der Seine verbindet. Eine Schleuse folgt dicht auf die nächste, und die Fahrt auf dem Kanal ist definitiv nichts für Hektiker. Zusammen mit einer Radlergruppe beobachten wir, wie ein Flussschiff langsam in einer Schleuse abgesenkt wird und danach wie befreit unter der Brücke hindurchfährt.

Wir machen einen Abstecher nach Paray-le-Monial, wo es eine sehr schöne romanische Kirche gibt. Sie ist ein Ableger von Cluny und eine Version der dortigen Kirche im Kleinformat. Beide Kirchen wurden im 13. Jahrhundert während der großen Pilgerwelle nach Santiago de Compostela als Wallfahrtskirchen erweitert.

Die Basilika von Paray-le-Monial sieht von außen eher gedrungen aus. Im Inneren jedoch besticht der schnörkellose Kirchenraum durch seine Klarheit. Viel Licht fällt auf den gelblichen Sandstein der Mauern und auf das wunderbare Fresko im Deckengewölbe des Altarraums. 

Hinter der Basilika liegt ein Park mit weiteren Kapellen, der den Pilgern zur Verfügung steht, die zum Sacré Coeur ziehen. Als wir ankommen, haben sich zahlreiche Pilger im Park zu Gebets- und Gesprächskreisen versammelt. Etwa eine Stunde später ist niemand mehr zu sehen.

Wir übernachten auf einem Stellplatz in einem Dorf namens Gouzon. Der liegt auf einem weitläufigen Platz am Rande des Dorfes und ist nicht nur gut ausgestattet, sondern richtiggehend gemütlich mit vielen Bäumen und einem kleinen Park.

Sonntag, 21.5.

Von den rund 260 Kilometern, die wir heute in Richtung Nantes fahren, sind gefühlt 200 Kilometer schnurgerade Straßen, die ohne Kurven die Hügel hinauf- und wieder hinabführen. Unterbrochen werden sie nur durch die allgegenwärtigen Kreisel. Wir fahren meistens auf Nationalstraßen, auf denen heute lebhafter Verkehr herrscht. 

Nach der etwa 50. „Ente“, die wir sehen (Citroën 2CV), googeln wir mal. Und tatsächlich: Im bretonischen Plouay hat ein nationales 2CV-Treffen stattgefunden. Von dort kommen sie alle her, die Enten.

Wir machen eine kurze Rast auf einem Parkplatz und sind wieder angetan davon, wie gut die Infrastruktur auf französischen Straßen ist. In regelmäßigen Abständen gibt es Parkbuchten. Etwas weiter voneinander entfernt sind Rastplätze eingerichtet, wie der, auf dem wir halten. Sie haben nicht nur genügend Parkplätze, sondern Picknicktische, Toiletten, Müllentsorgung für alle und Abwasserentsorgung für Camper. Manchmal gibt es -wie hier – eine Bude, in der man Getränke und Snacks kaufen kann. Aber die Franzosen sind vor allem auf Picknicks eingerichtet, sie haben Tischdecken und Picknickkörbe dabei und machen die Rast zum kulinarischen Event.

Nach den letzten Tagen brauchen wir mal eine Autopause. Wir finden einen Campingplatz zwischen Poitiers und Nantes an einem kleinen Flüsschen. Der Platz übertrifft die positiven Beschreibungen im Internet um ein Vielfaches. Außerdem sind wir fast die einzigen Gäste. Wir stehen mehr oder weniger allein in einem Park unter alten Bäumen an einem Flüsschen. Außer Vogelgezwitscher hören wir nichts. Jetzt müssen wir nur noch entscheiden, ob wir morgen lieber radfahren oder wandern wollen.

Montag, 22.5.

Wir genießen den Platz, von dem Claus meint, er höre sich an wie in einer Volière. Das Vogelgezwitscher ist unbeschreiblich. Dass wir in der Natur gelandet sind, zeigt sich spätestens angesichts eines riesigen Vogelschisses, der auf meinem weißen Handtuch landet. Dass Vögel so etwas Großes überhaupt produzieren können!

Es gibt hier viele gut ausgeschilderte Radwege, von denen einer dem Flüsschen entlang führt. Das ist bewusst naturbelassen – oder renaturiert worden – und ist ein echtes Biotop. Sogar Biber lässt man hier walten.

Abgesehen von dem Biotop-Flüsschen ist hier allerdings nichts Besonderes zu entdecken. Die Dörfer sind so wie französische Dörfer sind: Eine Kirche im Zentrum, eine „Mairie“ (Rathaus) mit dreifach gesteckten französischen Fähnchen, gelegentlich kombiniert mit einem Postamt. Eine Bäckerei, manchmal ein Metzger, selten eine Kneipe und häufig viel Leerstand. In der Ortsmitte eng gebaute alte Häuser, weiter außerhalb Neubausiedlungen mit „aufgeräumten“ Gärten ohne jeden Charme und praktisch ohne Baumbestand. Am Rande größerer Orte pulsiert dann das Leben mit Supermarkt, Tankstelle und Gewerbe. 

Dienstag, 23.5.

Heute erreichen wir endlich die Bretagne. Unser erstes Ziel ist der sagenumwobene Wald Brocéliande, in dem König Artus und seine Ritter nach dem goldenen Gral gesucht haben sollen. Der Zauberer Merlin baute hier für seine Geliebte Viviane ein unterirdisches Schloss ais Kristall, so heußt es. Sagen und Mythen sind allgegenwärtig in der Bretagne. 

Der verwunschene Zauberwald ist heute ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer, Naturliebhaber und Schulklassen. Die Stell- und Campingplätze in Paimpont in der Mitte des Waldes gefallen uns aber nicht, weshalb wir weiterfahren. Wir landen auf einem Campingplatz an einem Badesee namens Lac du Duc bei Ploërmel. Obwohl der See winzig ist, bietet ein Wassersportzentrum direkt vor dem Campingplatz alle Möglichkeiten: Vom Tretboot bis zum Surfbrett wird hier alles vermietet, was schwimmt. Die Gegend ist auch ein Fahrrad-Paradies. Neben den wenig befahrenen Landsträsschen führt hier auch eine Voie Verte durch, ein Radwanderweg, der alte Bahntrassen nutzt.

Ploërmel ist ein wenig touristisches kleines Städtchen mit erstaunlich gut sortierten Geschäften. An der Hauptkirche St.-Armel beeindruckt vor allem das reich gestaltete Nordportal.

Mittwoch, 24.5.

In Ploërmel erstehen wir ein super leckeres Baguette und verputzen ein belegtes Sandwich direkt vor der Bäckerei. Da Claus keinen Rucksack für den Baguette-Transport dabei hat, wird erfolgreich improvisiert.

Claus‘ Erfindung: Der „e-Bike-Baguette-Halter“! Nächste Woche bei der Höhle der Löwen. Dafür MUSS es Investoren geben:)

Die Radtour führt weiter auf der Voie verte und entlang des Kanals Nantes-Brest zu dem kleinen Ort Josselin. Der Nantes-Brest-Kanal wurde übrigens ursprünglich von Napoleon in Auftrag gegeben und war im 19. Jahrhundert eine wichtige Route für den Lasttransport. Heute hat der 364 km lange Kanal mit seinen 264 Schleusen nur noch touristische Bedeutung. Die alten Schleusenhäuser wurden renoviert und dienen als Gasthäuser für die Freizeitschipper und die Radfahrer, die den Kanal entlang fahren. Der Kanal ist ein Naturparadies. Kühe und Schafe weiden bis an seine Ufer, alte Bäume lassen ihre Äste ins Wasser hängen, Seerosen treiben träge im Wasser, und die Zeit scheint stehengeblieben zu sein.

Josselin gehört zu den „petite cités de charactère“, zu den Kleinstädten mit Charakter, eine  Auszeichnung, die Ende der 70er Jahre in der Bretagne erfunden wurde. Hoch über dem Städtchen thront ein Schloss aus der frühen Renaissance, das seit rund 800 Jahren im Besitz derselben Familie ist. Im Stadtzentrum gruppieren sich liebevoll restaurierte Fachwerkhäuser in bunten Farben um die Kathedrale. 

Donnerstag, 25.5.

Nachdem wir unsere Infrastruktur in Schuss gebracht haben (Grauwasser raus, Frischwasser rein, tanken, einkaufen), machen wir einen Abstecher zu den Hinkelsteinen bei Carnac. Vor 7000 Jahren wurden hier auf einem Gebiet von 4 km Länge insgesamt 3000 sogenannte Menhire errichtet, also Felsblöcke senkrecht aufgestellt. In langen Reihen, wie eine zu Stein gewordene Armee. Warum genau unsere prähistorischen Vorfahren diese Mühsal auf sich genommen haben, ist bis heute ungeklärt.

Von Carnac aus, das geschützt am Golf von Morbihan liegt, ist es ein Katzensprung zu unserem nächsten Ziel, der Halbinsel Quiberon. Es gibt eine einzige Zufahrtstraße, die über einen Damm führt. Auf der Straße ist schon mal viel los, Vorbote für das lange Pfingstwochenende. Quiberon hat eine geschützte Seite, die dem Golf von Morbihan zugewandt ist, und eine wilde Küste (côte sauvage) Richtung Atlantik. Die Campingplätze liegen sinnvollerweise alle auf der „sanften“ Seite, so auch unserer. Anders als in den Tagen zuvor scheint heute die Sonne, am Himmel keine einzige Wolke. Obwohl ein kräftiger Wind weht, haben wir auf einen Schlag das Gefühl von Sommer, Sonne, Meer. Wir drehen eine Runde mit dem Rad zum Hauptort Quiberon, und ich erstehe ein bretonisches Ringelshirt. Der Sommer kann beginnen.

Freitag, 26.5.

Wäsche waschen ist angesagt, und wir meistern die Herausforderung, zwei Maschinen auf unsere Wäscheleinen zu bekommen, für die es hier zu wenig Bäume gibt. Die Leine hängt bis fast auf den Boden durch, aber es ist ja alles im Nu trocken.  Bei jeder Mahlzeit werden wir von einem Rotkehlchen besucht.

Nochmal eine kleine Radtour, und abends werfen wir zum ersten Mal unseren Grill an.

Samstag, 27.5.

Wir drehen eine Runde mit den Rädern um die ganze Insel und schauen uns die wilde Seite der Küste an. Es ist heute praktisch windstill. und wir können einen Kaffee trinken, ohne den Keks festhalten zu müssen. Auf dem Meer tummeln sich Segelboote, Taucher erkunden die Felsen, und Biker tuckern über die Sträßchen. In kleinen Buchten quietschen Kinder im Wasser.

Sonntag bis Montag, 28.-29.5.

Wir bleiben kurzentschlossen das ganze Pfingstwochenende auf Quiberon, radlen mehrfach um die Halbinsel, bewundern die schönen Häuser in den Dörfern und die sandigen Buchten zwischen den Felsen.

An der Côte Sauvage gibt es ein natürliches Felsentor, das man zu Fuß entdecken kann. 

Was man auf den Fotos nicht zeigen kann, sind die Düfte! Man riecht Pinien, Ginster und Rosen, und man wird geradezu überwältigt von den Duftwolken des Jasmins, der hier zur Zeit blüht. 

Dienstag. 30.5.

Wir folgen einem Tipp unseres Campingnachbarn und fahren nach Guilvinec, einem der größten Fischereihäfen der Bretagne. Wir finden einen netten Camping Municipal (das sind einfache Campingplätze, die der jeweiligen Gemeinde gehören) und fahren mit den Rädern am Strand entlang ins Städtchen. 

Direkt am Hafenkai liegt eine riesige Halle, und Besucher können den ganzen Ablauf von der Ankunft der Kutter bis zum Abtransport der Fische im Rahmen einer Führung mitverfolgen.

Guilvinec ist bezogen auf die umgeschlagene Tonnage der viertgrößte  Fischereihafen Frankreichs, umsatzmäßig sogar der zweitgrößte. Die Kutter, die wir beobachten, waren auf Tagestour, das heißt, sie sind morgens um 3 oder 4 Uhr gestartet und kommen zwischen 16 und 17 Uhr zurück. Unsere Führerin erklärt, dass es auch größere Kutter gibt, die 8 bis 14 Tage lang unterwegs sind und in der irischen See und vor England fischen. Gefischt wird mit Schleppnetzen. 

Wir kommen rechtzeitig, um die Einfahrt der Kutter in den Hafen beobachten zu können. Sie legen an jeweils festgelegten Plätzen am Kai an. Jeder Kutter hat einen eigenen Kran an Bord und hebt die Fischkisten auf den Kai, wo sie von den Hafenarbeitern in die Halle gefahren werden. Das ganze Procedere geht im Minutentakt. Ist ein Kutter entladen, legt er sofort vom Kai ab und macht Platz für den nächsten.

Beim Zuschauen sind wir nicht ganz alleine…

Unsere Führerin bringt uns in die Auktionshalle, in der Kühlschranktemperatur herrscht. Während es draußen richtig warm war, sind wir jetzt sehr froh über unsere Jacken. Die Auktion, auf Französisch „Criée“ (von Schreien), war früher so, wie man sich das vorstellt. Der Auktionator rief in rasendem Tempo die Angebote aus, die von den Bietern laut rufend angenommen wurden. Ich selbst habe das vor Jahren mal in einem anderen bretonischen Hafen miterlebt. Inzwischen hat sich das grundlegend geändert.  Der Auktionator sitzt an einem Computerterminal, und alles läuft übers Internet. Immerhin kann man auf einer Anzeigentafel verfolgen, was gerade angeboten und zu welchem Preis verkauft wird. 

