Frankreich/Spanien, Nov./Dez. 2021

Donnerstag 18.11.2021

Bisher haben wir keine Reise mit so vielen Vorbehalten begonnen. Eigentlich wollten wir nach Südfrankreich, aber der Wetterbericht ist alles andere als berauschend. Kein Wunder, schließlich haben wir Mitte November. Außerdem steigen die Covid-Inzidenzen überall rasant an. Und daheim ist es schließlich auch sehr gemütlich, und dazu heute sogar noch sonnig. Wir müssen uns einen richtigen Ruck geben, um schließlich doch loszufahren. Jedenfalls haben wir das Ziel geändert. Viva Espagna! Südspanien statt Südfrankreich. Zwar bedeutet das eine wesentlich weitere Fahrt, dafür verspricht der Wetterbericht Temperaturen um 18 Grad. 

Bis wir schließlich loskommen (unglaublich, was dann doch im letzten Moment noch alles erledigt werden muss), ist es 12:45! Das ist selbst für uns ein Rekord. Aber egal. Wir fahren bei schönem Wetter ganz entspannt einmal quer durch die Schweiz bis Genf. Dort gibt es an der Grenze den einzigen Stau, der sich dahinter aber schnell wieder auflöst. Wir erleben einen grandiosen Pink-orangenen Abendhimmel und einen bleichen Vollmond. 

Unser erstes Quartier ist ein Stellplatz in Aix-les-Bains, das an der Autobahn liegt. Leider ist es inzwischen dunkel, und wir beschließen, dass wir zukünftig bei Tageslicht ankommen wollen. Es ist nicht so angenehm, bei Nacht durch fremde Städtchen zu gurken und Stellplätze zu suchen.

Am nächsten Morgen sieht man dann auch das Hinweisschild

An der Schranke vor dem Stellplatz bemüht sich ein Münchner Camper vergeblich, die Standgebühr zu bezahlen. Das Gerät erkennt keine Kreditkarten, und er muss sich per Handy mit dem Support herumschlagen. Als ich dran bin, passiert natürlich genau das Gleiche. Allerdings habe ich in der Zwischenzeit eine Gruppe sehr netter Bretonischer Camper getroffen, die mir helfen. Das Ganze dauert fast eine Stunde, bis wir schließlich auf dem – übrigens sehr angenehmen und perfekt organisierten – Stellplatz stehen. Nach einem kleinen Spaziergang zum See und einem aufgewärmten Resteessen, das wir mit ordentlich Rotwein hinunterspülen, liegen wir um 21:30 in unserer Koje. 

Freitag, 19.11.2021

Nach dem Frühstück machen wir einen kleinen Spaziergang am Lac du Bourget. Entlang des Sees gibt es eine richtige Promenade mit Platanen-Allee, diversen Ausflugslokalen und einem kleinen Vergnügungspark, der allerdings schon im Winterschlaf ist.

Still ruht der See … und einige Fischer versuchen im Morgenlicht ihr Anglerglück.

Um 10 Uhr sind wir unterwegs mit Ziel Avignon. Nachdem wir erst in immer dichter werdenden Nebel fahren, reißt es kurz vor Valence plötzlich auf, die Sonne kommt raus, und wir bekommen richtige Urlaubsgefühle.

In Avignon finden wir einen Campingplatz direkt an der Rhone, mit Panoramablick auf die Altstadt.  Der Campingplatz ist ein bisschen marode, und die Sanitäranlagen wollen wir gar nicht von innen sehen (müssen wir ja auch nicht). Aber die Lage ist nicht zu toppen, nicht nur wegen des Blicks, sondern auch wegen der kurzen Entfernung zur Stadt (einmal über die Brücke). Außerdem stehen die Camper zwischen riesigen Platanen.

Der Platz ist nur noch spärlich besetzt.
Direkt vor dem Platz diese Aussicht

Avignon, Stadt der Päpste, ist eine mittelalterliche Festung, mit umlaufender Stadtmauer und trutzigen Toren.

Wir laufen einmal durch die Altstadt, trinken einen Kaffee auf der zentralen Place d’Horloge, laufen am monumentalen Palast der Päpste entlang zu einem hoch über der Rhone gelegenen Park mit beeindruckenden Ausblicken in die Umgebung.

Blick auf die Rhone und die Brücke von Avignon.
Sonne und 16 Grad: Alles gut!

Im Park gibt es derzeit eine Ausstellung mit grossen Fototafeln über die erste Theaterproduktion von Jean Vilar im Palais Du Papes: Richard II aus dem Jahr 1947. Diese Inszenierung war der Beginn des Theaterfestivals von Avignon.

Alle sehr entspannt: Links der blutjunge Philippe Noiret, in der Mitte Jean Vilar.

Der Palast der Päpste ist einfach riesig und wird derzeit restauriert. Allein das Gerüst ist gigantisch! Wir zählen 22 Stockwerke am Turm.

22 Stockwerke Gerüst!

Für einen Besuch im Palast ist es zu spät, das verschieben wir auf den nächsten Tag.

Ein Pernod geht trotzdem noch…JETZT sind wir in Frankreich!

Statt dessen besuchen wir einen Markt mit Regionalprodukten, der aber nicht, wie man vermuten könnte, auf einem Platz stattfindet, sondern in einer ehemaligen Kirche.

Regionalmarkt in einer ehemaligen Kirche

Beim Rückweg zum Campingplatz werden wir mit berückenden Ansichten auf die Altstadt belohnt – erst im Hellen, später bei Vollmond und künstlicher Beleuchtung.

Avignon mit blau erleuchteter Brücke und Vollmond.

Die Brücke von Avignon wird in unwirklichem Blau angestrahlt.

Samstag, 20.11.2021

Nach einer ruhigen Nacht und dem ersten Frühstück mit Baguette und Croissant entscheiden wir uns, noch einen Tag hier zu bleiben. Wir müssen ja auch noch einiges besichtigen. Die Sonne zeigt sich gegen 10.00, und es könnte wieder um die 16 Grad werden.

Die berühmte Brücke aus dem Kinderlied „Sur le pont d‘Avignon…“ ist die erste Station. Tatsächlich heißt die Brücke, die im 12. Jahrhundert erbaut wurde, eigentlich Pont Saint-Bénézet und ist nur noch eine Ruine, die in die Rhone ragt. Statt heute nur noch vier hatte sie ursprünglich 22 Bögen und verband Avignon über zwei Rhone-Arme mit Villeneuve-lès-Avignon. Mit 915 m war sie damals die längste Brücke Europas. Nach Zerstörung durch ein Hochwasser im Jahr 1660 wurde die Brücke aufgegeben, aber schon Mitte des 19. Jahrhunderts als nationales Momument restauriert.

Pont Saint Bénézet mit Kapelle.

Von der Brücke geht es weiter zum Palast der Päpste. Von 1335 bis 1430 residierten hier insgesamt neun Päpste und Gegenpäpste (zur Zeit des Großen abendländischen Schismas). . 

Einer von mehreren Innenhöfen im Palais du papes.

Die Avigneser Päpste ließen innerhalb weniger Jahrzehnte ein gigantisches „Palais“ errichten, das außen einer Festung gleicht, aber dessen Innenräume Schloßcharakter haben. Um es vor Angriffen zu schützen, wurde zusätzlich eine imposante Ringmauer um die Stadt errichtet, die heute noch intakt ist. Durch seine schiere Größe beeindruckt vor allem der große Speisesaal – 48 m lang, 10 m breit – der von einem (rekonstruierten) Holzgewölbe überspannt ist. Die meisten Räume waren mit Fresken bemalt, von denen allerdings nur noch wenige erhalten sind. Ganz wunderbar sind jene aus dem sogenannten Hirschzimmer, dem Arbeitszimmer von Papst Clemens V. In einer fiktiven Naturlandschaft werden verschiedene Jagdszenen von der Falknerei über Fischfang bis zur Hirschjagd dargestellt. Die lebendige, überaus phantasievolle Wandmalerei steht in krassem Gegensatz zum abweisenden Exterieur des Palais.

Jagdszene aus dem Hirschzimmer (Foto: Wikipedia)

Am Nachmittag gibt es noch einen Spaziergang nach Villeneuve-lès-Avignon, das auf der anderen Seite der Rhone liegt. Im 13. Jahrhundert markierte es die Grenze zwischen dem Heiligen Römischen Reich und dem Königreich Frankreich, und selbst heute liegen die beiden durch Brücken verbundenen Städte in verschiedenen Départements. Von dem zur Festung ausgebauten Kloster St. André hat man einen phantastischen Blick auf Avignon.

Blick von der Festung Saint André auf Avignon.
Und nach Osten.

Sonntag, 21.11.

Wir wollen nach Spanien, die Frage ist, auf welchem Weg. Wir entscheiden uns, über Biarritz und Bilbao Richtung Andalusien zu fahren und den Rückweg an der Mittelmeerküste entlang über Valencia und Barcelona zu nehmen.

Als erste Etappe auf diesem Weg fahren wir heute auf leeren Autobahnen nach Carcassonne. Das stand schon länger auf unserem (ok, meinem) Besichtigungsplan. Wir kommen zügig voran und finden einen Stellplatz in fußläufiger Entfernung zur „Cité“. Carcassonne ist eine perfekt erhaltene Festung aus dem 12. Jahrhundert. In dem Festungsgürtel mit doppeltem Mauerring gibt es eine kleine Stadt, die heute noch bewohnt ist. Die Festung galt im im Mittelalter wegen ihres ausgeklügelten Verteidigungssystems als uneinnehmbar. 