In den Kisten liegen Fische und Krustentiere, fein säuberlich nach Art, Größe und Zustand sortiert. Schöne, große Exemplare gehen in die Gastronomie und in den Handel, kleinere oder verletzte Tiere in die Fischfabriken. Wir sehen eine unglaubliche Fülle verschiedener Fischarten, nicht alle sind hübsch. Besonders beeindruckend sind die Seeteufel, von denen übrigens nur die Schwänze gegessen werden. Der Kopf, der etwa die Hälfte des Fisches ausmacht, besteht praktisch nur aus Knorpel und wird zu Fischmehl verarbeitet.

Nach der Auktion fahren die Kisten auf Förderbändern zu einer Station, wo sie automatisch mit einer genau dosierten Menge Eis bedeckt werden. Die Förderbänder laufen weiter in den nächsten Teil der Halle, wo Roboter die Kisten kommissionieren. Die Kommissions-Kistenstapel werden von Hafenarbeitern auf Gabelstapler geladen und zu den Rampen gefahren. Allein den Gabelstaplerfahrern zuzusehen, ist ein Erlebnis. Sie haben ein ziemliches Tempo drauf, kurven umeinander herum und bewegen die Fischkisten trotzdem wie rohe Eier. Die LKWs, die die Fischfracht umgehend in den Rest des Landes liefern, können wir hinterher auf der Rückseite der Halle abfahren sehen.

Nach dieser Besichtigung haben wir richtig Hunger, Fischhunger, genauer gesagt. Aber es soll nicht sein. Wir versuchen es in fünf verschiedenen Restaurants, aber entweder sie haben geschlossen (egal welche Öffnungszeiten im Internet stehen) oder sie haben nichts mehr übrig, wie die Kneipe, in der wir ein Bier trinken und die nur Mittagstisch anbietet, oder sie öffnen erst viel später und lassen uns nicht vorher rein. 

Zum Glück gibt es Spaghetti!

Mittwoch bis Donnerstag, 31.5. – 1.6.

Bisher waren wir an der Südküste der Bretagne unterwegs und wollen langsam an die Nord- bzw. Kanalküste. Auf dem Weg dorthin machen wir einen Zwischenstopp in dem Örtchen Châteaulin, das am Rande des Naturparks Armorique und am Kanal Nantes-Brest liegt, den wir ja bereits kennen. Bis hierhin führt auch der Kanalradweg, und entsprechend viele Fahrradtouristen sieht man auf dem Campingplatz. In Châteaulin gibt es am Donnerstag einen Markt, auf dem ich neben Gemüse auch ein frisch gegrilltes Hähnchen „fermier“ (vom Bauernhof) erstehe. Beim Essen denken wir an meinen Vater, für den ein „Güggele vom Schappeler“ ein kleines Festessen war.

Freitag bis Samstag, 2.6. – 3.6.

Unsere Fahrt zur Kanalküste führt uns durch den Naturpark Armorique. Der entpuppt sich auf weite Strecken allerdings als Mondlanschaft. Wie wir nachlesen, hat hier im vergangenen Sommer ein Flächenbrand über 1700 Hektar des Waldes und – schlimmer, wegen des CO2-Ausstosses – der Torfmoore zerstört. 

Unser nächster Campingplatz liegt am westlichen Rand der berühmten rosa Granitküste und an einer Bucht, im Örtchen Trégastel. Als wir ankommen, denken wir auch erstmal an Mondlandschaft, aber hier ist es einfach die Ebbe. Die Kanalküste wird von den Gezeiten dominiert. Der Tidenhub ist hier so groß, dass es nicht eine, sondern zwei Landschaften gibt. Bei Ebbe kann man durch die ganze Bucht laufen, bei Flut tummeln sich die Fischerboote und die Surfer. An der Rezeption hängt eine aktuelle Gezeitentabelle mit den Zeiten für Ebbe und Flut sowie den Wasserständen. Die variieren von Tag zu Tag, und man kann sehen, dass der Tidenhub zwischen 4,5 und 7,5 Metern schwankt. Dass 7 m mehr oder weniger Wasserstand einen Unterschied machen, leuchtet ein.

(Claus:) Ich genieße im Camping-Restaurant ein typisch französisches Essen: „Fish & Chips“

Übrigens geht die Sonne hier um diese Jahreszeit erst gegen 22:30 unter. Die Abende sind lang und schön – aber momentan leider viel zu kalt, um draußen sitzen zu können.

Sonntag, 4.6.

Wir fahren der Kanalküste entlang weiter östlich bis Saint-Malo. Wir haben einen Campingplatz zwischen der berüchtigten Corsaren-Stadt und dem Austerndorf Cancale gefunden. Der Platz ist riesig und komplett belegt. Das erweist sich als Glücksfall. Wir landen statt dessen auf einem sympathischen familiengeführten Campingplatz, der direkt an ein Naturschutzgebiet grenzt. Mit dem Rad sind es 5 Minuten zum Meer und jeweils etwa 5 Kilometer nach Saint Malo und nach Cancale. 

Cancale befindet sich am östlichen Rand einer großen Bucht, in der auch der berühmte Klosterberg Mont Saint Michel liegt. Den erkennt man sogar im Dunst – ebenso wie das gegenüberliegende Ufer der Bucht, das bereits zur Normandie gehört. In der Bucht ist der Tidenhub so hich wie nirgendwo sonst und liegt derzeit bei etwa 10 Metern. Die enromen Wassermassen, die hier viermal täglich ein- und ausströmen, werden für die Austernzucht genutzt. Vor Cancale liegen fußballfeldgroße Austernbänke, und frischer als hier kann man Austern nicht genießen. Wenn man sie denn mag. Wir diskutieren, ob wir sie probieren sollten, wenn wir schon mal hier sind, und entscheiden uns dagegen. Nichts gegen Fisch und Meerestiere, aber doch lieber tot und am besten gekocht. Viele Franzosen aber schlemmen die Austern direkt auf der Hafenmauer. 

Montag, 5. Juni

Saint Malo erreicht man mit dem Rad in einer guten halben Stunde. Die Altstadt wird „Intra Muros“ genannt, und das ist sie auch: umschlossen von einer gigantischen, zwei Kilometer langen (Festungs)Mauer, auf der man komplett um die Stadt herumspazieren kann. Mit der Festungsanlage (erbaut von Frankreichs berühmtestem Festungsbauer Vauban) trotzten die stolzen Malouiner allen Angriffen. Gegen die Bombardements der Amerikaner im zweiten Weltkrieg nützten die meterdicken Mauern allerdings nichts. Die Amerikaner befreiten Saint Malo gegen erbitterten Widerstand von deutscher Besatzung und zerstörten dabei die Altstadt zu 85%. Nach dem Krieg wurde sie nach alten Plänen originalgetreu wiederaufgebaut.

Weil gerade Ebbe ist, kann man auf ein vorgelagertes Inselchen spazieren, auf der der Schriftsteller und Politiker Chateaubriand begraben werden wollte (und wurde). Ehrlich gesagt, kannten wir Chateaubriand eher vom gleichnamigen Rindersteak, aber tatsächlich begründete er die französische Romantik. Der Rundgang um die Stadt ist fast interessanter als der Gang durch das Städtchen, das seinen Reichtum vor allem im 16. Jahrhundert durch Handel (unter anderem Sklavenhandel) und Freibeuterei erlangte. Die „Corsaren“ aus Saint Malo besaßen einen Freibrief des Königs und überfielen in dessen Namen englische und holländische Handelsschiffe. Piraterie mit königlicher Erlaubnis also. Vor lauter Stolz rief Saint Malo im 16. Jahrhundert sogar kurz mal eine eigene Republik aus. Auch heute noch verstehen sich die Maloiner als etwas Besonderes: „Ni Français, ni Breton, Malouis suis“ (Ich bin kein Franzose, kein Bretone, sondern Malouiner). Die verwegene Vergangenheit der Corsaren hingegegen taugt heute vorwiegend noch zu Dekorationszwecken.

Camping kann auch Begegnungen mit interessanten Menschen ermöglichen. Auf dem Campingplatz in Trégastel waren wir im Restaurant mit Annette und Christian aus Nordfriesland ins Gespräch gekommen. Die beiden fahren das gleiche Wohnmobil wie wir, einen Tourne, was ja recht selten ist. Und wie es der Zufall will, sind wir hier wieder auf dem gleichen Campingplatz gelandet. Unabgesprochen. Als sie gerade von ihrer Tagestour zurückkommen, laden wir sie spontan ein, mit uns zu Abend zu essen. Wie gut, wenn man immer so viel kocht, dass es auch für den nächsten Tag noch reicht; oder für zwei Mitesser. Wegen der Temperaturen ist der Abend zwar nicht gerade lauschig, aber sehr nett und lustig. Die beiden betreiben eine kleine Kaffeerösterei und beglücken uns mit einer Packung vom eigenen Kaffee. Der übrigens wirklich lecker ist.

Mittwoch, 7. Juni

Heute verlassen wir die Bretagne wieder. Nach einem weiteren Abstecher am Hafen vom Austernstädtchen Cancale fahren wir zu den Landungsstränden in der Normandie.

Was wir erst beim Nachlesen realisieren ist, dass sich der Tag der Alliierten-Landung, der sogenannte D-Day am 6.Juni 1944 gestern zum 79. Mal gejährt hat. Der D-Day wird jedes Jahr feierlich begangen und begleitet von einer Vielzahl von Veranstaltungen, alles nachzulesen unter www.ddayfestival.com. Dafür reisen jedes Jahr viele Touristen an, neben Franzosen vor allem Amerikaner und Briten. 

Wir finden einen Campingplatz direkt am Omaha Beach, einem der Landungsstrände. Auf dem Campingplatz sehen wir mehrere historische Armeefahrzeuge und Armeezelte. Dass die Stimmung uns hier etwas bedrückend vorkommt, liegt wohl vorwiegend am Wetter. Es ist diesig, fast schon neblig, das Licht ist diffus, und es weht ein kräftiger, kalter Wind vom Meer. Wir machen einen Spaziergang zum Strand und verziehen uns recht schnell ins Wohnmobil.

Donnerstag, 8. Juni

Wir besichtigen eines von mehreren Museen im der Gegend, das sich dem Thema der Alliierten-Landung und der Befreiung Frankreichs von deutscher Besatzung widmet. Das Museum ist zwar nicht gerade auf dem neusten Stand, was die Präsentation angeht, aber es zeigt mit einer Fülle historischer Exponate, wie die Franzosen unter der Besatzung lebten, wie die Alliierten die Landung planten, was bei der Ausführung schief ging, und wie sich dann der Kriegsverlauf änderte.

Richtiggehend beklemmend sind Fotos und Berichte von den Soldaten bei der Landung. Im besten Fall kamen sie seekrank und klatschnass am Strand an und überlebten den gegnerischen Beschuss. Viele jedoch ertranken, weil sie in zu tiefem Wasser ausgesetzt wurden und mit ihrer schweren Ausrüstung nicht schwimmen konnten. Oder sie warfen die Ausrüstung ab und erreichten den Strand ohne Waffe, Verpflegung, etc. Man kann gut nachvollziehen, dass Angehörige auch heute noch der Opfer gedenken, die hier gebracht wurden.

Einen noch tieferen Eindruck vom Ausmaß der Opfer bekommen wir beim Besuch des amerikanischen Soldatenfriedhofs von Omaha Beach. 10000 Soldaten sind hier bestattet, das ist ein Meer von weißen Kreuzen. Auf einigen stehen keine Namen. Wir sehen französische Schulklassen und viele Amerikaner. Von den D-Day-Feierlichkeiten liegen noch Kränze und Gestecke am Memorial, unter anderem auch eines vom deutschen Botschafter.  Vor eineinhalb Jahren hätten wir noch gesagt, wie froh wir sind, dass so etwas zumindest im Europa nicht mehr vorkommt. Jetzt passiert das Gleiche wieder. Mitten in Europa.

Eigentlich wollten wir noch das Städtchen Bayeux besuchen, aber nach diesen Eindrücken ist uns nicht nach weiteren Besichtigungen zumute. Wir fahren weiter zur „Alabasterküste“, etwas nordöstlich von Le Havre. Zwischen Honfleur und Le Havre überqueren wir die Seinemündung auf der imposanten Normandiebrücke (Le Pont de Normandie). Die größte Schrägseilbrücke Europas hat eine Spannweite von 854 Metern und lässt eine Durchfahrtshöhe von 52 Metern (bei höchstem Wasserstand). Auf der Seite von Le Havre gibt es im Anschluss noch ein weiteres Viaduct, das sich wie eine Achterbahn über den Seine-Kanal windet. 

Unser nächster Campingplatz liegt auf den Klippen beim Dörfchen Yport. Die Landschaft ist hier wie in Südengland. Sanfte Hügel brechen abrupt an den Klippen ab. Oben grün, unten weiß. Die Orte schmiegen sich in Flußtäler, die sich tief in die Klippen engeschnitten haben und in schönen Buchten enden. Von unserem Platz aus blicken wir aufs Meer und die Klippen. Trotz des Windes hält man es gut draußen aus.

Freitag-Samstag, 9.-10. Juni

Étretat ist ein Küstenstädtchen rund 10 Kilometer westlich von uns und verfügt über die spektakulärsten Felsen der Normandie. Östlich des Seebades liegt der Felsbogen Porte D’Aval, der manche an einen Elefantenrüssel erinnert, und direkt daneben eine Felsnadel; westlich wird die Bucht vor Étretat vom Felsbogen La Manneport begrenzt. Die Felsen der Alabasterküste bestehen aus Kreide und Feuerstein und sind recht porös. Von den Gesteinsbrocken, die sich von den Felsen gelöst haben, wird die Kreide herausgespült. Meerwasser und Brandung schleifen die übriggebliebenen Feuersteine zu runden Kieseln, aus dem die Strände bestehen. Das schlurfende Geräusch des Wassers am Strand ist sehr meditativ.