Die Cité von Carcassonne
Blick auf den Wehrgang


Nach einem Abendessen (Reis mit grünem Chicken-Curry, das Claus mit der Note 10 von 10 bewertet), verziehen wir uns wieder früh in unsere kuschelige Koje.

Montag, 22.11.

Heute ist ein Reisetag. Auf der Autobahn „entre les deux mers“ (also zwischen Atlantik und Mittelmeer) fahren wir bis Biarritz. Die Autobahn ist praktisch leer, selbst die LKWs halten sich in Grenzen.

Wir cruisen also gemächlich durch die Lande, fahren durch Nebelfelder, beäugen die dicken Wolken, die sich bilden, und kommen aber ohne weitere Vorkomnisse an. Der Stellplatz ist zwar nicht besonders schön, dafür aber nur 100 m vom Meer entfernt. Wir machen einen ausgedehnten Strandspaziergang, bemitleiden die Surfer, die bei der Kälte bis kurz vor Dunkelheit im Wasser ausharren auf der Suche nach einer Welle, beobachten die Tanker, die sich aus der Mündung des Adour langsam ins Meer schieben – und das war’s auch schon für heute.

Die Mitcamper sind z.T. sehr eigenwillig. Ein ziemlich verratzter VW-Bus lässt über Stunden seinen Motor laufen. Dafür hat das Holländische Paar neben uns sein Wohnmobil psychedelisch aufgehübscht. Als sie kurz die Türe öffnen, sehen wir innen Grasbehang mit Kuntstblumenarrangement. Sehr authentisch!

Dienstag, 23.11.

Bevor wir losfahren, laufen wir nochmal zum Strand, der heute wesentlich trüber aussieht als im Abendlicht. Die Surfer, die schon wieder auf die Welle warten, interessiert das aber nicht. Sieht fast so aus, als hätten sie im in Wasser übernachtet.

Wir fahren nach Bilbao, um das Guggenheim-Museum zu besichtigen. Der Stellplatz ist ein absolutes Highlight! Wir thronen auf einem Hügel hoch über der Stadt und haben einen einmaligen Blick, der nachts noch imposanter ist als tagsüber. Der Stellplatz selbst ist auch perfekt organisiert, aber der Blick nicht zu toppen.

Blick von unserem Stellplatz auf Bilbao.

Mit einem Bus geht es in die Stadt zum Guggenheim-Museum von Frank Gehry. Schon auf dem Weg sieht man das Gebäude durch die engen Gassen. Der Eindruck von Nahem ist nicht so überwältigend wie vermutet, aber das liegt wohl am trüben Wetter. 

Dafür ist der Innenraum umso beeindruckender: Auf vier Etagen entfaltet sich die zentrale Lobby, und an jeder Ecke ergeben sich neue Perspektiven. Das Treppenhaus wird von einer halbrunden Stahl- ind Glaskonstruktion getragen, die sich skulpturhaft nach oben verjüngt.
Gehry spielt mit den Materialien Stahl, Glas, Titanblech und Marmor, er macht Schweres leicht und umgekehrt. Kongenial ist die Verbindung  seiner Architektur mit mehreren Installationen von Richard Serra im Erdgeschoss. Serra hat Skulpturen aus etwa 5 cm starken Stahlblechen in den Raum hinein konzipiert. Die Rundungen und Windungen seiner Gebilde bilden spannende Bezüge zu Gehrys Architektur.

Die Lobby
Skulpturen von Richard Serra im Guggenheim Museum.

Die Ausstellungsräume selbst sind konventioneller, um die Hängung von Bildern zu ermöglichen. Es läuft eine Ausstellung über Frauen in der abstrakten Kunst (die mich persönlich nicht so beeindruckt) und eine über die amerikanische Malerin Alice Neel, die eine echte Entdeckung ist. Alice Neel (1900 – 1984) hat die längste Zeit ihres Lebens in Spanish Harlem in New York gelebt und unglaubliche Portraits von Leuten auf der Straße, von Nachbarn und von zufälligen Begegnungen gemalt. Die Blicke dieser Menschen gehen auch heute noch unter  die Haut.

Zurück zu Fuß und mit Bus zum Wohnmobil ist es schon dunkel und regnet. Aber die Stadt glitzert zu unseren Füßen, und wir sind hingerissen vom Blick darauf.

Mittwoch, 24.11. und Donnerstag, 25.11.

Während es die Nacht über geregnet hat, reißt es nach dem Frühstück plötzlich auf. Es ist kalt, die Luft wie reingewaschen, der Himmel blau.

Wir werden in den kommenden zwei Tagen quer durch Spanien von der Nord- bis an die Südküste fahren, wir werden zwei Gebirgszüge queren, die Cordillera Cantabrica und die Cordillera Central. Die beiden Bergketten begrenzen die Hochebene von Kastilien im Norden und im Süden und sorgen dafür, dass es in dieser Bratpfanne im Sommer extrem heiß und im Winter sehr kalt wird.

Die ersten 1 1/2 Stunden fahren wir der Küste entlang bis Santander. Wir haben immer noch Glück mit dem Wetter und genießen die Landschaft mit Bergen auf der einen und dem Meer auf der anderen Seite. Die Straße windet sich bergauf und bergab und führt auch immer wieder weit weg vom Meer, es gibt lange Brücken und tiefe Buchten.

Hinter Santander biegt die Straße Richtung Süden ab und führt durch zunächst schöne Berglandschaften immer weiter nach oben. Plötzlich ist alles weiß!

Und es wird immer unwirtlicher. Nachdem wir den Gebirgszug der Cordillera Cantabrica durchquert haben, sind wir in Kastilien. Diese karge, öde Landschaft mit ihren endlosen Weiten beeindruckt uns tief. Irgendwann hört der Schnee auf (obwohl wir immer noch auf rund 800 m Höhe sind), es gibt irgendwann auch wieder einige Pinien, aber über mehrere hundert Kilometer bleibt es unwirtlich und karg. 

Gegen 17 Uhr sind wir auf dem Campingplatz in Salamanca (eigentlich eine schöne Universitätsstadt, aber wir haben gar keine Lust auf Besichtigung).  Der Platz hat ganzjährig geöffnet, ist aber völlig leer und hat den November-Blues.

Am nächsten Tag durchqueren wir die zweite Gebirgskette, die Cordilleres Central. Auch hier liegt Schnee, aber nicht so viel wie gestern. Glücklicherweise sind die Straßen trocken.


Auf der Südseite beginnen plötzlich Plantagen – Olivenbäume, irgendwelche anderen Bäume, die wir aus der Entfernung nicht zuordnen können, es grasen Kühe und Pferde, es wird insgesamt etwas weniger karg. Was aber bleibt, ist die Leere der Landschaft (und der Autobahnen). Wir googeln und finden heraus, das Spanien zu dem am geringsten besiedelten Ländern Europas gehört (93 Menschen pro Quadratkilometer. Zum Vergleich: Deutschland hat 230, die Schweiz etwa gleich viele). 

Hinter Sevilla folgt eine fruchtbare Ebene, in der auf riesigen Plantagen alles mögliche angebaut wird, von Orangen bis Mais. Kurz vor unserem Ziel in Sanlucar de Barrameda beginnt es zu regnen. Wir werden von einem wahren Sturzbach erwischt, bei dem man am liebsten auf der Stelle stehengeblieben wäre (was wir vielleicht auch hätten tun sollen). Glücklicherweise hört der Spuk schnell wieder auf. Im letzten Tageslicht (die Sonne geht hier deutlich später unter als zuhause – derzeit gegen 18:30 Uhr) und auf einer Straße mit beeindruckenden Schlaglöchern finden wir den Stellplatz, der sich hinter einer Hecke versteckt. 

Immerhin gibts hier Palmen!
….und 50m hinter dem CP ist das Meer

Das waren zwei Tage mit viel Fahrerei, aber auch mit vielen Eindrücken von einem wilden und kargen Land. Wir essen kurz und liegen früh in der Koje.

Freitag, 26.11.

Als wir aufwachen, ist alles weiß: aber diesmal nur Nebel. Bis wir gefrühstückt haben und parat sind, hat er sich verzogen, und wir machen einen kleinen Strandspaziergang. Im Sommer ist der Ort sicher sehr lebendig, aber jetzt natürlich im Winterschlaf.

Wir haben einen Campingplatz im Landesinneren ausgesucht, der eine gute Stunde Autofahrt entfernt ist. Auf dem Weg fahren wir durch eines der weißen Dörfer, für die Andalusien bekannt ist: Alcalá de los Gazules. Ich kaufe in einem spanischen Tante-Emma-Laden ein, den wir am Weg finden, und bin schwer begeistert vom Angebot (Obst! Gemüse! Ganze Schinken!) und vom Ladenbesitzer, der fröhlich die spanischen Schlager aus dem Radio mitsingt. Inzwischen scheint die Sonne, und wir haben 15 Grad – so stellt man sich den Spanien-Urlaub im November vor (gestern waren es noch 4 Grad!)

Der Campingplatz liegt 4 km außerhalb des Ortes im Nirwana. Beim Einchecken und bei unserem ersten Restaurantbesuch merken wir, wie saublöd es doch ist, wenn man so gar kein Spanisch spricht. Ich verstehe partout nicht, was die Rezeptionistin von mir wissen will, bis sie sich schließlich mit „Wau-wau“ zu helfen weiß (die Frage war, ob wir Hunde dabei haben). Wir können uns zwar kaum verständigen, aber wir müssen beide schrecklich lachen. Der Ober im Camping-Restaurant googelt Fotos von Gerichten, um uns klarzumachen, was er anzubieten hat (ok, eine Speisekarte wäre vielleicht auch schon hilfreich gewesen, aber die hat er nicht). Aber auch hier klappt alles perfekt, und wir genießen unsere erste spanische Mahlzeit im Restaurant (Calamares).

Die Holperstraße (Schlaglöcher!!), die zum Campingplatz führt, hört kurz dahinter auf. Buchstäblich. Danach kommt noch ein Stückchen Schotterweg, der sich zum Wanderpfad wandelt, der in die Hügel führt. Es gibt wirklich nichts außer Kühen, die sogar den Wanderpfad entlang trampeln, und Adlern, die über den Hügeln kreisen. Hier beginnt ein Naturschutzgebiet, der Parque Natural Los Alcornocales (Korkeichen). Das Wandern ist hier übrigens nicht ganz so einfach. Es gibt nur einen einzigen markierten Weg – das ganze andere Gelände ist (z.T. mit Stacheldraht) eingezäunt und offensichtlich privat. Na ja, es wird noch andere Wanderwege geben.

Samstag, 27.11.

Heute eine kleine Wanderung nach Alcalá de los Gazules. Es geht der Straße entlang, aber dort fährt ja praktisch kein Auto. Alcalá thront weiß schimmernd auf einem Hügel. Die Gassen sind eng, wie nicht anders zu erwarten, Autofahren ist hier eine echte Herausforderung, vom Parken ganz zu schweigen. 

Alcalá de Los Gazules.

Es gibt heute einen kleinen Markt mit einer großen Auswahl an Winterdecken, an Kleidung, von der Kittelschürze bis zur eleganten Garderobe und natürlich an Obst und Gemüse. Es ist gar nicht so viel los, aber alle unterhalten sich lautstark und schnell, und der Lärmpegel ist beachtlich. So wie man sich Spanien eben vorstellt.

In einer Kneipe bestelle ich ein Tomatenbrötchen – denke ich jedenfalls. Statt dessen kommt ein trockenes Baguette mit einer Plastikflasche. OK – vielleicht habe ich was falsch verstanden. In der Flasche ist eine Tomatensauce, die tatsächlich extrem lecker schmeckt: wie aus frischen Tomaten selbst eingekocht.

Die Geschäfte verstecken sich hinter schmalen Türen und haben häufig nicht einmal Schaufenster. Man blickt in schmale, dunkle Räume, die oft vollgestopft sind mit Waren. Aber vielleicht ist das kühle Dunkel im heißen andalusischen Sommer das einzig Richtige.

Sonntag, 28.11.

So haben wir uns die „Winterferien“ vorgestellt: Strahlender blauer Himmel ohne auch nur ein Wölkchen! Draußen sitzen im T-Shirt, bei ca. 20 Grad in der Sonne. Wir entscheiden, dass wir nichts machen und noch einen Tag bleiben. Nach dem Frühstück gehen wir zum Kaffee in die Camping-Bar.

Montag, 29.11.

Nach einem Stopp in unserem Lieblings-Tante-Emma-Laden (Manolitos!) in Alcalá fahren wir heute nur ca. 90 km durch den Naturpark Parque Natural Los Alcornocales zur südlichsten Spitze Kontinentaleuropas, nach Tarifa. Wir wollen Surfer gucken und ein bisschen am Strand spazieren.

Man weiß ja, dass die Meerenge von Gibraltar eben das ist – eine Enge. An der engsten Stelle ist sie nur 14 km breit. Dass aber Afrika zum Greifen nah ist, das macht man sich vorher doch nicht so klar. Von unserem Stellplatz sehen wir das Atlasgebirge von Marokko und beobachten die Schiffe, die die Meerenge passieren (es sind rund 300 am Tag). Wir starten unseren Aufenthalt mit Tapas im Camping-Restaurant und genießen das Licht über dem Meer, den schönen Tag und die grandiose Aussicht.

Das Land gegenüber ist bereits Afrika

Zwischen unserem Campingplatz und Tarifa liegt eine langgestreckte Bucht mit feinstem Sandstrand – ein Eldorado für Surfer. Wir sehen Windsurfer, Kite-Surfer und eine uns völlig unbekannte Variante: Boards mit Foils und einer Art aufblasbarem Flügel, der nur mit den Händen gehalten wird. Alle Varianten fliegen wild über die Bucht, die Könner springen meterhoch aus den Wellen und fetzen nur so durchs bzw. über das Wasser. Auf einem Parkplatz sieht man, woher die Surfer kommen: aus ganz Europa. Bis aus Schweden. Es scheint hier wirklich ein Eldorado zu sein.

Die Bucht mit Tarifa im Hintergrund – Europas südlichste Stadt.
Surfer mit Wings und Surfbrett mit Foils.

Dienstag, 3

Nach einer langen Nacht (und mehreren Flaschen Rotwein) mit unserm Nachbarn Thorsten, haben wir uns heute entschieden, die ganze Woche hier zu bleiben. Der Stellplatznachbar, passionierter Surfer, kommt sei 30 (!) Jahren aus Hamburg hierher. Dieses Jahr bleibt er erstmals von November bis Februar. Und tendieren dazu, ihm zu glauben, als er sagt: „Dies ist die schönste Ecke an der spanischen Küste.“

Das Highlight am Abend

Mittwoch, 1.12

Tarifa lebt vom Wind! In der südlichsten Stadt Europas wehen praktisch ganzjährig starke Winde: der Levante aus Osten, der Wärme und gelegentlich Sand aus der Sahara mitbringt und mit Windstärken von 7-9 recht ruppig sein kann. Und der kühlere, etwas schwächere Poniente aus Westen mit Windstärken um 6. Diese ständige Verfügbarkeit von Wind hat Tarifa zu einem der drei weltweit besten Hotspots zunächst für Windsurfer, und inzwischen für Kite-Surfer werden lassen. Der Tourismus des Ortes ist weitgehend auf die Surfer ausgerichtet, die Windverrückten, wie die Spanier sie nennen.

Eine andere Einnahmequelle sind die großen Windparks, die (mit Europäischen Subventionen) auf den Hügeln hinter Tarifa errichtet wurden. Fischfang hingegen ist keine nennenswerte wirtschaftliche Größe mehr, obwohl hier immer noch roter Thunfisch gefangen wird.

Donnerstag, 2.12.

In der Nacht regnet es, und morgens ist der Himmel bewölkt. Das ändert sich aber im Laufe des Tages: Es klart immer mehr auf, die Sonne scheint, und es ist nicht ganz so windig wie an dem vergangenen Tagen. Unglaublich, dass wir am 2. Dezember tagsüber mit dünnem Pulli in der Sonne sitzen können. Unglaublich sind auch die langen Tage hier. Die Sonne geht kurz nach 8 auf und erst kurz nach 18 Uhr unter. Und dann das Licht! Nicht umsonst heißt die Küste hier „Costa de la Luz“. Es ist gleichzeitig mild und gleißend, was vielleicht auch an der Wintersonne liegt. Man kann nicht genug davon bekommen. Zusammen mit dem ständigen Meeresrauschen macht das absolut süchtig. Wir sind so glücklich, dass wir hier sein dürfen und genießen jede Minute.

Für heute haben wir uns einen Stadtbummel in Tarifa vorgenommen. Wir parken am Hafen und spazieren zunächst auf den Damm zur Insel Isla de las Palomas, die der Stadt vorgelagert ist. Die Insel selbst ist militärisches Sperrgebiet und darf deshalb nicht betreten werden. Dort werden auch die Bootsflüchtlinge, die aus dem Meer gerettet werden, in Lagern untergebracht.

Blick auf die vorgelagerte Insel mit Leuchtturm. Links das Mittelmeer, rechts der Atlantik.

Wir beobachten einen Schwimmer, der im Neoprenanzug mit unglaublicher Geschwindigkeit durch die Bucht zwischen Insel und Hafen – und zurück – krault. Wir sehen Schwimmhilfen an den Händen, und wahrscheinlich trägt er außerdem Flossen, aber er schwimmt damit fast so schnell wie wir laufen. Wir wissen nicht, wo er an Land gegangen ist; wahrscheinlich schwimmt er immer noch.

Wir laufen die Mole entlang und danach durch Tarifa.


Die Ursprünge von Tarifa sollen in phönizische Zeit zurückreichen, gesichert ist die Besiedlung durch die Römer im 1. Jahrhundert v.Chr. Geprägt wird das Bild der Altstadt bis heute durch den Einfluß der Mauren, die Tarifa im Jahr 710 eroberten und im 10. Jahrhundert die Festung am Hafen errichteten. Die Weihnachtssterne, die derzeit in den Straßen hängen, wirken ein ganz klein wenig deplatziert. Ebenso wie die sehr abstrahierten Weihnachtsbäume. Aber es ist auch in der Stadt das Licht, das jede Perspektive fast unwirklich schön erscheinen lässt.

Haben wir schon erwähnt, dass wir bis spät abends in Decken und Winterjacken gehüllt auf unserem Platz sitzen und dem Meer zuhören?

Hier noch ein paar Vorschläge zum Zeitvertreib in Tarifa:

Freitag, 3.12.