Die spektakuläre Aussicht auf den elefantösen Felsbogen von Aval hat viele Maler im 19. Jahrhundert inspiriert, allen voran Claude Monet, der die Felspforte von einem Aussichtspunkt gegenüber immer wieder gemalt hat. Eine berühmte französische Schauspielerin der Belle Époque, Madame Thébault, ließ sich von Monets Lieblingsplatz Anfang des 20. Jahrhunderts zur Anlage eines Gartens inspirieren. 

Dieser Garten wurde 2015 vom Landschaftsarchitekten Alexandre Grivko neu gestaltet zu – ja zu was eigentlich? Der neue Park ist ein einziges Kunstwerk aus kunstvoll geschnittenen Pflanzen, die zusätzlich die Kulisse für mehrere Kunstobjekte bilden. Man wandelt durch eine Phantasiewelt, in Grün, sanft beschallt durch sphärische Klänge. Ob das Projekt nun neofuturistisch ist, wie behauptet wird, sei dahingestellt. Der Ort mit Monets Blick auf den Felsbogen ist jedenfalls in der Gegenwart angekommen.

Sonntag-Montag, 11.-12.Juni

Auf dem Weg Richtung Osten machen wir Halt in Amiens, der Hauptstadt der Picardie. Nach ein bisschen Hin und Her landen wir auf einem  Campingplatz, der am Stadtrand in einem Parkgelände an der Somme liegt. Mit dem Rad kann man dem Fluß entlang bequem und unter Bäumen bis ins Zentrum fahren. 

Die Kathedrale von Amiens ist schon von weitem sichtbar. Kein Wunder, sie ist auch die größte mittelalterliche Kathedrale Frankreichs, innen etwa doppelt so groß wie Nôtre Dame.  Sie wurde in relativ kurzer Bauzeit zwischen 1220 und 1270 errichtet und ist deshalb stilistisch sehr homogen, ein Beispiel für die französische Hochgotik. Beeindruckend ist die Größe und Höhe des Mittelschiffes, das 145 Meter lang und 42 Meter hoch und wegen der großen Fenster im oberen Bereich lichtdurchflutet ist. Die Stützpfeiler wirken trotz ihrer Dimensionen geradezu filigran, weil sie als sogenannte Bündelpfeiler gestaltet sind. 

Markant ist ein Fries an der Außenwand des Chorraumes, auf dem die Geschichte des Märtyrers Firmin, des Stadtheiligen von Amiens, dargestellt ist. Der Fries besteht aus acht Rahmen, in denen dreidimensionale Figuren die Geschichte szenisch darstellen. Die Figuren sind vollkommen realistisch dargestellt, mit individuellen Gesichtsausdrücken und Körperhaltungen. Wie ein mittelalterlicher 3-D-Comic.

Amiens ist eine lebendige Stadt mit vielen Studenten. Radfahrer haben überall Vorrang und dürfen sogar in Einbahnstraßen gegen die Fahrtrichtung fahren. 

In einem Feuchtgebiet am Rande der Stadt wurden schon im Mittelalter künstliche „schwimmende“ Gärten für den Obst- und Gemüseanbau angelegt. Heute sind die sogenannten Hortillonages liebevoll gepflegte Kleingärten – und eine Touristenattraktion.

Dienstag, 13. Juni

Wir fahren durch Belgien an die niederländisch-deutsche Grenze, ganz in der Nähe von Mönchengladbach, wo wir morgen Dagmar und Herbert besuchen möchten, die wir in Tarifa kennengelernt haben. Eigentlich wollen wir einen Stopp in Maastricht machen, aber alle Camping- und Stellplätze sind belegt. Wir fahren deshalb weiter bis in die Nähe von Roermond, wo wir einen wunderbaren idyllischen kleinen Campingplatz bei einem Bauernhof finden.

Mittwoch bis Freitag, 14. – 16. Juni

Dagmar und Herbert bewirten uns nicht nur vorzüglich, sondern bemühen sich, uns die schönen Ecken des Niederrheins zu zeigen. Auf einer Radtour fahren wir durch wunderbare Wälder und entlang des Flüsschens Schwamm, an dessen naturbelassenen Ufern mehrere alte Mühlen stehen. 

Am nächsten Tag machen wir einen Ausflug nach Düsseldorf und bestaunen das architektonische Ensemble des Medienhafens. Von Helmut Jahn bis Frank Gehry haben weltweit bekannte Architekten markante Hotels, Büro- und Wohngebäude geplant.

Auffällig ist, wie gut dieses ja eigentlich künstlich angelegte Areal von den Menschen angenommen wird. Überall flanieren Leute, trotz der Hitze. Abends ist der Medienhafen wohl ein besonders beliebter Aufenthaltsort.

Freitag bis Montag, 15. – 18.6

Auf dem Weg zu Eva und Micha nach Köln machen wir eine. Abstecher zur Kohletagebau Hambach. Wenn man das gigantische Loch in der Landschaft nicht live gesehen hat, glaubt man es nicht. Die riesigen Schaufelradbagger wirken wie Spielzeuge. Der größte ist übrigens 96 Meter hoch (!) und kann 240.000 Tonnen Abraum baggern. Täglich! Ende 2034 ist jedenfalls Schluss mit Braunkohleabbau, danach soll das Gelände renaturiert werden.

Nach einem weiteren Besuch Köln bei Eva und Micha, die wir ebenfalls in Tarifa kennengelernt haben, fahren wir nach Refrath zu einem Familientreffen. Sonntag geht es dann endgültig wieder Richtung Bodensee, bei vollen Autobahnen und mindestens 30 Grad Hitze. Wir sind mal wieder froh, dass wir alles „an Bord“ haben und die überfüllten Autobahnraststätten meiden können. Wir übernachten ein letztes Mal bei Freunden nähe Singen und sind am Montag wieder zuhause. Unser Wohnmobil ist super bei allen Temperaturen, außer bei großer Hitze. Dann kühlt es nachts gar nicht mehr ab. Jetzt freuen wir uns auf unser Häuschen, in dem es angenehm kühl bleibt.

Spanien, März 2023

Donnerstag, 2.3.

Wir ändern mal wieder unsere Reiseroute. Ursprünglich wollten wir von Sevilla aus nördlich durch die Extremadura und Kastilien fahren. Aber es ist um diese Jahreszeit einfach noch nicht warm genug für diese Route, die durch Berge und über die Hochebene Meseta führt. Deshalb entscheiden wir, einen Schlenker nach Osten zu machen und auf der Mittelmeer-Route nach Hause zu fahren. Von unseren diversen Reisebekanntschaften haben wir gute Tipps für die Gegend bekommen. 

Unser erstes Ziel ist das Städtchen Antequera, ca. 50 km nördlich von Malaga. Wir fahren bis Utrera (und damit einmal um Sevilla herum) auf der Autobahn und danach auf Landstraßen. In Antequera gibt es keinen Campingplatz, aber angeblich einen Stellplatz bei einem Hotel-Restaurant. Den fahren wir an und essen erstmal dort (übrigens sehr lecker!). Aber der Stellplatz gefällt uns gar nicht, und wir fahren weiter zu einem Wanderparkplatz in den Bergen. Unterwegs verfransen wir uns in der Altstadt, und Claus muss ein waghalsiges Wendemanöver hinlegen. Als wir die engen Altstadtgässchen endlich hinter uns gelassen haben, entdecken wir einen Stellplatz oberhalb des Städtchens, auf dem bereits mehrere Wohnmobile stehen. Es gibt zwar keinerlei Infrastruktur, aber dafür einen gigantischen Blick. Wir disponieren sofort um – und zum Wanderparkplatz können wir auch morgen noch fahren. 

Antequera entpuppt sich als kleines Schätzchen, mit maurischer Festung und mehreren Renaissance-Kirchen. Von der Festung aus hat man einen phantastischen Blick in alle Richtungen.

Altstadt von Antequera mit Alcazaba (maurischer Festung) im Hintergrund.
Blick vom Alcazaba auf den Berg La Peña.

Freitag, 3.3.

Das Wunderbare an unserer Art zu reisen, ist, dass man immer wieder Überraschungen erlebt. Antequera hatten wir ursprünglich gar nicht auf dem Schirm und sind eher zufällig hier gelandet. Es gibt drei megalithische Dolmengräber, von denen wir schon gehört hatten. OK, Dolmen sind normalerweise nicht unsere oberste Priorität, aber nachdem wir ja schonmal hier sind, kann man sie sich ja auch anschauen. Aufgefallen ist uns allerdings schon bei der Anfahrt auf die Stadt ein einzelner Berg in Form eines nach oben gewandten Gesichts, der sich abrupt aus der Ebene erhebt. Wie sich herausstellt, gehören der Gesichts-Berg, die drei Dolmengräber sowie ein weiterer Berg zum UNESCO-Weltkulturerbe. 

Einer der Dolmen (Viera) ist auf die Sonne ausgerichtet. Das ist, wie wir lernen, typisch für Grabanlagen dieser Art. Jeweils zur Tag- und Nachtgleiche bei Sonnenaufgang erhellen die Sonnenstrahlen den Eingang bis zur Grabkammer. Die Kammer selbst bleibt immer im Dunkeln. 

Dolmen Viera, dessen Gang zur Tag-und Nachtgleiche bei Sonnenaufgang erhellt wird.

Die Öffnung des 6000 Jahre alten Dolmen Menga hingegen, ist genau auf den Berg La Peña mit dem nach oben gewandten Gesicht ausgerichtet. Dieser Dolmen ist absolut spektakulär, weil er aus gigantischen Steinplatten besteht, die die Wände und Decken bilden und von weiteren Steinplatten in der Mitte als Säulen getragen werden. Diese Kolosse wiegen bis zu 180 Tonnen und sind zu perfekten Fugen zusammengefügt. Wie das vor 6000 Jahren ohne nennenswerten Werkzeuge gemacht wurde, bleibt ein Rätsel. 

Eingang des Dolmen Menga, der vor 6000 Jahren errichtet wurde.
Gigantische Steinplatten bilden Wände, Decken und Pfeiler. Die Deckenplatten wiegen bis zu 180 Tonnen.
Die Platten sind zu perfekten Fugen zusammengefügt.
Der Eingang des Dolmens Menga zeigt auf den Berg La Peña.

Die Öffnung des dritten Dolmen El Romeral fängt das Sonnenlicht zur Tag- und Nachgleiche um die Mittagszeit ein und ist gleichzeitig auf den höchsten und markantesten Berg der Gegend, den 20 km entfernten El Tocal, ausgerichtet. 

Ein 30 Meter langer Gang führt zu zwei runden kuppelförmigen Grabkammern.
Die Kuppeln sind ais Bruchsteinen gemauert und nach oben mit einer Steinplatte verschlossen.
Die zweite Grabkammer hinten ist genau halb so groß (Höhe und Durchmesser) wie die erste.

Ein Cambridge-Professor für Archäoastrologie, Michael Hoskin, hat die Besonderheit von Antequera erkannt und herausgearbeitet. Nirgendwo sonst nämlich sind die megalithischen Bauwerke auf terrestrische Punkte (wie im Falle des Menga) oder gar auf die Sonne UND auf einen Punkt auf der Erde (wie beim El Romeral) ausgerichtet. Hoskins Expertise hat die UNESCO-Kommission 2017 dazu bewogen, das Ensemble in die Weltkulturerbe-Liste aufzunehmen.

Die Festung Alcazaba wirkt im Vergleich zu den Dolmen fast ein bisschen unspektakulär. Sie ist aber riesig und wurde im 14. Jahrhundert von den Mauren auf römischen Ruinen errichtet, um die Stadt gegen die Angriffe der Katholiken zu verteidigen. Ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist die Tatsache, dass das ganze Gelände dezent mit Gitarrenmusik beschallt wird.

Alcazaba von Antequera.
Auf einen der beiden maurischen Türme wurde später ein Glockenturm gesetzt.

Direkt neben der Festung steht die spätgotische/Renaissance-Kirche La Colegiata mit schöner Holzdecke im Mudejar-Stil.

Kirche La Colegiata direkt neben der Festungsanlage.
In der Renaissance-Kirche Real Colegiata steht diese Skultpur der Tugend, die die sieben Todsünden besiegt.

Samstag, 4.3

Unser heutiger Ausflug zum Berg El Torcal scheitert. Als wir gegen 12:30 Uhr am unteren der beiden Wander-Parkplätze ankommen, ist alles restlos überfüllt. Wir kehren unverrichteter Dinge wieder um und kümmern uns statt dessen um unsere Infrastruktur (Wasser, Abwasser, Einkaufen). Danach gehen wir Mittag essen, und am Nachmittag drehe ich noch eine kleine Runde vom Stellplatz aus. Wie sich herausstellt, kann man hier überall wunderbar wandern, und von überall gibt es schöne Blicke in die Gegend. 

Blick auf Antequera: Links unten der Stellplatz, rechts die Festung Alcazaba, im Hintergrund der Berg La Peña.

Den El Torcal nehmen wir uns für morgen vor, und zwar, laut einer Empfehlung unserer Stellplatz-Nachbarn – für den späten Nachmittag.

Sonntag, 5.3.

Als wir aufwachen, hängt ein Zettel unserer Paderborner Nachbarn an der Windschutzscheibe. Wie reizend!