Wir grillen zum Mittagessen. Danach eine Halbtageswandrrung in die Berge im Hinterland und zu dem Windpark dort oben. Direkt hinter der Nationalstraße, die der Küste entlang führt, beginnt der „Naturpark der Korkeichen“. Der Wanderweg wird „Budda-Weg“ genannt, weil ein Scherzkeks (oder ein Erleuchteter) eine kleine Budda-Figur in eine Felsnische gestellt hat. Der Budda wird offenbar häufig besucht, wie man an den vielen Fähnchen und Opfergaben erkennen kann.

Die Windräder sind übrigens gar nicht so leise wie man denkt – sie machen durchaus Geräusche. Von oben hat man spektakuläre Ausblicke auf die Küste, auf die Straße von Gibraltar und nach Marokko.

 Samstag, 4.12.

Wir entscheiden uns, noch bis Donnerstag zu bleiben und verbringen den halben Tag unten im Restaurant, um Schiffe und Windsurfer zu beobachten.

Es gibt eine app namens „VesselFinder“, mit der man den Schiffsverkehr auf der ganzen Welt nachverfolgen kann. Die Schiffe werden nach Typen unterschieden (vom Kriegsschiff bis zum Segelboot) und genau beschrieben: Größe, Tonnage, unter welcher Flagge und wohin sie fahren. Außerdem sind Fotos hinterlegt. Wenn sich also ein Riesenpott mit einem selbst von weitem gigantischen Aufbau an Containern durch die Straße von Gibraltar schiebt, dann kann man anhand der App meistens genau feststellen, welches Schiff das ist. Beeindruckend ist jedenfalls, wieviele Schiffe ständig unterwegs sind – Tag und Nacht. 

Sonntag, 5.12.

Wir machen einen Ausflug ins benachbarte Bolonia, wo man eine Sanddüne und eine gut erhaltene römische Ausgrabungsstätte besichtigen kann. Wir merken allerdings bald, dass es eine blöde Idee war, diese Tour auf einen Sonntag zu legen. Gefühlt haben alle andalusischen Familien heute die gleiche Idee. Wir verschieben das Ganze kurzerhand auf einen Wochentag und machen statt dessen ein Picknick auf dem Hügelkamm zwischen den beiden Orten. Fasziniert beobachten wir einen Hund, der eine halbe Stunde lang versucht, in einen offenen Müllcontainer zu springen. Vergeblich – aber vielleicht besser für den Hund. Wer weiß ob er auch wieder herausgekommen wäre.

Claus setzt mich unterwegs ab, damit ich eine neue Wandertour ausprobieren kann. Der Rundwanderweg endet bei einer riesigen Düne, die sich unaufhaltsam ins Land schiebt. Auf dem Rückweg läuft man im Sand – wie am Strand, aber das Ganze im Pinienwald. Sowas habe ich noch nie gesehen. Die Pinien wachsen gewissermaßen im Sandboden.

Düne frisst Straße. So wie es aussieht, muss hier regelmäßig Sand geräumt werden.

Unterwegs bin zwar nicht ich, aber immerhin mein Handy mal kurz in Afrika:

Montag, 6.12.

Wir müssen einkaufen – es ist Ebbe im Kühlschrank. Damit ich gleichzeitig meinen Auslauf bekomme, laufe ich am Strand nach Tarifa, und Claus pflückt mich dort auf. Der Tag ist wieder wie gemalt – Wind, Sonne, Surfer. 

Ich entdecke eine neue Surf-Variante: Flight-Surfing. Hier sind die Kites größer und bestehen aus vielen mit Luft gefüllten Würsten, was ein bisschen aus wie eine Daunendecke aussieht. Die Bretter sind ganz kurz, die Foils dafür umso länger. Damit fliegen die Surfer nur so übers Wasser. Alle tragen Helme – diese Variante scheint also nur etwas für die absoluten Profis zu sein. 

Der Einkauf klappt leider nicht, weil in Spanien am 6.12. ein Feiertag ist. Gefeiert wird aber nicht Nikolaus, sondern der Tag der Spanischen Verfassung.

Läden geschlossen – es ist Feiertag.

Wieder was gelernt, aber der Kühlschrank bleibt trotzdem leer. Wir essen statt dessen bei unserem Lieblingsspanier, dem Campingwirt. Der übertrifft sich bei „Calamares“ mit einem ganzen Tier! 

Wir dachten, Calamares wären kleine runde Tiere :-

Dienstag, 7.12.

Morgen, 8.12., ist wieder ein Feiertag, und zwar Mariä Empfängnis (was nach unserer Zeitrechnung nicht so ganz stimmen kann: 8.12. Empfängnis, 24.12. Geburt??). Jedenfalls ist damit wohl heute ein Brückentag. Wir holen unseren Ausflug nach Bolonia nach, aber es ist auch heute wieder relativ voll. Egal. Nach einem Kaffee in einer Strandkneipe erklimmen wir die Wanderdüne, die sich hier in Verlängerung des sagenhaften Sandstrandes in den Pinienwald schiebt. Sie hat den Pinien buchstäblich die Luft genommen. Die Strünke ragen grotesk aus dem Sand. Die Düne ist etwa 30 Meter hoch und hat zwischendurch richtiggehende Krater. Das Ganze erinnert sehr an eine Skipiste.

Blick von der Wanderdüne aus Richtung Bolonia.
Das waren mal Pinien!

Während des Dünenausflugs haben sich die Besuchermassen im archäologischen Museum verzogen. Baleo Claudia, eine römische Kleinstadt zwischen dem 2. Jahrhundert vor bis zum 3. Jahrhundert nach Christus, ist eine kleine Sensation. Die Umgebung ist völlig unbebaut, und die Ruinen bilden eine kleine Stadt ab, die man sich gut „in Funktion“ vorstellen kann. Es gibt ein gut erhaltenes Aquädukt, das Forum mit einer Figur von Trajan, eine Ladenpassage, ein Theater und ein großzügiges und komplex aufgebautes Badehaus mit Fußbodenheizung. Baela Claudia war ein Zentrum für Fischverarbeitung: Die Römer verarbeiteten hier Fische (vor allem Thunfisch) und produzierten in großem Stil eine Würzsauce auf Fischbasis (Garum), die von hier aus in das ganze römische Reich exportiert wurde. 

Im Hintergrund Basilika.
Therme mit Fußbodenheizung.

Nach unserem Ausflug nach Bolonia holen wir den Einkauf vom Vortag nach. Im Supermarkt geht es zu wie in jedem Supermarkt vor einem Feiertag. Das Sortiment ist schon etwas dezimiert, zumindest was Obst und Gemüse angeht. Dafür werden noch vollständige Mahlzeiten angeboten:

Wir verzichten, obwohl die Kartoffeln schon sehr lecker aussehen.

Mittwoch, 8.12.

Wir beschließen, noch eine Woche in Tarifa zu bleiben. Schöner geht es einfach nicht. Der Ausflug an den eigentlich traumhaft schönen Strand von Bolonia gestern hat uns vor Augen geführt, was uns in Tarifa so besonders gut gefällt: Es ist die Kombination aus Sonne und Strand mit Wind und Surfern. Außerdem ist der Campingplatz nett und perfekt organisiert, das Hinterland bietet wunderbare Wamdermöglichkeiten, und Ausflüge in die Umgebung können wir ja auch noch machen. Also: Wir bleiben und werden von hier aus direkt wieder nach Hause fahren. 

Nachdem diese Entscheidung gefällt ist, genießen wir das Meer gleich doppelt und machen einen Strandspaziergang.

Donnerstag, 9.12.

Claus fährt mich nach Tarifa, wo ich eine Wanderung entlang der Küste nach Osten mache, also Richtung Algeciras, bzw. Gibraltar. Die Küste ist hier relativ steil, es gibt keine Strände. Die Straße von Gibraltar ist hier am engsten. Das heißt, alle durchfahrenden Schiffe und das Atlasgebirge auf der marokkanischen Seite sind zum Greifen nah.

Containerschiff vor dem Jbel Musa (851 m).
Blick auf Tarifa und Hafen von Osten.

Freitag 10.12.

Dass das Wetter auch hier nicht immer nur schön ist, zeigt sich heute. Über den Bergen ziehen dunkle Wolken auf. Es stürmt. Alles wirkt gleich ungemütlicher. Für die Wind- und Kitesurfer hingegen ist es spitze.

Samstag 11.12.

Heute wandere ich nach Tarifa und zurück – das sind 18 km Strandspaziergang. In der Stadt herrscht eine extrem entspannte Stimmung mit vielen Familien, fröhlichem Palaver und einem sehr guten Gitarrespieler. Auf dem Meer spielen die Kitesurfer Skischule: Immer dem Lehrer nach und dann der Reihe nach wenden.

Sonntag 12.12.

Wir machen einen Ausflug zu einem Leuchtturm an der Bucht gegenüber von Gibraltar: Faro de Punta Camero. Das Wetter ist traumhaft, ebenso wie die Fahrt dorthin, die uns über die Berge und danach auf ein kurviges Küstensträßchen führt. In der Bucht von Gibraltar herrscht reger Schiffsverkehr, und wir sehen Schiffe in jeder Größe, vom 7m-Motorboot bis zum Containerfrachtschiff.  In der Nähe des Leuchtturms kehren wir ein und genießen den Thunfisch und den Blick auf den Felsen von Gibraltar. 