Der Wetterbericht stimmt heute überhaupt nicht. Statt der angekündigten Sonne gibt es Wolken, später sogar Regen. Claus hat wieder eine schreckliche Husten-Nacht hinter sich und fühlt sich gar nicht gut. Den Ausflug zum El Torcal verschieben wir auf unseren nächsten Besuch (und wir kommen wieder! Allein der Stellplatz lohnt einen Besuch).

 Während sich Claus von der Nacht erholt, laufe ich nochmal ins Städtchen und besuche das städtische Museum. Das zeigt in einem schönen Renaissance-Palast einen geschichtlichen Abriss von der Steinzeit bis zur Renaissance. In den oberen Stockwerken sind diverse Maler ausgestellt. Sehr nett gemacht alles, aber ein bisschen Sammelsurium. Immerhin wird die Lebensweise, Sesshaftwerdung und Spezialisierung der Dolmenbauer genauer erklärt. 

So sollen die Dolmengräber gebaut worden sein,
Ein eher skurriles Exponat: Schlafendes Jesuskind. 18. Jahrhundert

Und dann kommt wieder so ein unerwarteter Aha-Moment. Die Räume im obersten Stockwerk (ich überlege noch kurz, ob ich überhaupt bis ganz nach oben laufen soll) sind einem Künstler namens Cristobal Toral gewidmet, der in Antequera aufwuchs, und dessen Bilder in den wichtigen Museen auf der ganzen Welt vertreten sind. Er malt realistisch, seine Sujets sind inszenierte Szenen, die oft mit Reisen, mit Flucht und mit Verlassensein zu tun haben. Das Sinnbild für die moderne Welt, in der die Menschen unterwegs oder auf der Flucht sind wie selten zuvor, ist für ihn der Koffer. Immer wieder hat er Berge von Koffern gemalt oder hat sie zu Installationen zusammengefügt. Ich hatte noch nie von ihm gehört, aber für mich ist Toral eine echte Entdeckung. 

Cristobal Toral im Museum von Antequera.

Montag, 6.3.

Unser Ziel heute ist 450 km entfernt. Wir peilen für heute einen kleinen Campingplatz bei Sax an, ca. 50 km nördlich von Alicante. Da haben wir schon auf dem Hinweg übernachtet und fanden es sehr idyllisch. Die Betreiber des Platzes sind ein englisch-französisches Paar, das uns damals sehr herzlich empfangen hatte.

Die Fahrt dorthin ist eine der schönsten auf unserer Reise. Wir fahren an Granada vorbei und die schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada im Hintergrund. 

Wir fahren an den schneebedeckten Gipfeln der Sierra Nevada vorbei,

Zwischen Granada und Guadix tauchen immer wieder bizarre Felsformationen auf. Wir wollen heute weiterkommen, aber beim nächsten Mal werden wir hier länger bleiben.

Nur ein Schnappschuss ais dem Auto, und in echt sehr viel eindrücklicher.

Ohne Stau erreichen wir unser Ziel und werden von Sharmaine, der Engländerin, überschwänglich begrüßt. Das hat nichts damit zu tun, dass sie sich an uns erinnert, sie ist einfach immer so. Der Platz liegt in einem weiten Tal, ist umgeben von Olivenplantagen und einfach, aber sehr reizend gestaltet. Nicht nur die Stellplätze sind überaus großzügig, sondern es gibt auch eine große „Gemeinschaftsfläche“ in der Mitte, mit Pool und mehreren Tischgruppen. In einem Häuschen haben die beiden umfangreiches Informationsmaterial über Bäume und Vögel der Gegend, über Wander- und Bikerouten zusammengestellt, das Ganze viersprachig. 

Dienstag, 7.3.

Wir waschen Wäsche, machen online-Banking, und nachmittags drehe ich eine kleinere Runde als ich mir eigentlich vorgenommen hatte. Die mache ich dann morgen. Dafür ist der Blick ins Tal sehr schön.

Es lohnt sich auch nachts mal rauszuschauen, besonders wenn gerade die UFOs kommen:

Mittwoch, 8.3.

Unsere morgendliche Croissant-Bestellung klappt heute nicht, was aber eigentlich unser Fehler ist. Die reizende Campingbetreiberin Sharmaine entschuldigt sich trotzdem mehrfach und wortreich und kommt schließlich mit zwei Eiern als Entschädigung vorbei. 

Wir fahren mit den Rädern nach Sax, wo es aber nicht viel zu entdecken gibt. Dafür essen wir in einer sehr authentischen spanischen Beiz zu Mittag, in der außer uns nur ältere spanische Herren vor ihren Weingläsern sitzen und neben uns zwei auffällig gestylte Damen, von denen wir nur vermuten können, welchem Gewerbe sie angehören. Die beiden konsumieren beachtliche Mengen Bier und Wein und telefonieren lautstark mit ihren Handys.

Auf dem Rückweg trennen wir uns, weil ich noch einkaufen gehe und Claus gleich heim will. Er verfährt* sich so, dass er Angst hat, in den Olivenhainen elendiglich zu verenden. Tatsächlich ist er nur 150 Meter an der Einfahrt des Campingplatzes vorbeigefahren. Jedenfalls sitzt er wohlbehalten am Platz, als ich vom Einkaufen komme.

*(Claus): Ich möchte die Situation nochmals richtigstellen: Es herrschten fast unerträgliche 20 Grad. Ich hatte keinerlei Lebensmittel und nur 0,5l Wasser dabei. Umgeben von Millionen von Olivenbäumen, hatte ich weder den Namen des CP noch die Koordinaten. Nur meinem ausgeprägtem Orientierungssinn und eisernen Überlebenswillen ist es zu verdanken, dass ich die 150m zurückfuhr und somit das, nur von einer Seite beschriftete, Schild zum CP sehen konnte! So selbstverständlich wie Jeannine dies beschrieben hat, war es ganz sicher nicht. (😄👍🏻)

Donnerstag, 9.3.

Ich mache eine wunderbare Wanderung um den nächstgelegenen Berg herum. Es ist eine der Touren, die im Infomaterial auf dem Campingplatz beschrieben wird, und ich habe tolle Ausblicke in alle Richtungen. Leider ist das Licht heute nicht so schön.

Inzwischen blühen hier die Mandelbäume.

Wir checken schon am Abend aus, damit wir am nächsten Morgen gleich weiterkommen. Ich plaudere noch mit Charmaine und erfahre, dass sie und ihr Mann in England eine eigene Firma hatten. Die Übernahme des Campingplatzes war eine bewusste Entscheidung, um ihrem Leben eine neue Richtung zu geben. Weniger Stress, mehr Leben. Der Campingplatz hat nur 16 Plätze und ist überaus preiswert. Reich wird man damit nicht, aber genau darum geht es den beiden auch nicht. Ich verspreche, dass wir wiederkommen werden, und wir verabschieden uns mit Küsschen.

Freitag, 10.3.

Heute fahren wir nur etwa 150 Kilometer, aber vorwiegend Landstraße und nach Norden. Das erste Stück ist noch Autobahn, führt durch eine Ebene und ist mühsam zu fahren, weil es stürmt. An einer Stelle fahren wir in eine richtige Sandwolke.

Wir sehen kurz mal nichts mehr,

Bei Almansa biegen wir auf die Nationalstraße N330 ab und fahren durch ein Tal nach oben auf die kastilische Hochebene bis nach Requena. Die Felsen changieren zwischen ocker-dunkelrot und ocker-türkis, und die Oliven-, Mandel- und Apfelbäume stehen stramm in Reih und Glied. 

Die Felsen, bzw. die Erde sind hier fast schon bunt.
Monokulturen soweit das Auge reicht! Und zwischen den Bäumen wächst nichts.

Von Requena aus fahren wie zu einem Campingplatz, der unterhalb eines Stauwerks liegt. Die Rezeption ist in einer ehemaligen Poststation aus dem 16. Jahrhundert untergebracht, die Plätze liegen mehr oder weniger im Wald. Bei einer ersten Besichtigung flitzt doch tatsächlich ein Rudel Steinböcke über den Stellplatz. Wir können es gar nicht glauben, aber sie tauchen immer wieder auf, auch beim Wandern. Leider sind sie in der Regel schneller weg als man das Handy zücken kann.

Die Gegend ist das Resultat einer tektonischen Auffaltung, in die das Flüsschen Cabriel mäandernde Schleifen gegraben hat. Die aufgefalteten Felsen sind über die Jahrmillionen zu scharfen Felsnadeln erodiert, die nicht zu Unrecht „Messer“ genannt werden. Diese „Cochillos de Contreras“ sind nur 4 km auf einem gemütlichen Wanderweg entfernt.

Cochillos de Contreras.

Samstag, 11.3.

Heute fahre ich mit dem Rad am Stauwerk vorbei durch das ziemlich verlassene Dorf Contreras zu einem Wanderparkplatz.

Vermutlich war das früher die Hauptverkehrsroute Richtung Valencia, bevor die Autobahn gebaut wurde. Im Dorf wittern diverse öffentliche Gebäude vor sich hin, dahinter ragt die Ruine einer ehemaligen Betonfabrik. Trotzdem sind einige der Reihenhäuser bewohnt. Wenn man absolute Ruhe und Steinböcke mag und nichts gegen eine ziemlich morbide Atmosphäre hat, ist das ein guter Wohnort.

Einen Steinbock erwische ich mit dem Handy.

Vom Wanderparkplatz aus starte ich eine kleine Tour, die in meiner Wander-App als „einfach“ beschrieben ist. Das ist sie auch, zumindest am Anfang. Es geht erst die Hochebene bergauf, aber dann immer steiler bergab auf bröckeligem Untergrund. Von hier sieht man jetzt die Felsmesser und den Fluß von oben. Ich mache noch ein Foto, und dann drehe ich um und stehe dazu, dass ich ein Angsthase bin („Du Schisser“, wie meine Nichte Toni zu sagen pflegt). 

Felsnadeln „Cochillos de Contreras“ und Flüsschen Cabriel von oben.

In der Nähe des Parkplates kann man Schützengräben besichtigen. Sie stammen ais dem Unabhängigkeitskrieg gegen Frankreich Anfang des 19. Jahrhunderts (1808 – 1814). Erschütternd ist, dass sich Schützengräben bis heute nicht verändert – und dass sie heute noch benötigt werden.

Schützengraben auf dem Berg oberhalb von Contreras aus dem Jahr 1811.
Von oben gut zu erkennen: Das Stauwehr, dahinter die Autobahnbrücke und der Stausee.

Sonntag, 12.3.

Heute fahre ich mit dem Rad nochmal zu den Cochillos und ein Stückchen darüber hinaus. Dann lasse ich das Rad stehen und wandere hoch zu einem Aussichtspunkt. Ich dachte eigentlich, dass man von dort auf die Schleifen des Flüsschens sehen könnte. Kann man aber nicht. Dafür gibt es andere Ausblicke, und ich sehe die Felsmesser von der anderen Seite. 

Die Gegend ist einfach schön, egal wo man wandert oder fährt.

Montag, 13.3.

Unser heutiges Etappenziel ist nur 200 km entfernt, aber wir haben das Gefühl, dass wir Eindrücke für mehrere Tage sammeln.

Bizarre Felsformationen.

Auf Landstraßen fahren wir in die Kleinstadt Teruel, die berühmt ist für ihre gut erhaltene Mudejar-Architektur. Mudejaren wurden die Muslime genannt, die nach der Reconquista unter katholische Herrschaft kamen. Unter ihnen waren viele Handwerker und Baumeister, die nach der Rückeroberung für die neuen christlichen Herren bauten. Daraus entstand ein einzigartiger Stilmix aus islamischen Baumaterialien und Stilen mit gotischen und später Renaissance-Elementen. In Teruel ist die mittelalterliche Mudejar-Architektur ebenso vertreten wie Neo-Mudejar vom Anfang des 20. Jahrhunderts und einige ausnehmend schöne Jugendstilgebäude.

Die Kathedrale von Teruel.
Markantes Beispiel für Neo-Mudejar: Die Freitreppe. Das Relief zeigt die Legende der „Liebenden von Teruel“, die ein Schicksal wie Romeo und Julia erlitten.
Prächtiges Jugrndstilgebäude an der Plaza del Torico.

In Spanien ist der Unterschied zwischen Stadt (oder Dorf) und Land meistens richtig krass. So auch auch auf unserer Fahrt heute. Wir fahren durch menschenleere, karge, weite Landschaften, teilweise landwirtschaftlich genutzt, teilweise nicht. Dann kommt eine Stadt, in dem Fall Teruel. Sie beginnt ganz plötzlich und ist kompakt bebaut. Statt Einfamilienhaussiedlungen gibt es hier fast ausschließlich große Wohnblöcke, allenfalls enge Reihenhäuser. Wenn man wieder herausfährt, das Gleiche umgekehrt: erst Stadt, dann nichts. Und zwar gar nichts. Nur Hügel und Felsen in bizarren Formationen, Sand, Büsche. Dass nördlich von Teruel auch die landwirtschaftliche Nutzung weniger wird, mag an der Höhe liegen. Wir sind etwas überrascht, als wir feststellen, dass wir auf 1300 Metern sind. 

In Escucha wurde früher Kohle gefördert.

Unser heutiges Übernachtungsziel ist Escucha, ein ehemaliges Bergarbeiterdorf, das sichtbar mit dem Strukturwandel zu kämpfen hat. Statt der Mine und Kohleverarbeitung gibt es nur noch ein Museum. Ehemalige Industriegebäude stehen wie Mahnmale in der Landschaft. Ihren Schmerz über den Verlust der Arbeitsplätze und ihres Berufs haben die Bewohner in eindrücklichen Graffitis festgehalten.

Lost Places in Escucha.
Verlust von Arbeitsplatz und Identität.

Dienstag, 14.3.

Heute ist ein reiner Fahrtag. Wir cruisen auf Landstraßen ca. 250 km weiter durch die unglaublichsten Landschaften. Von einer Kurve zur nächsten kann sich alles ändern. Wir fahren durch wüstenartige Gegenden, bei denen man geradezu erwartet, dass ein Cowboy um die Ecke geritten kommt. 

Wir fahren durch Berge mit Pinienwäldern und an endlosen Plantagen mit blühenden Mandel- und Pfirsichbäumen vorbei.

Mandel- und Pfirsichbäume blühen derzeit weiß bis rosa.

Wir halten in einem Dorf namens Calanda, in dem ein riesiges Graffito von Filmemacher Luis Buñuel an einer Hauswand prangt. Wie sich herausstellt, war Calanda sein Geburtsort.

Graffito von Luis Buñuel (und von Pfirsichen) in Calanda (Aragon).

Wir fahren dem Fluß Ebro entlang, der sich tiefblau durch hohe, karge Berge windet und beim Dorf Mequienza gestaut wird. 

Der gestaute Fluss Ebro bildet eine wunderschöne Kulisse für unser Mittagessen.

Und wir fahren durch geschäftige und ziemlich häßliche Städte wie Lleida, bei denen wir froh sind, als wir sie endlich hinter uns lassen können.

Inzwischen sind wir in Katalonien angelangt und halten in einem Dorf namens Artesa de Segre. Auf dem Stellplatz neben uns steht ein riesiges Wohnmobil mit Anhänger und Konstanzer Nummer.

Hinter unserem Wohnmobil dasdoppelt so lange Gespann der Konstanzer.
Der Stellplatz ist übrigens riesig, mit Wasserver- und entsorgung – und auch noch kostenlos

Wir machen einen Spaziergang ins Dorf, um einen Kaffee zu trinken, und treffen prompt die Nachbarn im Café. Sie sind schon seit einem halben Jahr in Spanien unterwegs und ebenfalls auf der Heimreise. Es ist ja immer wieder spannend zu hören, was andere interessiert und wo sie waren. Ralf und Petra haben ein Faible für Thermalquellen und gleich mehrere davon in Spanien gefunden. Besonders begeistert sind sie von einem Thermalsee in der Nähe von Guadix, der 38 Grad heißes Wasser hat „wie eine perfekt temperierte Badewanne“. Wir setzen den Thermalsee auf unsere Liste fürs nächste Jahr.

Zwischendurch gibt es auch mal heimische Kost, im Restaurant „en Jeannine“

Mittwoch, 15.3.

Wir fahren rund 180 KM in nordwestliche Richtung auf Landstraßen zu dem kleinen Städtchen Olot, das in einem Naturpark mit Vulkankegeln liegt. Wir sind ja schon in den Vorläufern der Pyrenäen und fahren den Bergen entlang. Es sieht wieder ganz anders aus als in den Tagen zuvor, sozusagen „normaler“ für unseren mitteleuropäischen Blick. Wir werden an den Schwarzwald und die Vogesen erinnert, nur dass die Nadelbäume hier Pinien sind. Was uns immer wieder aufs Neue fasziniert, ist die unglaubliche Weite und Leere des Landes. 

In Olot fahren wir auf einen Campingplatz, der beeindruckend ungepflegt ist. Aber wir werden geradezu überschwänglich herzlich vom Betreiber empfangen, der perfekt deutsch, aber dann auf meine Bitten auch spanisch spricht. Seinem jugendlichem Charme erliegen wir sofort und buchen für zwei Nächte. OK, ich geb‘s ja zu, ich erliege seinem Charme. Das Beste am Campingplatz (neben dem Betreiber) ist eine Bar, in der wir in der Sonne gemütlich ein Bier trinken.

Blick auf Olot mit den schneebedeckten Pyrenäen-Gipfeln im Hintergrund.

Donnerstag, 16.3.

Heute ist ein Tag zum Ausruhen, bevor wir endgültig nach Hause fahren. Ich mache eine mittlere Wanderung um einen der Vulkankegel. Man läuft auf Pfaden durch Laubwälder, die momentan noch keine Blätter haben und deswegen auch ein bisschen Blick ermöglichen. Sehr idyllisch das Ganze. Ich orientiere mich wieder an meiner Komoot-App, aber die Wege sind hier alle gut ausgewiesen. Übrigens ist das überall so. Spanien ist super zum Wandern.

Vulkankegel rund um Olot.

Abends trinken wir wieder unser Bierchen in der Bar. Das Spanien-Abschieds-Bierchen. Dabei treffen wir auf Eric, der Kutschfahrten im benachbarten Vulkangebiet anbietet und diverse Tourismus-Projekte verfolgt. Wir verstehen fast alles, was er uns auf spanisch erzählt. Fast…

Freitag, 17.3.

Ein bisschen wehmütig verlassen wir Spanien. Während wir die letzten Male an einem Tag durch Frankreich durchgefahren sind, machen wir dieses Mal einen Zwischenstopp. Ich habe einen Stellplatz nähe Nîmes, genauer am Pont du Gard, herausgesucht. Bisher sind wir immer nur daran vorbeigefahren.

Der Pont du Gard ist mit 49 Metern das höchste Brückenbauwerk der Römer.  Er ist Teil eines 50 Kilometer langen Aquädukts, mit dem Wasser von einer Quelle bei Uzés nach Nîmes transportiert wurde. Die Wasserleitung führte über mehrere Brücken und durch mehrere zum Teil gewundene Tunnel. Trotz des geringen Höhenunterschieds von nur 12 Metern auf die 50 Kilometer flossen 35.000 Liter Wasser durch das Aquädukt, d.h. rund 400 Liter pro Sekunde.

Der Pont du Gard, 49 Meter hoch.

Der Pont du Gard war also Teil einer beeindruckenden römischen Ingenieursleistung. Es ist ein gewaltiges Bauwerk, das mit 6 Meter tiefen Pfeilern im Fels des Flusses Gard verankert ist. Trotzdem wirkt die Brücke geradezu elegant. Die oberste der drei Ebenen (in der auch das Wasser floss) sitzt wie ein Hohlstichsaum auf den beiden unteren Ebenen mit ihren mächtigen Pfeilern.

Samstag, 18.3.

Auf Landstraßen fahren wir zu unserem nächsten Stellplatz in Aix-les-Bains, ca. 70 km vor Genf. Diese Strecke sind wir nun schon mehrmals gefahren, auch schon mit unserem Wohnwagen. Aber bisher immer nur auf der Autobahn. Die Fahrt über Landstraßen dauert zwar 6 Stunden (für 270 km), aber wir lernen die Gegend völlig neu kennen. Es geht durch idyllische provencalische Dörfer, das Rhonetal hoch durch das Département Drôme und über das Massif Chartreuse. Die Fahrt ist abwechslungsreich, auch wenn wir bekennen müssen, dass uns die Weite Spaniens ein wenig fehlt. Wir müssen ein bisschen umdenken.

In Aix-les-Bains haben wir bisher immer nur im Winter übernachtet und sind meistens im Dunkeln angekommen. Jetzt ist die Uferpromenade voller Menschen, die die Frühlingssonne genießen.

Sonntag, 19.3.

Unser letzter Tag. Passenderweise ist es trüb und regnet. Jetzt wollen wir nur noch schnellstmöglich nach Hause und verzichten auf die Landstraßen. Es klappt alles wie am Schnürchen. Sogar einen Stau vor Zürich können wir dank einer Routenalternative des Navis umfahren. Um 16 Uhr sind wir wieder zuhause, das Haus steht noch, und wir schaffen es, das Wohnmobil auszuladen, bevor der nächste Regenschauer einsetzt.

Was für eine tolle Reise war das!

Spanien, Februar 2023

Montag, 30.1. bis Sonntag, 5.2.

Jeannine: Die Woche beginnt am frühen Montag morgen mit einem krachenden Gewitter. Es donnert so heftig, dass wir aus dem Schlaf schrecken. Danach folgt sturzflutartiger Regen. Zur gleichen Zeit hagelt es in Tarifa, und die Wohnmobilstellplätze werden teilweise überflutet. Unsere Spanischlehrerin Bea zeigt Fotos von Hagelhaufen, die aussehen wie Schnee und kann es gar nicht fassen, dass so etwas in Tarifa vorkommt. Radfahren ist heute nicht, weil es auch tagsüber schüttet und stürmt. Claus fährt mich und holt mich auch wieder ab.

Ich bin wieder in meiner „alten“ Klasse. Inzwischen ist noch Nadja dazugestoßen, eine Italienerin, der Spanisch naturgemäß leicht fällt. Sie wohnt in der Nähe von Bologna und arbeitet in einem Kulturzentrum, das sich dem italienischen Partisanenkampf während des zweiten Weltkriegs widmet. Da wir nebeneinander sitzen, ist sie meine neue Partnerin bei den Sprachübungen.

Claus hat auf dem Campingplatz ein Ehepaar aus Mönchengladbach kennengelernt. Die beiden, Herbert und Dagmar, nehmen uns am Mittwoch Nachmittag mit dem Auto auf eine kleine Exkursion mit in die Berge oberhalb von Bolonia. Da war ich auch schon mal mit dem Fahrrad gewesen und hatte die Aussicht bewundert. Diesmal geht es noch ein Stückchen höher, und der Fokus liegt im Himmel. Wir bewundern eine ganze Truppe von Gänsegeiern, die majestätisch über uns kreisen und in den Felsen am Nestbauen sind. Wir bleiben über eine Stunde da oben, und es ist wie Meditation. Die Geier kreisen, der Himmel ist blitzeblau, und die Aussicht grandios.

Der weiße Fleck im Hintergrund ist die Düne von Bolonia.

Danach gibt‘s noch eine Tasse Kaffee und eine Verabredung zum Pizzaessen.

Am Donnerstag macht die ganze Schule (wobei wir momentan nur 9 Schüler sind) eine Exkursion zum Kastell von Tarifa. Schulleiter Gaspar erklärt uns sachkundig die historischen Hintergründe und führt uns durch die Räumlichkeiten. So erfahren wir, dass das Kastell bis in die 1930er Jahre direkt ans Meer angrenzte, und der Zugang zur Stadt durch eines der Tore führte. Erst dann wurde der Hafen gebaut, der heute vor dem Kastell liegt.

Der Hafen von Tarifa vom Kastell aus gesehen.
Schulleiter Gaspar führt uns durch das Kastell.

Das Kastell selbst wurde nach der Eroberung Tarifas im 10. Jahrhundert von den Mauren gebaut. Nach der Rückeroberung durch die Christen 1292 wurde ein (maurischstämmiger) Statthalter namens Guzman in der Burg eingesetzt. Bei einem Angriff der Mauren, die die Stadt 1294 wieder in ihre Hände bringen wollten, geriet Guzmans Sohn in die Hände der Araber. Die Mauren drohten Guzmans Sohn umzubringen, wenn er die Stadt nicht aufgeben würde. Guzman blieb standhaft und weigerte sich, die Stadt für seinen Sohn zu opfern. Das Flehen seiner Frau ignorierend warf er den Mauren noch einen Dolch für die Ermordung seines Sohnes zu. Für diese Heldentat ging Guzman als „il bueno“ (der Gute) in die Geschichtsbücher ein. Überdies erhielt er von König Sancho IV von Kastilien umfassende Fischereirechte sowie Ländereien, die den Reichtum seiner Familie begründeten. Was mit dem Sohn passiert ist, steht nirgendwo. 

Eine Replik dieses Bildes hängt im Kastell. Quelle: Wikipedia.

Am Freitag waschen wir blitzschnell zwei Maschinen Wäsche, weil es sonnig und schön ist. Abends gehen wir mit Herbert und Dagmar Pizza essen. Der Wirt ist Deutscher und Borussia-Fan. An den Wänden hängen vier bis fünf riesige Fernseher, auf denen natürlich Fußball läuft. Die ganze Kneipe sieht aus wie ein Fanshop, und das Publikum ist selbstredend überwiegend deutsch. Nach der Pizza gibt es noch eine Absacker in der Campingbar. Ein sehr netter Abend.

Fanshop in der Pizzeria. Der Chef fliegt übrigens zu allen Heimspielen nach Dortmund.

Schon seit Donnerstag habe ich Halskratzen. Trotz sofortiger Teekur mit Infektblockertee kann ich die Erkältung nicht mehr abwenden. Samstag bis Montag liege ich flach und bewege mich kaum vom Wohnmobil weg.


Donnerstag, 9.2.

Claus: So, seit Längerem haben wir uns nicht mehr gemeldet, was daran liegt, dass es nichts Besonderes zu berichten gibt. Der Wecker klingelt um 8:00, Jeannine fährt in die Schule, ich hüte das WoMo. Um ca. 14:30 essen wir zu Mittag, danach muss Jeannine Hausaufgaben machen und Vokabeln lernen. Zudem wurde das Wetter auch schlechter und den für das letzte Wochenende geplanten Ausflug musste wir canceln, da Jeannine erkältet war. Da man sich auf ca 10qm nicht aus dem Weg gehen kann….genau, jetzt bin ich erkältet. Montag musste Jeannine sogar die Schule absagen.

Ich habe eben alle Dinge draussen „gesichert“, da es morgen Sturm mit Böjen bis über 90 km/h geben soll. Wir hoffen, dass es nicht ganz so schlimm wird.

Soweit der Bericht von den Dauercampern. Der Sprachkurs geht nun noch 6 Tage, dann können wir (endlich) mal ein Stück weiterfahren.