Heute ist übrigens zum ersten Mal Ostwind. Das ist der Levante, von dem man uns schon berichtet hat. Es ist erstaunlich, was sich dadurch alles ändert. Obwohl der Wind stärker ist, sind die Wellen kleiner und kürzer (klar, sie können sich auch nicht über dem Meer aufbauen), und die marokkanische Küste ist im Dunst verschwunden. Man sieht sie erst am Abend wieder, wenn die Lichter angehen.

Montag 13.12.

Wir wollen am Mittwoch unsere Rückreise antreten. Ein Problem ergibt sich dadurch, dass wir bei der Einreise in die Schweiz einen PCR-Test vorweisen müssen, der nicht älter als 72 Stunden sein darf. Ein Test in Spanien scheidet aus, weil das Testergebnis erst nach 48 Stunden vorliegt. Nach einiger Rechnerei entscheiden wir uns, den Test in Südfrankreich direkt hinter der spanischen Grenze machen zu lassen. Die Franzosen versprechen das Ergebnis schon nach 24 Stunden – das  müsste also klappen.

Heute nur ein kurzer Spaziergang in die anderer Richtung, nach Westen. Der Ostwind ist heute nochmal stärker, und der Rückweg gegen den Wind fühlt sich an wie bergauf laufen.

Dienstag 14.12.

Unser letzter Tag in Tarifa. Wir sind schon ziemlich wehmütig, dass wir morgen abreisen. Wir fahren ein letztes Mal nach Tarifa zum Einkaufen – Lebensmittel und Mitbringsel. Ich laufe dann zurück, diesmal bei Oststurm. Es windet so stark, dass der Sand über den Strand peitscht und dass der kleine Bach, den man immer barfuß durchqueren muss, plötzlich ziemlich reißend ist. Es sind nur wenige Surfer unterwegs, aber die sind – wie ich mir später erklären lasse – Weltspitze. Ich beobachte drei Kite-Surfer, die geschätzt 10-15 Meter Höhe Sprünge machen. Es ist ein echtes Schauspiel.

Abends beschließen wir, zum Abschied im Campingrestaurant zu essen. Und wie es eben so ist – wir sitzen auf der Terrasse, sitzen mit mehreren Camperkollegen zusammen und verbringen einen extrem netten Abend bis nach Mitternacht. Alle, die wir kennenlernen, kommen schon seit Jahrzehnten auf diesen Campingplatz in Tarifa, und sie berichten vom „Tarifa-Virus“, der viele Gäste befällt. Und zwar egal ob Surfer oder (wie Barbara und Manni) sogenannte „Strandläufer“. Viele bleiben Monate, vor allem im Winter. Wir treffen eine Schweizerin, die uns auf unser TG-Kennzeichen anspricht. Sie kommt aus Bottighofen. Die Welt ist klein.

Mittwoch 15.12.

Der Abschied fällt uns richtig schwer. Wir starten gegen den Ostwind und kämpfen uns über die Berge nach Algeciras. Die ersten beiden Stunden Fahrt der Küste entlang sind anstrengend wegen des Windes. Erwartungsgemäß ist die Küste immer stärker bebaut, je weiter wir nach Osten fahren. Wir wussten es ja schon: Kein Vergleich mit Tarifa. Wo die Bebauung endet, beginnt sofort wüstenartige Ödnis. Auf Höhe Málaga biegen wir nach Norden ab Richtung Granada und fahren durch die Sierra Nevada, deren obere Bergspitzen tatsächlich schneebedeckt sind. Noch vor Granada beginnen die Olivenhaine. Genauer – Olivenberge. Bis zu unserem Übernachtungsziel in San Elena fahren wir fast 200 km durch Olivenplantagen in den Bergen der Sierra Nevada und in den Ebenen danach. Wir sehen Plantagen mit Olivensetzlingen und knorrige Olivenbäume. Alles in fein säuberlichen Monokulturen. Dazwischen wächst nur ein bisschen Gras. Echt krass das Ganze. Mal schauen, wie lange die Olivenhaine morgen  weitergehen.

Wir haben die gps-Daten des Campingplatzes ins Navi eingegeben und werden in dem kleinen Ort Santa Elena völlig in die Irre geführt (genauer: auf einen Feldweg zu einem Olivenhain). Nach einem etwas waghalsigen Wendemanöver kommen wir kurz vor Dunkelheit am Campingplatz an. Obwohl der Platz praktisch leer ist, bekommen wir einen Stellplatz zugewiesen, ca. hundert Meter vom nächsten Camper entfernt (wahrscheinlich eine Corona-Vorsichtsmaßnahme). Und plötzlich ist unser Spätsommerurlaub zu Ende. Während es tagsüber nämlich noch angenehme 16 Grad hatte, kühlt es hier abends schnell auf 3-4 Grad ab, und damit ist es aus mit dem abendlichen Draußensitzen. 

„Shining“

Donnerstag, 16.12

Heute fahren wir knapp 500 km bis an einen Badeort hinter Valencia. Die Fahrt ist abwechslungsreich – von den Ebenen der la Mancha mit endlosen Olivenfeldern und riesigen Windparks über einen kleinen Gebirgszug bis in das fruchtbare Delta von Valencia, in dem Orangenplantagen dominieren. Die Mittelmeerküste bei dem kleinen Ort Mancofa, wo wir auf einem Campingplatz landen, ist eigentlich recht häßlich. Aber egal, wir sehen immerhin das Meer und wollen ja nur übernachten.

Campingplatz mit Bauarbeiten: Der Damm wird um gut 5m erhöht.
Windpark in der La Mancha.
Strand von Mancofa.

Freitag, 17. und Samstag 18.12.

Wir machen einen Stopp in L‘Escala an der Costa Brava, um eine liebe Freundin zu besuchen. Die Küste ist hier sehr malerisch mit vielen kleinen Buchten. Die ganze Gegend lebt vom Tourismus und von Spaniern, die hier ihre Ferienwohnungen haben. Das ehemalige Fischerdorf L’Escala hat rund 11.000 Einwohner, aber im Sommer sind hier 100.000 Gäste. Wie unsere Freunde bestätigen, ist das Jahr hier zweigeteilt: Saison oder keine Saison. Jetzt sind keine Touristen hier, die Restaurants und viele Geschäfte haben geschlossen, in den Ferienhäusern und Appartementgebäuden sind die Rolläden heruntergelassen. Es ist ein bisschen tot, aber die Sonne scheint, und auf dem blauen Meer blitzen weiße Segelboote. Man kann schon verstehen, dass Leute im Süden überwintern. Sobald die Sonne scheint, ist auch die gute Laune da. 

Alle Rolläden sind unten.
Promenade von L‘Escala.

Zum Mittagessen werden wir in ein First Class-Restaurant eingeladen, das in einer kleinen Bucht direkt am Meer liegt. Das Ambiente ist einfach wunderbar, das Essen extrem fein und sehr ästhetisch angerichtet und der Service perfekt.

Ausgezeichnete Lage und ausgezeichnetes Essen
Das Hotel hat einen eigenen Strand – und wunderschönen Blick.

Wir übernachten auf einem idyllischen Campingplatz mitten in der Stadt, nur 100 m von unserer Freundin entfernt. Der Campingplatz ist ganz nah am Meer und hat auch noch einen eigenen kleinen Badesee. Wirklich ganz reizend! Leider soll er in zwei Jahren aufgelöst und an seiner Stelle ein Luxushotel gebaut werden. Die Investoren kann man verstehen, aber schade ist es trotzdem.

Sonntag, 19.12.

Heute ist ein Fahrtag. Wir nutzen den Sonntag, um mit relativ wenig LKW-Verkehr durch Frankreich zu fahren, genauer, zu unserem ersten Stellplatz in Aix-les-Bains. Die Fahrt führt uns an den Pyrenäen und am Alpenrand vorbei und ist völlig problemlos.

Schneebedeckte Pyrenäen.
Bei Sonnenuntergang sind wir in den Alpen.

Beim Stellplatz in Aix-les-Bains funktioniert das Kartenlesegerät für die Bezahlung zwar immer noch nicht (wie schon auf der Hinreise), aber inzwischen hängt wenigstens ein Zettel dran, dass man die Hotline anrufen soll.

Montag, 20.12.

Die Schweiz hat während unserer Rückreise die Einreisebestimmungen nochmal verändert: Jetzt reicht ein einfacher Antigentest sowie ein Formular, das ausgefüllt vorgelegt werden muss. Den Antigentest machen wir in Aix-les-Bains nach dem zweiten Anlauf. Die erste Apotheke hatte keine Test-Termine mehr frei, bei der zweiten klappt es.

Solcherart gut gerüstet, fahren wir also bei Genf über die Grenze und werden am Zoll tatsächlich angehalten. Doch was will die freundliche Zöllnerin von uns wissen? Will sie das Testergebnis oder das ausgefüllte und vom Schweizer Bundesamt für Gesundheit bestätigte Formular sehen? Nein will sie nicht. Sie hat wichtigere Anliegen: „Händ Sie Ware dabii?“ Als wir etwas verdutzt verneinen, hakt sie sicherheitshalber nochmal nach, ob wir vielleicht Wein oder Fleisch dabei hätten. OK! Die Prioritäten sind also klar. Der Import von Fleisch, bzw. dessen Vermeidung ist ja auch wirklich wichtiger als so ein blödes kleines Virus.

Die Fahrt verläuft unkompliziert und sogar ohne Staus. Die schneebedeckte trübe Landschaft wärmt nun nicht gerade die Seele, aber wir konnten in den vergangenen Wochen ja genügend Sonne tanken.

Grau in grau…

Auf den letzten Kilometern hinter Zürich reißt aber doch tatsächlich der Himmel auf und wir fahren bei Sonne zum See hinunter. Das ist ein schönes Ankommen nach einer ganz wunderbaren Reise.

Der erste Blick auf den Bodensee von Kreuzlingen aus. Aussentemperatur 2 Grad.

Hier unsere Route im Überblick:

Hinfahrt
Rückfahrt

Noch eine kleine Ergänzung für unsere Statistiker:
Wir sind auf der gesamten Tour 5.326 KM gefahren.
Und haben auf dieser Reise 32 mal in unserem Wohnmobil übernachtet.
Der Durchschnittsverbrauch liegt nun insgesamt bei 9,8 Litern Diesel auf 100km.
Hinzu kommt ein Verbrauch von ca. 4L AdBlue auf 1.000km.

Die beiden Lithium-Batterien waren nach 13 Tagen auf dem Campingplatz (ohne Landstrom) leer. Die Solarzellen bekamen täglich ca. nur 5 Stunden Sonne (aus einem relativ ungünstigen Winkel), aber wir haben trotzdem unsere iPhones und iPads mehrfach täglich geladen, und der Kühlschrank sowie die Innenbeleuchtung waren in Betrieb.
Nach 28 Stunden Anschluss am Landstrom hatten beide Batterien wieder je 99% Leistung.

Unsere Trocken-Trenn-Toilette reichte gut 20 Tage. Danach haben wir einen neuen Kokosziegel angesetzt – und alles war wieder parat.

E-Wohnmobile

Ja, es tut sich etwas. Da voraussichtlich 2030 das Ende der Verbrennungsmotoren ansteht, muss die Automobil-Industrie Alternativen entwickeln. Was sie derzeit im Bereich der PKWs macht, muss allmählich auch für die Nutzfahrzeuge geschehen – und damit letztlich auch für die Wohnmobile, deren Basis ja die Chassis und Motoren der „normalen“ Lieferwagen/Kastenwagen sind.

Die Hersteller müssen indirekt auch den Wohnmobil-Herstellern E-Fahrzeuge anbieten, da derzeit fast alle WoMos mit einem Dieselmotor unterwegs sind. Sonst gäbe es ab 2030 wohl auch keine konventionellen Wohnmobile mehr neu zu kaufen.

Aber es tut sich was: Nun wurden die Fiat Ducatos und Mercedes Sprinter als reine E-Fahrzeuge vorgestellt. Gedacht für die Lieferdienste und die Nutzung durch Handwerker. Diese sind eher im „Nahbereich“ unterwegs und somit würde für viele auch die (noch) begrenzte Reichweite von rund 200 KM (je nach Batterie bis 360) ausreichen (abends können die Fahrzeuge ja im Betrieb wieder aufgeladen werden und wären für den nächsten Tag wieder einsatzbereit). Der Strom kann bei den Betrieben selbst produziert werden und wäre damit kostenlos. Bei den derzeitigen Dieselpreisen armotisieren sich so auch die höheren Anschaffungskosten des E-Autos sehr schnell.

Bedeutet für uns Camper: Theoretisch besteht somit auch die Basis für E-Wohnmobile.
Die Reichweite ist hierbei sicher noch ein Hindernis, aber letztlich ist es auch eine Frage der Anzahl von Ladestationen, an denen man auf seinen Reisen vorbeikommt und „laden“ kann. Letztlich bedeutet dies sicher auch für die Camping- und Stellplätze, dass sie langfristig ihre Infrastruktur um Ladesäulen erweitern müssen.


Ein weiterer „Knackpunkt“ sind die noch sehr hohen Anschaffungskosten eines E-Fahrzeugs. Beispiel: Das Basisfahrzeug Ducato, mit Dieselmotor kostet ab EUR 30.000.-,
der E-Ducato ab rund EUR 65.000.- (abzgl. Prämie) und hinzu kommt ja dann noch die „Sonderausstattung“ und natürlich der Ausbau zum Wohnmobil. Der Basispreis eines E-Wohnmobils würde heute dann bei über EUR 90.000 liegen. Steigt allerdings die Zahl der E-Fahrzeuge, sinkt auch der Preis auf Dauer.

Hier die Links zu den Herstellern:

FIAT

Mercedes

Nord- und Süddeutschland, Sep./Okt. 2021

11.09. bis 3.10.2021

„Grand“ Tour durch Deutschland

Dienstag, 14.9. 

Nach einem Familientreffen in Köln fahren Claus und ich weiter Richtung Nordsee. Im Emsland finden wir einen Stellplatz nahe der Autobahn zwischen Emme und Haren. Es ist ein Bauernhof mit einem Bauerncafé, einem kleinen Tierpark mit gefährdeten Nutztierrassen, einer Obstplantage, einem Maislabyrinth und einem Bauerngolfplatz. Ja genau, sowas gibts auch, aber wir verzichten aufs Ausprobieren.

Der Bauernhof ist übrigens der erste Stellplatz, den wir auf der deutschen Website „Landvergnügen“ finden, auf der Landwirtschaftsbetriebe, Winzer und Landgasthöfe gelistet sind. Die Camper bezahlen eine Jahresgebühr und dürfen nach Voranmeldung kostenlos bei den Gastgebern eine Nacht verbringen. Dafür sind sie angehalten, bei den Betrieben zu konsumieren oder einzukaufen. Das machen wir sehr gerne und genießen das idyllische Bauerncafé unter alten Bäumen. Claus verzehrt mit Begeisterung selbstgemachte Reibekuchen und fühlt sich wie ’ne echte kölsche Jung.

Der Bauernhof hat vier Stellplätze auf einer Wiese, aber wir sind ganz allein mit Blick auf die Thüringer Ziegen, Hühner und Gänse. Die pure Idylle, wenn da nicht die Hochspannungsleitung direkt nebenan gewesen wäre, die permanent surrt.

Idylle mit Hochspannungsmast

Bei einer kurzen Fahrradtour Richtung Haaren fallen die unzähligen, perfekt ausgeschilderten Radwege auf, beneidenswert. Es gibt überall Bäche und Kanäle, an denen man entlangfahren kann. Mehrere Betriebe haben mit Schiffsbau zu tun: Werften, Bootsmaschinenbauer, eine Containerfertigung, usw. Man sieht schon: Emden und Papenburg sind nicht weit!

Mittwoch 15.9.

Nach dem Frühstück im Bauerncafé brechen wir Richtung Nordsee auf. Die Fahrt geht erst über die Autobahn und ab Aurich über Landstraßen. Solch schnurgerade Straßen kennen wir bisher nur aus Frankreich. Dort gibt es allerdings keine roten Backsteinhäuschen mit manikürten Vorgärten. 

Wir haben einen Campingplatz in Bensersiel ausgesucht und erwischen doch tatsächlich den letzten freien Platz. In der Nachsaison! Liegt allerdings daran, dass 3/4 des Campingplatzes gesperrt sind, weil der dahinter liegende Deich erhöht wird. Der Zugang zum Meer ist hier eigentlich überall gesperrt, bzw. nur gegen Eintritt möglich. Aber unser Campingplatz liegt hinter dem Deich und hat damit direkten Meerzugang.

Nachdem das Fischbrötchen mittags nicht geklappt hat, gehen wir abends Fisch essen. Der ganze Ort erinnert uns ein bis bisschen an Titisee: lauter Tourifallen… Wir finden ein günstiges Fischlokal in einem Hinterhof, das ganz landestypisch von einer chinesischen Familie betrieben wird. Am Nebentisch sitzt ein älteres Ehepaar, von dem ich nach wenigen aufgeschnappten Worten vermute, dass sie aus Konstanz stammen. Nach dem Essen sprechen wir sie an, und tatsächlich. Genauer gesagt, aus Wollmatingen. Die Welt ist klein!

Donnerstag 16.9.

Wir könnten einen Tag auf dem Campingplatz verlängern, müssten dafür aber den Platz wechseln. Das machen wir nicht, sondern fahren stattdessen nach Wilhelmshaven, um Schiffe zu gucken. Der Stellplatz liegt am sogenannten Südstrand auf dem Deich mit unverstelltem Blick auf den Jadebusen. Es windet, es regnet, die Sonne scheint, und wieder von vorne.

Zunächst beschäftigen wir uns ausführlich mit dem Parkschein, der hinter die Windschutzscheibe gerutscht ist und erst nach diversen Versuchen (Messer, Staubsauger, Gebläse) wieder zu retten ist.

Dann spazieren wir dem Südstrand und der Strandpromenade entlang auf der Suche nach den Schiffen. Hier gibt es allerdings nur die Fregatten eines Militärmuseums. Die großen Tanker, erfahren wir, liegen gar nicht in Wilhelmshaven, sondern 6 km außerhalb im sogenannten Ölhafen. Na ja, hätten wir mal besser recherchiert.

Dafür beeindruckt uns die Kaiser-Wilhelm-Brücke, eine Drehbrücke, die 1906 erbaut wurde. Sie steht heute unter Denkmalschutz und wurde vor einigen Jahren aufwändig restauriert. Abends genießen wir von unserem Platz in der ersten Reihe das Dunkelwerden über dem Meer.

Freitag, 17.9.