Montag, 4.2. bis Sonntag, 12.2.

Jeannine: Montag ist wunderbares Wetter, und ich pflege meinen Schnupfen. Bisher hat es Claus noch nicht erwischt, aber bei der Enge im Wohnmobil ist das leider nur eine Frage der Zeit. Dienstag bin ich wieder fit und kann in die Schule.

Bisher bin ich gerne jeden Tag nach Tarifa zur Schule geradelt, aber am Donnerstag macht das erstmalig keinen Spaß. Der Wind ist so stark, dass ich richtiggehend abgedrängt werde, wenn mich LKWs oder Busse überholen. Auf dem Rückweg mit Rückenwind geht es besser. Nachmittags treffen wir uns wieder mit unseren neuen Freunden Herbert und Dagmar zum Essen im benachbarten „Hurricane Hotel“. Dort gibt es einen Pavillon mit Terrasse, auf der wir wunderbar windgeschützt sitzen und aufs Meer blicken können. Das Essen ist auch ok. Das kulinarische Highlight haben wir in Spanien bisher noch nicht entdeckt. Alles ist oft etwas fade und leider meistens nur lauwarm. Gut, dass wir selbst kochen können; dieses Niveau kann man allemal toppen. Aber hier geht es gar nicht so sehr ums Essen, sondern wir genießen die Gespräche mit Herbert und Dagmar.

In der Nacht auf Freitag kommt der Sturm, den alle Wetterberichte angekündigt haben. Wir stehen mit der Längsseite zur Windrichtung, und das Wohnmobil schaukelt so stark, dass wir Angst haben umzukippen. Es ist eine unruhige Nacht, wir schlafen beide schlecht. Morgens frage ich an der Rezeption angelegentlich, ob denn schon mal ein Wohnmobil umgekippt sei. Ist aber nicht, was uns sehr beruhigt. Zur Schule fahre ich jedenfalls sicherheitshalber mit dem Taxi. Bei dem orkanartigen Sturm wollen wir auch das Wohnmobil nicht bewegen. 

Am Freitag sieht das Meer aus als würde es kochen.

Nachmittags backe ich erstmalig einen Kuchen in unserer Omnia-Backform. Alles natürlich improvisiert, gerührt wird im größten Topf mit einer Gabel. Aber es klappt, und ich bin ganz stolz auf meinen Geburtstagskuchen für Claus.

Am Samstag wird das Wohnmobil noch mit einer Spanischen Geburtstagsgirlande dekoriert, die ich in einem der Chinesen-Läden erstanden habe. Aber die Chinesen haben es wohl nicht so mit Spanisch: Es fehlen doch tatsächlich zwei Buchstaben im Glückwunsch! Claus freut sich trotzdem. Das ganze Wochenende stürmt es so stark, dass man gar nicht viel machen kann.

„Feliz Cumpaños“ statt richtig „Feliz Cumpleaños“.

Montag, 13.2. und Dienstag 14.2.

(Claus:) Wir treffen eine spezielle Entscheidung.
Nachdem Jeannine am Montag wieder wegen des starken Windes*, mit dem Taxi zur Schule fahren musste (es gibt keine Busverbindung) und dies die ganze Woche wohl so sein wird und weil ich seit Sonntag extrem erkältet bin, beschließen wir, dass Jeannine bis Freitag in ein Apartment in Tarifa zieht. Sie spart somit die Taxifahrerei (pro Tag EUR 30.-), kann in Ruhe schlafen und sich auf die letzte Schulwoche konzentrieren. Ich kann mich (hoffentlich) kurieren und schlafen, wenn ich schlafen muss/will.
Gemeinsam suchen wir abends ein zentral gelegenes Apartment (kostet dann auch nicht sooo viel mehr als das tägliche Taxi) und buchen es ab Dienstag. Mitentscheidend: Es muss eine Heizung haben! Dies ist, wir wir zufällig von anderen gehört haben, in Tarifa nicht selbstverständlich. Jeannine packt ihre Tasche und checkt dort am Dienstag Morgen bereits ein.
Nun ist sie bis Freitag (Kursende) direkt vor Ort, und ich kann hier rumhusten.

*zum Thema Wind: Es herrscht derzeit der Levante, ein sehr starker Wind von Ost nach West. Durch die Meerenge von Gibraltar entsteht eine Düsenwirkung, die zu sehr starken Winden und Böen führt und dies teilweise 2 Wochen anhaltend. Unten die Geschwindigkeiten vom Freitag. Fahrradfahren wird unmöglich bis lebensgefährlich, besonders auch, da der Radweg entlang der recht befahrenen Nationalstraße verläuft.

Fast so heftig geht es nun eine Woche weiter…

Gegenüber von unserem Platz steht seit Samstag ein Typ, der Reisen mit dem Wohnmobil nach Marokko organisiert. Er erzählt mir, dass derzeit wegen des Sturms keine Fähren übersetzen. D.h. in Tarifa warten mehrere Personen in ihren Fahrzeugen auf die nächste Überfahrt. Seine Kunden (in sexhs Wohnmobilen) treffen hier am Dienstag ein. Er hofft, dass sie am Mittwoch starten können. Die Reise ist geplant für vier Wochen, zzgl. An- und Rückreise. Ärgerlich, wenn man dann einige Tage „verliert“ weil man auf die Fähre wartet. Aber so ist das eben bei Fernreisen!

P.S. zum Thema Wind: Selbst für die Surfer und Kiter hat es zu viel Wind. Hinzu kommt, dass der Wind Richtung Atlantik bläst und die Gefahr groß ist, aifs Meer getrieben zu werden. Genau dies ist am Freitag fast einem Surfer passiert, der mit viel Glück nach drei Stunden aus eigener Kraft ans Land zurück gelangte (ihm war das Zugseil gerissen).


Donnerstag, 16.2.
(Claus:) Heute eine weitere Premiere!

Habe mittelprächtig geschlafen, obwohl ich ja Platz und Ruhe hatte. Aber auch Jeannine schläft im Apartment nicht besonders gut. Da mein Husten auch nicht wirklich besser wird, habe ich beschlossen, in Tarifa zu einem Arzt zu gehen. Also alle wichtigen spanischen Übersetzungen für Husten. Auswurf, Bronchitis, Antibiotika, usw. rausgesucht und aufgeschrieben. 

Beim Campingplatz-Empfang nochmals nachgefragt, ob das Medzinzentrum auch das richtige wäre. Ja! OK. Ob sie mir bitte dort einen Termin machen könnten? Das sollte ich nicht, den bekäme ich dann erst in 2-3 Wochen. Sollte einfach als Notfall hinfahren. Nun gut. Habe mich mental auf 3-4 Stunden Wartezeit eingestellt. Also rufe ich mir ein Taxi zum Campingplatz, und wir fahren in die Stadt. Dort angekommen, bin ich sehr überrascht, weil das Wartezimmer bis auf eine Person leer ist. Außerdem ist alles sehr klein. Bei Medizin-Zentrum dachte ich an mehrere Ärzte, ständig klingelndes Telefon, mehrere Wartezimmer und Wuseln im Gang. Statt dessen ist der Empfang ist unbesetzt, da die Arzthelferin immer in einem der hinteren Zimmer ist. Wer rein möchte, muss klingeln, dann kommt sie und öffnet die Tür. Es scheint zwei Ärzte zu geben. 

Nach fünf Minuten bin ich dran. Das Arztzimmer ist vom Boden bis zur Decke voll mit Pokalen – Surfen, Kiten, Segeln, Fotos von Wellen und Leuchttürmen…soweit ich dies überblicken kann. Gerne hätte ich ein paar Fotos gemacht. Aber dafür bin ich ja nicht hier. Nachdem meine Personalien auf einem Post-it erfasst und vom Chef in den Computer eingegeben sind, gehen wir in den Nebenraum zur Untersuchung. Die macht er sehr gründlich und entdeckt die Stelle, an der es „rasselt“. Zurück im Chefzimmer schreibt er den Bericht, die Rezepte und die Rechnung (80.- EUR).

Die Rechnung zahle ich per EC und bin nach knapp 30 Minuten wieder draußen, mit einem sehr guten Gefühl. Schnell noch zur Apotheke und dann gemeinsames Mittagessen mit Jeannine, die mittlerweile schulfrei hat und von der Schule zur Tapas-Bar kommt. Das Essen ist leider wieder nur mittelprächtig…

Mit dem Taxi wieder zum Campingplatz, Tagesziel erreicht. Irgendwann kommt Dagmar vorbei und fragt, ob ich einen Teller Gemüseeintopf haben möchte, den sie gestern gekocht hat. Da sage ich sicher nicht Nein. Außerdem schlagen sie vor, da sie morgen eh einkaufen wollen, Jeannine von der Schule abzuholen und sie mit zum Einkaufen zu nehmen. Total nett, sympathisch und hilfsbereit die beiden – toll!

Ich esse meinen Eintopf und bin happy.

Ein wunderbares Abendessen: Dagmars Gemüseeintopf, Antibiotika und ein Glas Rotwein.


Bis um 22:00 Uhr. Ich gehe ins Bett und kann absolut nicht schlafen. Draußen tobt der Sturm, und ich bin hellwach. Stehe wieder auf. Gehe um 23:30 wieder ins Bett. Stehe wieder auf und schreibe dies hier um mittlerweile 6:00. Und habe so gut wie nicht geschlafen.
Die Böen bringen das WoMo stark zum Schaukeln. Auf dem Nebenplatz hat jemand ein Zelt aufgeschlagen, das knattert und flattert. Aber es scheint zu halten. Vorhin habe ich etwas Musik gehört, vielleicht hat er sich ein bisschen Mut gemacht?
Der Sturm nervt nun schon seit zwei Wochen. Am Stück. Permanent. Rund um die Uhr. Obwohl es fast 14 Grad ist, kann man nicht draußen sitzen. Fahrradfahren unmöglich. Laufen schwierig. Mit dem WoMo sollte man auch nicht fahren, da man mit ca. 2,70m Höhe eine enorme Angriffsfläche bildet.

Nun, morgen/heute werden wir besprechen wohin es weitergeht. Der Spanischkurs ist dann fertig, und wir beenden unser Dauercamperdasein und werden wieder mal fahren (wohnMOBIL)…

Montag, 13.2. bis Sonntag, 19.2.

(Jeannine): Die letzte Woche Spanischkurs! Am Montag stürmt es wieder so stark, dass ich mit dem Taxi fahre. Ich bin total unausgeschlafen. Claus hat nachts fürchterlich gehustet, und wir konnten beide nicht schlafen. Wir entscheiden deshalb am Montagabend, dass ich bis Ende der Woche in ein Hotel in Tarifa ziehe. Das fühlt sich sehr komisch an. Am Dienstag morgen habe ich das Gefühl, „auszuziehen“. Aber es ist definitiv die richtige Entscheidung.

Das Hotel liegt mitten in der Altstadt und hat vollautomatischen Checkin, den Zimmercode erhält man per whatsapp. Die ganzen vier Tage sehe ich kein einziges Personal. Wesemtlich größer als unser Wohnmobil ist das Zimmer auch nicht. Man kann immerhin bequem rund ums Bett laufen, aber das war es auch schon. Es gibt eine Küchenzeile, aber weder Stuhl noch Tisch. Wie das wohl gedacht ist? Kochen geht, aber gegessen wird auf dem Bett? Immerhin kann ich mir Tee zubereiten.. Es gibt außerdem eine Heizung, was in andalusischen Unterkünften nicht selbstverständlich ist. Die besteht aus einer Klimaanlage, die auf Wärme umgestellt werden kann, hängt an der Decke und bläst warme Luft von oben herunter. Am Boden bleibt es kalt, und gegen den Zug von der undichten Zimmertür hilft sie auch nicht. Das Ganze ist bei weitem nicht so gemütlich wie in unserem Wohnmobil, aber definitiv besser als keine Heizung. 

Bett mit Küchenzeile!
Blick vom Fenster auf die Altstadt und auf das Kastell.

Absolut genial ist der Standort mitten in der Altstadt. Alles ist in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar, auch die Schule. Unterwegs kann ich mir in der Markthalle die tägliche Ration Obst besorgen. In den drei Tagen gehe ich nach der Schule etwas essen, mache einen langen Strandspaziergang und verziehe mich dann aufs Zimmer zum Hausaufgaben-machen, Telefonieren und Lesen. Einen Abend zappe ich mich durch spanische Fernsehsender und freue mich, wenn ich ein bisschen was verstehe.

Der Wind modelliert den Sand zu bizarren Formen.
Und das Ganze bei ca. 8 Beaufort.

Der Sturm hält die ganze Woche über an. Es ist übrigens der Levante, der aus Osten kommt und sozusagen durch die Straße von Gibraltar gepresst wird. Er wird durch die Sierra Nevada auf spanischer und den Atlas auf marokkanischer Seite kanalisiert und erreicht in der Meerenge seine größte Kraft, bevor er auf dem Atlantik wieder an Energie verliert. 

Nur eine Handvoll Surfer traut sich aufs Wasser. Auch für die Profis ist es offensichtlich nicht ungefährlich. Wir hören von zwei Kitern, die abgetrieben werden. Einer kann sich nach drei Stunden aus eigener Kraft retten, beim anderen wurde die Rettung verständigt.  In der Stadt ist der Sturm zwar nicht gefährlich, aber lästig. Ich hätte nie gedacht, dass Wind nerven könnte, aber die ständige Geräuschkulisse und die Windböen, gegen die man ankämpfen muss, sind geradezu anstrengend.