Wir sind gegen 13 Uhr in Bremen. Der dortige Stellplatz ist riesig, liegt aber trotzdem irgendwie idyllisch unter Bäumen und zwischen zwei großen Kleingartenanlagen nahe der Weser. Ein Fußweg führt zur Weser und zu einer kleinen Fähre.

Auf der anderen Seite können wir dem Fluss entlang Richtung Stadt laufen. Wir besichtigen den ältesten Stadtteil von Bremen, das sogenannte „Schnoor“-Viertel, und die Altstadt um das Bremer Rathaus. Das Wetter ist perfekt – der blaue Himmel bildet einen wunderbaren Kontrast zur roten Backsteinarchitektur.

Schnoor-Viertel in Bremen
Marktplatz in Bremen

Im hippen „Viertel“  (das einfach nur „Viertel“ heißt) essen wir bei einem Asiaten sehr knusprige Ente, sitzen vor dem Restaurant, lassen Leute und Autos an uns vorbeiziehen und lernen interessante neue Worte und Bedeutungen wie „schnorrig“ (= blöd), „wild“ (= toll) und „fühlen“ (= gut finden).

Samstag, 18.9.- Sonntag 19.9.

Nach einem Besuch in Oldenburg ziehen wir weiter, zunächst ohne konkretes Ziel. Die grobe Richtung ist Hamburg und eventuell Ostsee. Soweit kommen wir aber gar nicht, sondern finden einen Campingplatz bei Lüneburg. Wir werden erst mal überlegen, wohin wir eigentlich fahren wollen. Der platte Norden ist vielleicht doch nicht unsere bevorzugte Gegend.

Die Entscheidung fällt recht schnell und einmütig beim Abendessen: Wir fahren wieder Richtung Süden. Langsam, möglichst über Landstraßen. Endziel ist Schloß Linderhof, wo wir am letzten Wochenende verabredet sind.

Montag, 20.9.

Vom Campingplatz aus fahren wir zunächst ins Städtchen, um uns die Altstadt von Lüneburg anzuschauen. Auch Lüneburg ist eine Hansestadt (vermutet man gar nicht), wurde im 2. Weltkrieg kaum beschädigt und hat heute eine wunderbar restaurierte Altstadt mit markanten Fassadengiebeln, meist aus Backstein. Auf dem zentralen Platz „Am Sande“ reiht sich ein Schmuckstück ans andere.

Auf dem Weiterweg entdecken wir das zentrale Hochschulgebäude, das von Daniel Libeskind entworfen wurde. Unverkennbar Libeskind, das sehen sogar wir Laien. Allerdings ist es weniger berühmt geworden wegen der markanten Form des Gebäudes und seiner raffinierten Fassade aus verzinkten Blechelementen. Sondern vielmehr wegen der skandalöse Auftragsvergabe, intransparenten Finanzierung und horrenden Überschreitung der Baukosten. 

Wir fahren durch die Lüneburger Heide nach Süden und genießen die Fahrt mit wenigen Sonnenstrahlen. In einem Ort namens Ohre machen wir Pause und plaudern mit einem alten – sagt man Ohrener? – über die Kirche aus dem 12. Jahrhundert.

Die Kirche von Ohre aus dem 12. Jahrhundert.

Wir fahren an Wolfsburg vorbei und sehen nur noch VWs auf der Straße- gelegentlich mal einen Seat. Als wir aus Niedersachsen nach Sachsen-Anhalt fahren, fallen plötzlich andere Wahlplakate auf. Statt CDU und SPD dominieren hier klar AfD und Linke. 

Mit Landvergnügen finden wir unseren nächsten Stellplatz bei einem Fischer in Köthen, kurz vor Dessau. Er fischt auf der nahegelegenen Elbe Zander, Karpfen und Welse, deponiert die Fische in seinem kleinen Teich in Reusen und schlachtet sie erst auf Kundenanfrage. Die Fische werden frisch verkauft oder ganz traditionell über Buchenholzfeuer geräucherte. In seinem Fischladen kaufen wir erst mal ein: frisch gefangene und -geräucherte Fische. Klar, was es heute Abend zum Essen gibt. 

Dienstag, 21.9.

Wir fahren nach Dessau und besichtigen das Bauhaus und die sogenannten Meisterhäuser.

Beim Bauhaus beeindruckt erwartungsgemäß die konsequente formale Umsetzung der Funktion des Gebäudes, das aus drei ineinandergeschobenen Riegeln besteht. Viele Details wie Beleuchtung und Belüftung sind extrem ausgeklügelt und für die damalige Zeit bahnbrechend.

Eine temporäre Ausstellung widmet sich der Stoff- und Tapetenherstellung. Die Textildesigner(innen) entwickelten blickdichte bis transparente neue Stoffe (Gittertüll!) und experimentierten mit neuen Materialien wie Kunstseide, um die Herstellungskosten der Stoffe zu senken. Auch die Tapeten sollten die bisherige Handbemalung der Wände ersetzen und der breiten Bevölkerung kostengünstige ästhetische Lösungen anbieten. Von den Bauhaus-Männern ein klein wenig herablassend belächelt, hatten die Weberinnen um Gunta Stölzl als einzige echten wirtschaftlichen Erfolg mit dem Verkauf ihrer Produkte.

Im Keller gibt es eine Ausstellung über die „Archäologie der Moderne“, in der die Materialien und Produktionsweisen der Bauhausarchitektur gezeigt werden. Hier wird anschaulich, wie z.B. Walter Gropius die Bauprozesse bei seiner Reihenhaussiedlung Dessau-Törten extrem rationalisiert und damit verbilligt hat. So wurden z.B. die tragenden Wände aus Hohlblocksteinen errichtet, die vor Ort im Akkord aus Schlackenbeton angefertigt wurden. Die Hohlblocksteine waren so groß, dass der Bauprozess beschleunigt werden und durch die Hohlräume so leicht, dass sie von einem Arbeiter getragen werden konnten. Die ganze Siedlung mit insgesamt 312 Reihenhäusern wurde in drei Jahren errichtet, für die 20er Jahre eine Rekordzeit. Die Häuschen hatten einen raffiniert konzipierten Grundriss und jeweils ein Nutzgärtchen, in dem sich die Bewohner mit Obst und Gemüse versorgen und Kleintiere halten konnten. Zementestrich, Glasbausteine, filigrane Stahlprofile für großflächige Fenster – alles „Erfindungen“ der Bauhauszeit. Dass das Streben nach kosteneffizientem Bauen „für das Volk“ später bis zum Plattenbau pervertiert wurde, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

Bei den Meisterhäusern sind die Häuser von Walter Gropius und Moholy-Nagy nach Zerstörung als reine Hüllen neu errichtet worden und dienen heute als Ausstellungsräume.

Das Doppelhaus von Paul Klee und Wassiliy Kandinsky ist das einzige, das in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden konnte. Hier ist das Raumgefühl der ineinander geschobenen Baukuben noch spürbar. Die Räume sind ganz unterschiedlich dimensioniert – große Atelierräume, kleine Schlafzimmer, dto. die Fenster. Auch hier wurden raffinierte Details entwickelt, wie z.B. Heizkörper mit Belüftungsgittern oder zweiseitig nutzbare Wandschränke. Beide Häuser bestechen durch intensive Wand- und Deckenfarben und durch farbige Linoleumböden. Ist auch klar bei Klee und Kandinsky. Allein Kandinski hat über 170 Farben in seinem Haus verwendet – und offenbar häufig umgestrichen.

Tragischerweise wurden die Häuser nur ganz kurze Zeit von den namensgebenden „Meistern“ bewohnt, nämlich maximal drei Jahre. Danach mussten alle vor den Nazis fliehen. Das Gropius-Haus wurde im Krieg vollständig zerstört, und an seiner Stelle ein konventionelleres Haus mit Pultdach errichtet. Die anderen Häuser wurden von den Generationen, die danach in ihnen wohnten, verändert.

Wir beschließen kurzfristig, den ganzen Tag in Dessau bleiben und auch noch das Bauhausmuseum zu besuchen. Auf einer kleinen Halbinsel in der Elbe finden wir einen ganz wunderbaren Stellplatz. Das Halbinselchen bildet eine natürliche Bucht, in der ein Sportboothafen liegt. Wir stehen direkt am Wasser – vor uns der Hafen, hinter uns die Elbe. Praktisch direkt gegenüber auf der Landseite ist noch ein weiteres (neu restauriertes) Bauhausgebäude, das Kornhaus, ein Ausflugslokal mit rundem Glaspavillon. Die Elbe bildet an dieser Stelle eine Schlaufe, Knie genannt, auf der im Sommer Speedboot-Rennen gefahren.

Mit dem Fahrrad geht es zum Bauhaus-Museum, das sich dem vielfältigen Schaffen der Bauhäusler widmet, von der Weberei über Grafik, bildende Kunst, Möbelbau, Architektur, Städtebau, etc. Es sind viele Möbelprototypen zu sehen, die nicht in Serie gingen und weniger bekannt sind – vor allem von Marcel Breuer.

Mittwoch, 22.9.

Am nächsten Morgen fahren wir weiter nach Süden bis zu einem (Landvergnügen-) Stellplatz in Oberfranken nahe der tschechischen Grenze. Es ist der Hobby-Landwirtschaftsbetrieb einer Familie mit vier Kindern, diversen wunderschönen Hühnern, Ziegen, Hunden und Katzen.