Meine kulinarischen Erlebnisse in Tarifa halten sich wieder sehr in Grenzen. Wieder überwiegt der Eindruck, dass alles entweder fritiert oder fade, auf jeden Fall aber lauwarm ist. Ich probiere Lokale, die von den Lehrern an der Schule wärmstens empfohlen werden, aber das Ergebnis ist immer gleich. Mit einer Ausnahme: der Mexikaner, zu dem wir an einem Abend im Rahmen eines Schulausflugs gehen. Das Essen dort ist richtig gut und wird in zischenden Pfännchen serviert. Und dann gibt es noch die Konditorei La Tarifeña, die leckere und optisch sehr aufwändige Küchlein und Torten produziert. Am Dienstag ist Valentinstag, und dafür haben sie sich richtig ins Zeug gelegt.

High Heels aus Schokolade – wer könnte da widerstehen?
So sieht ein typisch spanisches Frühstück aus: Toast mit Olivenöl und Tomatenpüree, dazu ein Café con leche.

Wie Claus schon berichtet hat, holt mich Dagmar am Freitag netterweise von der Schule ab, und wir beide machen einen ausgedehnten Shoppingtrip zu Lidl und Mercadona. Wir quatschen über Gott und die Welt, über Männer und Kochrezepte, und das blöde Einkaufen macht richtig Spaß. Das „Heimkommen“ ins Wohnmobil ist genau das: Heimkommen. Claus hatte eine ganz unruhige Nacht, und sieht müde und schlecht aus. Ich packe aus, wir essen diverse Reste und gehen früh schlafen. Am nächsten Morgen geht es ihm viel besser.

Das Wochenende verbringen wir mit Waschen, Aufräumen, Kochen und Essen. Die Wäsche „steht“ waagerecht im Wind und wird so glatt wie gebügelt. Außer kleinen Spaziergängen ist nicht mehr drin, weil es unablässig stürmt. Sonntag packen wir das Wohnmobil, damit wir am Montag gleich loskommen. Und wir gehen „Abschieds-Kuchenessen“ in die Tarifeña am Hafen mit Dagmar und Herbert. Wie immer ist es total nett. Wir tauschen Telefonnummern aus und laden uns gegenseitig nach Hause ein. 

Montag, 20.2.

Am Morgen werden wir sehr herzlich verabschiedet von Dagmar, Herbert und den Campingplatz-Mitarbeitern. Netterweise können wir unsere spanische Gasflasche auf dem Platz deponieren bis nächstes Jahr. Den Adapter nehmen wir natürlich mit!

Unser erstes Ziel ist ein Stellplatz in den Bergen, ca. 40 km vor Ronda. Kaum biegen wir kurz hinter Algeciras ins Landesinnere ab, wird es idyllisch. In der Nähe von Castellar de la Frontera sind auf fast allen Strommasten Vorrichtungen angebracht, auf denen Störche ihre Nester bauen können. 

Störche beim Nestbau, bzw. bei der Produktion von Nachwuchs.

Wir machen Halt in Los Angeles, das wirklich so heißt. In einer Kneipe probieren wir Tapas, die uns erstmalig richtig gut schmecken. Dito der Kaffee. Die Preise sind etwa die Hälfte von denen in Tarifa. Die Straße windet sich in Serpentinen durch die Berge, dazwischen blitzen weiße Dörfer. Es ist ein bisschen windig, mit Betonung auf ein bisschen. Welche Wohltat. 

Links das Dorf Benarrabá. Übrigens sind alle Dörfer hier weiß.

Der Stellplatz liegt nahe einem winzigen Dorf in den Bergen, ist ganz ruhig und hat eine wunderbare Aussicht. Es gibt überall gut ausgeschilderte Wanderwege. Ich mache eine kleine Tour und komme an großen Korkeichen vorbei, die wegen ihres Alters „Großväter“ genannt werden. Sie werden übrigens nur alle neun Jahre geschält. 

Frisch geschälter „Großvater“.

Während ich unterwegs bin, kommt Claus mit Nachbarn auf dem Stellplatz ins Gespräch. Da sie aus Oldenburg kommen, frägt er sie einfach mal so, ob sie meine Freundin Nicki kennen. Und tatsächlich, sie kennen sie aus der Kirchengemeinde. Wie klein die Welt doch manchmal ist.

Dienstag, 21.2.

Nach dem Frühstück fahren wir auf einer Bergstraße Richtung Ronda. Für die 40 Kilometer brauchen wir eine gute Stunde, aber es ist einfach nur schön. Wir sehen rosablühende Bäume – die Mandelblüte hat schon begonnen. 

Ronda liegt auf einem Hochplateau und wird durch eine rund 100 Meter tiefe Schlucht geteilt. Sie ist Resultat eines tektonischen Bruchs, durch den der Fluß Rio Guadalevin in mehreren Kaskaden nach unten stürzt. Drei Brücken führen von der mittelalterlichen Altstadt in die „Neustadt“ aus dem 15. Jahrhundert. Die Gässchen mit den Souvenirshops, Cafés und Restaurants sparen wir uns. Dito die Stierkampfarena, obwohl diese die älteste Spaniens ist. Zwar wurde der Stierkampf in Ronda nicht erfunden, doch wurden hier Ende des 18. Jahrhunderts die heute noch gültigen Regeln der „Corrida“ festgelegt. Aber Stierkampf bleibt ein blutiges Spektakel und interessiert uns nicht so sehr. Statt dessen laufen wir über die untere „alte Brücke“ in die Altstadt, genehmigen uns in einer Kneipe am Rande der Schlucht ein spanisches Frühstück (Tomatenbrot und Kaffee) und laufen nach oben zur „neuen Brücke“, die sich 70 Meter lang und 100 Meter hoch in drei Bögen über die Schlucht spannt. Rund um die Stadt gibt es wunderbare Ausblicke auf das Umland. Auf der Neustadtseite wurden Gärten entlang der Schlucht angelegt, die imposante Perspektiven von unten auf die Neue Brücke und hinab in den Canyon ermöglichen. 

Blick von der Altstadtseite aus auf die „alte Brücke“.
Eine Schlucht teilt die Stadt. Blick von der „Neuen Brücke“.
Die „Neue Brücke“ ist 100 Meter hoch.

Wir fahren weiter in das Dorf Grazalema in den Bergen. Die Straße ist hier so schmal, dass wir bei Gegenverkehr die Luft anhalten. Grazalema ist wieder ein weißes Dorf (die Dörfer hier sind ja alle weiß!) und liegt malerisch an einer Felsflanke. Eigentlich wollen wir auf den dortigen Campingplatz, aber der gefällt uns nicht, weil er sehr schattig ist. Statt dessen stellen wir das Auto auf einen Stellplatz, der auf einer Terrasse oberhalb des Dorfes liegt. Wir haben eine super Aussicht, noch ein bisschen Sonne und nette Nachbarn, mit denen Claus sofort ins Gespräch kommt. Ich erkunde derweil das Dorf.

Mittwoch, 22.2.

Eigentlich würden wir hier gerne noch einen Tag bleiben, aber wir brauchen doch nochmal kurz die Infrastruktur eines Campingplatzes. Bevor wir losfahren, laufen wir ins Dorf, um auf dem Marktplatz einen Kaffee zu trinken. Dort treffen wir die anderen Stellplatznachbarn und verplaudern fast zwei Stunden mit ihnen. Sowohl sie als auch wir finden das Gespräch wichtiger als den eigentlichen Tagesplan. Welcher Luxus, wenn man diese Freiheit hat!

Unser nächster Stopp ist ein Campingplatz außerhalb eines anderen weißen Dorfes namens Olvera. Der Campingplatz liegt auf einer Kuppe und hat eine 360-Grad-Aussicht. Die Rezeptionistin telefoniert unablässig und ist bemerkenswert unfreundlich, die Atmosphäre auf dem Platz irgendwie seltsam. Aber für zwei Nächte ist alles ok. 

Olvera aus der Ferne.

Olvera thront spektakulär auf einer Bergkuppe und wird dominiert von einem maurischen Kastell und einer Kirche aus dem 16. Jahrhundert. Man sieht das Dorf von weitem, und zwar aus verschiedenen Richtungen. Ich mache noch einen kleinen Fahrradausflug dorthin, aber in dem Fall ist der Eindruck von weitem beeindruckender als aus der Nähe. Immerhin hat man schöne Ausblicke von oben ins Land. Ich schaue mir die Kirche La Encarnación an, deren Fassade vor sich hin bröckelt. Innen gibt es mindestens fünf Marien- und mehrere Heiligenfiguren, alle mit echten Gewändern ausstaffiert. 

La Encarnación in Olvera.
Viel Gold, echte Gewänder und gemalte Tränen.

Direkt unterhalb der Burg liegt der Friedhof, von dem aus man weit ins Land blicken kann. Die Grabstätten sind schließfachartig angeordnet, mit Marmorrahmen, in denen die Namen der Verstorbenen neben Marien- oder Jesusdarstellungen stehen und mit Kunstblumen geschmückt sind.

Der Friedhof unterhalb des maurischen Kastells.

Donnerstag, 23.2.

Nach dem Frühstück fahre ich mit dem Rad nach Setenil de las Bodegas, in dem die Häuser in die Felsüberhönge eines ausgewaschenen Flusstals gebaut sind. Der Weg dorthin führt über kleine Landstraßen und ist grandios. Es ist zwar kühl, aber die Sonne scheint, und die Berge und Hügel erinnern mich abwechselnd an den Hegau oder den Schwarzwald. Die Vegetation ist natürlich mediterran, es gibt überall Olivenplantagen, und an den Straßenrändern wuchern Agaven. In den Plantagen wird überall gearbeitet und viel Grünzeug verbrannt. Ich bin wieder sehr froh über mein E-Bike, weil die Strecke entweder bergauf oder bergab führt. Mit ein bisschen Antrieb ist das gar kein Problem.

Die Häuser in Setenil sind in die Felsüberhönge eingebaut.
Die Rückwand in dieser Bar ist ais Fels,
Wahnsinnig schöne Landschaft – und Bauern bei der Arbeit.

Am Nachmittag widmen Claus und ich uns einer wichtigen Aufgabe: der Entsalzung und Entsandung unseres Wohnmobils! Durch die Stürme in Tarifa ist das Auto voller Salz und Saharastaub. Dass wir überhaupt noch etwas durch die Scheiben sehen können, grenzt an ein Wunder. Bei meinem Ausflug nach Olvera habe ich eine Waschstation für LKWs gesehen, die steuern wir an. Porentief rein ist der Wagen danach immer noch nicht, aber wie können wieder durch die Fenster blicken.

Freitag, 24.2.

Heute steht die Mezquita von Cordoba auf dem Programm. Ich habe online eine Eintrittskarte mit Führung gebucht. Die zweistündige Fahrt nach Cordoba ist wieder ein Erlebnis, wenn auch ganz anders als in den letzten Tagen. Zunächst fahren wir durch hügelige Landschaften voller Olivenbäume. Dann wird es flacher. Die Olivenbäume bleiben. Die Landschaft ist weit, der Himmel riesig, und außer einigen Traktoren begegnen uns in der ersten Stunde nur wenig Fahrzeuge. Cordoba liegt in dem weiten, fruchtbaren und landwirtschaftlich intensiv genutzten Tal des Guadalquivir. Dahinter beginnt gleich die nächste Bergkette. Ich habe einen Campingplatz in der Stadt ausgesucht, aber dummerweise nicht vorher angerufen. Als wir ankommen, ist der Campingplatz geschlossen. Praktischerweise gibt es gleich daneben ein Hinweisschild auf den nächsten Platz (vielleicht ging es mehreren anderen wie uns!). Dem folgen wir und kommen 7 km außerhalb von Cordoba in die Berge. Dieser Campingplatz liegt mitten in einem Naturschutzgebiet und ist ein Traum, aber leider ausgebucht. Wir bekommen trotzdem noch ein Plätzchen. Zurück nach Cordoba geht es dann nur mit dem Taxi, aber das klappt problemlos.

Stadtviertel Judería in Cordoba.

Vor der Führung schlendere ich noch ein bisschen durch die Altstadt und die sogenannte „judería“, das ehemalige Judenviertel, in dem es allerdings seit dem letzten Progrom im 15. Jahrhundert kein jüdisches Leben mehr gibt. Die Gässchen sind malerisch, voller Restaurants, Cafés, Bars, Eisdielen und unglaublich vollgestopften Souvenirshops. Und voller Touristen. Meine Güte, es ist ja erst Februar, wie geht es denn hier im Sommer zu?

Die Führerin durch die Mezquita ist eine zierliche Spanierin mit dem sprichwörtlichen spanischen Temperament und tiefer Stimme. Wir bekommen Empfangsgeräte und Ohrstöpsel und können sie somit immer gut verstehen. Sie erzählt mir später, dass sie Kunsthistorikerin ist und sich auf die Geschichte der Mezquita spezialisiert hat. Das merkt man bei jedem Satz. Ihr fundiertes Wissen und ihre Begeisterung für dieses Gebäude reißen die ganze Gruppe mit.

In der weitem Halle sollte sich der Geist frei entfalten können.
Die bunt bemalte Holzdecke überhalb der Rundbögen wurde an einigen Stellen restauriert.

Und die Mezquita ist wirklich unglaublich! Ein über 14.000 Quadratmeter großes Gebäude mit 856 noch existierenden Säulen und Rundbögen. Für die ältesten Teile der Mezquita wurden römische und westgotische Säulen und Kapitelle „recycelt“. Um die unterschiedlichen Höhen der Säulen auszugleichen, wurden sie entweder in den Boden eingelassen oder auf Podeste gestellt. Die Säulen tragen die charakteristischen Doppel-Rundbögen, gestreift aus terrakottafarbenen Ziegeln und weißen Kalksteinen. Nach mehreren Erweiterungen hatte die Moschee 19 Längsschiffe, war 134 Meter breit und 179 Meter lang. Der riesige,, horizontal ausgerichtete Gebetsraum bit Platz für 40.000 Gläubige. Da die Portale an der Nordwand offen waren, floss Licht durch die Halle, was die Farben anders zum Leuchten gebracht haben wird als heute.

Der Mihrâb, die nach Mekka gerichtete Gebetsnische.
Der Mosaikbogrn über dem Mihrâb wurde von bycantinischen Kunsthandwerkern geschaffen.

Das Besondere an der Mezquita ist die Gleichzeitigkeit von Baustilen aus mehreren Jahrhunderten. Auf dem Fundamenten einer christlichen Kirche wurde im 8. Jahrhundert  eine Moschee („Mezquita“) errichtet, in die nach der Reconquista unzählige Grabkapellen sowie – und das ist wohl weltweit einmalig – eine Kathedrale hineingebaut wurden. Inmitten der islamischen Säulen- und Rundbögenarchitektur erhebt sich eine Kirche. Seit dem 13. Jahrhundert ist die „Mezquita Catedral“ ein katholisches Gotteshaus, in dem Messen, Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen zelebriert werden. Islamische Architektur aus dem 7. bis 10. Jahrhundert wechselt sich aprupt ab mit gotischen Spitzbögen und Rosettenfenstern und Renaissance-Elementen. Die beeindruckende Schönheit der islamische Säulenhalle wurde dabei empfindlich beeinträchtigt, was sogar König Karl V., der die Genehmigung für den Bau der „Capella Mayor“ erteilt hatte, beklagt haben soll. Aber wie uns unsere Führerin erklärt, ist die Mezquita auch ein Beispiel für die Koexistenz der verschiedenen Stile. Andernorts, zum Beispiel in Sevilla, wurden die Moscheen zerstört, bevor die christlichen Kirchen auf ihren Trümmern errichtet wurden. In Cordoba hingegen blieben die islamischen Elemente erhalten. So wurde zum Beispiel der Glockenturm um das Minarett herumgebaut und existiert bis heute, wenn auch von außen nicht sichtbar. Wegen dieses einzigartigen Nebeneinanders völlig unterschiedlicher Baustile gehört die Mezquita zum UNESCO Weltkulturerbe. 

Blick in die Capella Mayor, für die 63 Säulen weichen mussten.
Geld spielte wohl keine Rolle: Der obere Altaraufsatz ist aus Silber und Gold und wiegt 200 kg.

Nach zwei Stunden Führung bin ich etwas geplättet und schlendere nur noch kurz zum Fluß. Auf der ehemaligen römischen Brücke (die heutige ist eine Rekonstruktion) tummeln sich Menschen und hören verschiedenen Straßenmusikanten zu, deren Musik sich gelegentlich überlappt. Es ist eine heitere, entspannte Atmosphäre. 

Samstag, 25.2.

Nach dem Frühstück fahren wir über Landstraßen Richtung Sevilla. Wieder ist die Fahrt traumhaft schön. In einem weiten blauen Himmel hängen Wolken wie an Schnüren, wir sehen kilometerweise Oliven- und Orangenplantagen und grasgrünen Weizen. Nachdem wir aus Cordoba heraus sind, wird auch der Verkehr immer spärlicher, und wir haben gelegentlich das Gefühl, wir sind allein auf dieser Straße.

Wir fahren auf einen Campingplatz in einem Vorort von Sevilla, von wo es eine direkte Busverbindung in die Stadt gibt. Diesmal habe ich vorab keinen Eintritt gebucht, was sich als Fehler erweist. In der Tourist Information schüttelt der nette Mitarbeiter nur müde den Kopf, als ich   nach Eintrittskarten für die Kathedrale frage. Das gleiche beim Königspalast Alcazar. Für den bekomme ich dann online eine Karte für Sonntag, für die Kathedrale ist das ganze Wochenende ausgebucht. Nix Nebensaison. Die Stadt ist voller Menschen, vorwiegend Spanier, die wie ich später erfahre ein Brückenwochenende vor sich haben (der kommende Dienstag ist ein Feiertag in Andalusien). 

Die Plaza de España wurde für die Weltausstellung 1929 gebaut und bildet alle spanischen Provinzen ab.

Egal, die Kathedrale ist auch von außen imposant und hat ungeheure Ausmaße. Vor dem Baubeginn Amfang des 15. Jahrhunderts sollen die Kirchenoberhäupter sich vorgenommen haben, „eine Kirche zu bauen, die so groß ist, dass künftige Generationen uns für verrückt halten“ (so steht es im Reiseführer Lonely Planet). Sie gilt jedenfalls als die größte gotische Kathedrale der Welt.

Die Kathedrale von außen, im Hintergrund der Kirchturm (Giralda).

Statt der Kathedrale schaue ich mir ein modernes Bauwerk an, den „Metropol Parasol“, den die Sevillaner liebevoll in „Las Setas“, „die Pilze“ umgetauft haben. Das größte Holzbauwerk der Welt steht auf der Plaza de la Encarnación, auf der Anfang der 70er Jahre eine alte Markthalle abgerissen wurde. Danach stand der Platz über 40 Jahre lang leer, bzw. wurde als Parkplatz genutzt. Anfang der 2000er Jahre lobte Sevilla einen Architekturwettbewerb für eine neue Nutzung aus, den der damals junge Berliner Architekt Jürgen Mayer gewann. Die Bauzeit für das neue Wahrzeichen Sevillas war deutlich länger und die Baukosten deutlich höher als geplant. Aber seit seiner Eröffnung im Jahr 2011 ist der Parasol zu einem beliebten Treffpunkt für Sevillaner und Touristen geworden. Die Konstruktion mit ihren organischen Formen ist 150 Meter lang, 70 Meter breit und 26 Meter hoch. Man kann mit einem Lift nach oben fahren und auf einem 250 Meter langen Rundweg über die Pilze die Stadt nach allen Richtungen von oben erleben. Unten gibt es einen erhöhten Platz sowie mehrere Freitreppen. Überall verweilen Menschen, sitzen auf den Stufen, hören Straßenmusikanten zu. Rund um den Platz sind Restaurants und Cafés. Die Pilze und der Raum, den sie gestalten, sind ein beliebter und lebendiger Treffpunkt in Sevilla geworden. Der Parasol hat etwas Magisch-Heiteres an sich.

Parcours über die Setas mit Blick auf die Kathedrale im Hintergrund.
Im Inneren des Parasols wird die Konstruktion und der Aufbau erklärt.
Platz unterhalb des Parasols.

Sonntag, 26.2.

Nach dem Frühstück nehme ich wieder den Bus nach Sevilla, um mir den Königspalast Alcazar anzusehen. Die Stadt ist noch voller als am Samstag. Auch über die großen Avenuen schieben sich Menschenmassen. Vor dem Alcazar bilden sich Schlangen, obwohl alle, die anstehen, bereits für ein bestimmtes Zeitfenster ihr Ticket haben. Der Palast, oder besser das Palastensemble, ist wieder ein überwältigendes Beispiel für die Vermischung islamischer und christlicher Architektur. Er dient heute noch der spanischen Königsfamilie als Residenz und ist damit der älteste bewohnte Palast Europas. Ursprünglich wurde er im 8. Jahrhundert als maurische Festung angelegt und in den darauffolgenden Jahrhunderten zum Palast erweitert.

Eingangsportal zum Palast Pedros I. mit arabischen und lateinischen Inschriften.

Das Herzstück der Anlage, der Palast von Pedro I. (genannt der Grausame) wurde von einem christlichen Herrscher im maurischen Stil erbaut (die Mischung wird als Mudéjar-Architektur bezeichnet). Spätere katholische Herrscher erweiterten den Palast um gotische Elemente. Wohn- und Representationsräume gruppieren sich um mehrere wunderbar angelegte maurische Innenhöfe mit Bäumen und Brunnen.

Der schönste der Innenhöfe: Patio de las Doncellas (Mädchenhof).

Und die ganze Anlage öffnet sich zu einem Labyrinth wunderschöner Gärten mit sorgfältig angelegten Sichtachsen, mit Pavillons, Bächlein und Brunnen. In den Gärten verlaufen sich die Menschenmassen gnädigerweise etwas. Ich überlege, wieviele Millionen von Handyfotos hier täglich gemacht werden. Praktisch jeder läuft  mit dem gezückten Smartphone in der Hand herum. Ich ja auch! 

Die Parkanlage mit der Galeria del Grutresco (rechts), von der aus man den Park von oben betrachten kann,
Für seine Geliebte Maria de Padilla ließ Pedro I. unterhalb des Palasts ein großzügiges Bad bauen.

Nach der Besichtigung erhole ich mich im Museumscafé, das auch im Park liegt und von mehreren penetranten Pfauen bevölkert wird. Den anwesenden Kindern sind die Vögel definitiv nicht geheuer, was ich gut verstehen kann. Beim Weiterschlendern durch die Stadt entdecke ich noch ein kleines, aber feines Museum, das „Hospital de los Venerables Sacerdotes“, ein ehemaliges Hospiz für betagte Priester. Der Barockbau ist – angelehnt an die maurische Architektur – um einen geradezu heiter anmutenden Innenhof mit Säulengang, Keramikfliesen und Orangenbäumen herum gebaut. Nicht nur die Kapelle ist mit Trompe-l‘oeil-Malerei ausgeschmückt, sondern sogar die Sakristei. Das Museum zeigt eine winzige Sammlung von Meisterwerken von Diego Velazquez und Bartomolé Murillo. Es sind nur einige wenige Gemälde, aber die sind wirklich exquisit. Dieses kleine Museumsschätzchen ist wie eine Erholung nach dem Besuch des Alcazar.

Innenhof im Hospital des los Venerables Sacerdotes.
Beeindruckende Trompe-l‘oeil-Malerei von Valdés Leal in der Sakristei.

Auf dem Rückweg zum Bus laufe ich an einem Café vorbei, das „Churros con chocolate“ anbietet. Das ist eine typisch spanische Kalorienbombe, von der unsere Spanischlehrerin Bea immer geschwärmt hat. Diese Kultur der etwas anderen Art muss zumindest ausprobiert werden. Lustig ist, dass gleich mehrere Spanier beim Vorbeilaufen so etwas wie „aahh, churros“ von sich geben.

Spanische Kalorienbombe: Churros (frittierte Teigkringel) mit heißer Schokolade,
Flamenco gibt‘s in Sevilla auf der Straße.

Montag, 27.2.

Nach drei Tagen Kultur und Stadt freuen wir uns beide wieder auf ein bisschen Natur. Weil das Wetter die nächsten Tage kälter werden soll, fahren wir nochmal ein Stück nach Süden, und zwar in das Dorf El Rocío im Doñana Naturpark. Der Doñana-Park ist ein riesiges Feuchtgebiet im Flußdelta des Guadalquivir und ein einzigartiges Biotop mit vielen seltenen Vogelarten, darunter Flamingos, mit Luchsen und freilaufenden Hirschen. 

El Rocío im Doñana Nationalpark.

Das Dorf El Rocio selbst liegt malerisch an einem Marschsee, in dem Flamingos umherstolzieren, und entpuppt sich als Biotop ganz anderer Art. Das 800-Seelen-Dorf ist jedes Jahr um Pfingsten Treffpunkt von rund 1 Million (!) Pilgern aus dem ganzen Land. Ziel der Pilger ist die Statue der Heiligen Jungfrau aus der Kirche Ermita del Rocio, die am Pfingstsonntag aus der Kirche durchs Dorf getragen wird. 

Die Kirche Ermita de el Rocío stammt ais den 1960er Jahren.
Die Madonna von El Rocío wird bei der Pilgerfahrt an Pfingsten durch den Ort getragen.
Wie im Western: breite Sandpisten statt Straßen.

Der ganze Ort besteht aus Sandstraßen. Für 800 Einwohner ist er riesig, was daran liegt, dass über 100 Pilger-Bruderschaften große Herbergen vorhalten. Die sind das ganze Jahr über unbewohnt, und die breiten Sandpisten dazwischen menschenleer. Jetzt ist zwar noch nicht Pfingsten, aber wegen des andalusischen Feiertags am Dienstag sind trotzdem viele Menschen im Dorf. Die Besucher heute konzentrieren sich um die Kirche und auf der Promenade. Viele sind hoch zu Roß oder fahren auf Pferdefuhrwerken, manche auf richtigen Planwagen. Vor den Häusern sind praktischerweise Querbalken montiert, an denen man die Pferde festbinden kann. Ebenfalls rund um die Kirche gibt es Souvenirshops, die Votivbilder, Anhänger, Kerzen und alle möglichen Scheußlichkeiten mit dem Bild der Madonna anbieten. Das Ganze ist wirklich höchst schräg und erinnert mehr an Mittelamerika als an Mitteleuropa. 

Dienstag, 28.2.

Der Naturpark Doñana ist ein streng reglementiertes Natueschutzgebiet, das nur auf sehr wenigen und abgegrenzten Wegen betreten werden darf. Kurz hinter dem Dorf gibt es ein Besucherzentrum, von wo aus ein knapp 4 km langer Rundweg zu vier Vogelbeobachtungs-Stationen führt. Die Profis trifft man dort mit Ferngläsern und riesigen Teleobjektiven. Fürs Handy sind die Vögel leider etwas zu weit weg.

Flamingos in der Marschlandschaft des Doñana-Parks.
Vogelbeobachtungsstationim Doñana-Park. Vor den Schlitzen sind Bänke und „Fensterbretter“ für die Kameras.

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