Eine Idylle, in der die Kinder auf einem riesigen Grundstück und in landwirtschaftlich geprägter Umgebung frei und wild aufwachsen können. Und das sind sie auch: wild! Vor allem der mittlere Bub ist ein echter Satansbraten. Die Kinder nötigen mich zum Maisklauen, wobei sie erst behaupten, sie dürften das, und später gestehen, dass das Ärger gebe (wir vereinbaren Stillschweigen), erklären Claus, wie man mit Maiskörnern an einem Faden fischt (ohne Resultat, aber das ist auch gut so, weil Fischen auch Ärger geben würde) und erklären uns kurz darauf, dass ihre Eltern und die Oma weggefahren, weil ja jetzt Erwachsene zum Aufpassen da seien.

Wir treffen ein anderes Camper-Pärchen, das am Wochenende zuvor geheiratet hat und auf Flitterwochen ist. In der Abendsonne trinken wir ein Bier, das uns eines der Kinder fachgerecht zapft. Die Familie bietet nämlich nicht nur frische Eier und Wurst aus eigener Herstellung an, sondern hat auf dem Hof noch einen Profi-Bierwagen stehen, an dem Familie, Freunde und Camper versorgt werden können. Dank Landvergnügen ist man ja zum Konsumieren aufgefordert, und dem gehen wir sehr gerne nach.

Abends noch eine Schrecksekunde, weil wir bemerken, dass unsere Gasflasche leer ist. Vor lauter Panik befürchten wir nicht nur kalte Küche und kaltes Wasser, sondern auch keine Heizung. Letzteres stimmt ja nicht, weil wir eine Dieselheizung haben, aber in der Panik… Die frisch Vermählten helfen uns netterweise mit einer Ersatz-Gasflasche aus. Bei einer Flasche Wein lassen wir den Abend bei den Flitternden ausklingen und erfahren viel über Hundeerziehung, Pferde und Reiten. Außerdem empfehlen sie uns einen Stellplatz im Bayerischen Wald, den wir als Nächstes anfahren wollen.

Donnerstag, 23.9. bis Montag 27.9,

Sonne! Das erste Mal in diesem Urlaub können wir in der Sonne draußen frühstücken, ein ganz, ganz anderes Lebensgefühl! 

Wir verabschieden uns von den Hochzeitern und stellen uns der wichtigsten Aufgabe, dem Kauf einer neuen Gasflasche. Näheres dazu unter:

Strom, Wasser, Diesel und Gas im WoMo

In Kollnburg im Bayerischen Wald sind wir wieder bei einer Landvergnügen-Adresse und werden herzlich empfangen von Franz und Maria, die einen Bio-Milchbetrieb mit 30 Milchkühen bewirtschaften. Maria hat einen kleinen Hofladen, in dem sie Rohmilch (schon mal probiert? Hat mit gekaufter Milch nichts zu tun!) selbstgemachtes Eis (das beste, das wir je gegessen haben), Eier, sowie Fleisch „vom Metzgereifachbetrieb unseres Vertrauens“ verkauft. Wir nehmen von allem und lassen uns den Weg zum Stellplatz beschreiben. Der ist nämlich gar nicht beim Hof, sondern auf einem verlassenen Anwesen am Waldrand. Auße 8 Jungkühen, die hier weiden, ist hier nichts und niemand. Es gibt einen geschotterten Stellplatz, einen Brunnen mit Trinkwasser, Strom und eine Feuerstelle. In der Nähe rauscht ein Bach, die Wanderwege beginnen am Haus.

Ein traumhafter Stellplatz!!

Was soll ich sagen: Für uns ist es das Paradies! Wir sind beide völlig im Glück. Franz kommt mehrmals auf einen Schwatz vorbei, meist begleitet von einem seiner vier Kinder. Der Älteste hat gerade eine Lehre als Landwirtschaftsmaschinenmechatroniker begonnen und erklärt uns, dass Fendt-Traktoren die einzig wahren Landmaschinen seien (nix John Deere). Die 13jährige Tochter kennt nach Aussage ihres Vaters alle Kühe samt Eltern und Großeltern und kann bereits selbständig melken. 

Wir lernen, dass eine Bio-Kuh 10 bis 12 Jahre lebt und jährlich 5500 bis 6000 l Milch gibt, die für 50 Cent pro Liter verkauft wird, und dass sie im Laufe ihres Lebens etwa 8 Kälber trägt. Im Gegensatz dazu wird eine Milchkuh in traditioneller Landwirtschaft nur 4 bis 4 1/2 Jahre alt, weil sie so auf Hochleistung getrimmt wird, dass sie bis zu 12000 l Milch im Jahr gibt (35 Cent pro Liter), zwei Kälber gebiert und danach „fertig“ ist. Arme Kühe. Wenn man das hört, mag man keine normale Milch mehr kaufen. Die Aufzucht der Jungkühe dauert 2 Jahre. In der Zeit tragen sie ein Kalb, geben aber noch keine Milch, kosten also Geld. Gerne würden wir eine genauere Rechnung aufstellen, aber dazu müssten wir wissen, wieviel Kosten pro Kuh jährlich für Futter und Wasser anfallen. Franz jedenfalls bestätigt unsere überschlägige Kalkulation und erklärt, dass man von Biolandwirtschaft durchaus gut leben könne. Voraussetzung dafür ist allerdings genügend Land, um das eigene Futter und Stroh zu produzieren und um die Jungkühe weiden zu lassen. Mehrkosten entstehen durch die Weidezäune, aber Franz ist Elektriker und hat Spaß am Zaunbauen. Dafür hat er nur noch ein Viertel der Kosten für Tierarzt und Medikamente im Vergleich zu konventioneller Landwirtschaft, weil die Tiere immer draußen und topfit sind.

Während die Biolandwirtschaft offiziell von Maria betrieben wird, arbeitet Franz zusätzlich im eigenen Wald. Die Bäume müssen ständig beobachtet und auf Borkenkäferbefall kontrolliert werden. Hat „der Käfer“ den Baum erwischt, muss dieser so schnell wie möglich gefällt werden, um weiterem Schaden vorzubeugen, was mitunter ein Wettlauf gegen die Zeit ist. Da 70 Jahre zuvor hier in der Gegend vorwiegend Fichtenwälder gepflanzt wurden, sind die Wälder besonders anfällig. Wir fragen, welche Baumarten Franz neu anpflanzt, um die Fichten zu ersetzen und sind erstaunt zu hören, dass er gar nichts tut. Stattdessen überlässt er den Wald sich selbst und wartet ab, was von selbst wächst. Das klingt doch nach einem Paradigmenwechsel gegenüber den Altvorderen.

Auch die bayerische Forstverwaltung ist derzeit am Fällen von Bäumen, was ich überall im Wald hören kann. Es wird dabei eine Maschine eingesetzt, die mich stark an Transformers erinnert. Ein hochtechnisierten Kraftpaket mit 8 Traktorrädern, vier vorne, vier hinten, vorne zusätzlich mit Ketten wie bei einem Panzer. Damit kommt das Monster überall durch, was man an tiefen Furchen erkennen kann, die durch den Wald gepflügt werden. Der kranartige Greifarm hat eine Kettensäge und Krallen, mit denen der Baum in einem Arbeitsgang gefällt und abtransportiert werden kann. Franz erklärt mir, dass man mit so einer Maschine in 50 Sekunden einen Baum fällen, entasten und in gleich lange Stücke sägen kann, wofür er im besten Fall 20 Minuten braucht (was mit auch schon schnell vorkommt). Dass die Monstermaschine (die übrigens Harvester heißt) von John Deere und nicht von Fendt ist, ist natürlich ein kleiner Rückschlag für die Begeisterung. https://www.youtube.com/watch?v=tugQstNcUvw

Am Samstag fahren wir zum Einkaufen. Wir haben Glück, weil Maria ihren Back-Tag hat. Einmal pro Monat bäckt sie 60 Laibe Roggenbrot im Steinbackofen. Wir kommen gerade rechtzeitig, als sie mit roten Backen die Laibe aus dem Ofen holt. Das frische Brot duftet das Womo voll, und wir können es kaum erwarten. Sie schenkt uns außerdem einen sogenannten Sengzelten – die bayerische Version des Dinnele. Sie bäckt die Fladen aus Teigresten, bevor die Brote selbst in den Ofen wandern.

Es ist auffällig, wie viele Neophyten es in dieser Gegend gibt. Neophyten sind eigentlich nur Pflanzen aus anderen Ländern. Zum Teil wurden sie als Nutzpflanzen (Kartoffeln, Tomaten, Mais u.a.) oder als Zierpflanzen importiert. Manche Sorten werden versehentlich eingeschleppt, und einige wenige davon vermehren sich invasiv und verdrängen heimische Pflanzarten. Am auffälligsten im Bayerischen Wald ist das Indische Springkraut, das sehr hübsche rosafarbene Blüten hat, einen intensiven süßlichen Duft verströmt und offenbar besonders süßen Nektar hat. Es wird deshalb bevorzugt von Insekten angeflogen und bestäubt. Die Samenkapseln „explodieren“ bei der kleinsten Berührung und schleudern die Samen bis zu 6 m weit – deshalb der Name. In der Schweiz werden Neophytin wie das Springkraut aktiv bekämpft – hier scheint man den Kampf aufgegeben zu haben. Es gibt ganze Felder mit den rosafarbenen Blüten – die Invasion ist längst im Gange.

Abends regnet es. Zum ersten Mal können wir nicht – wie an den Abenden zuvor – unser eigenes Lagerfeuer machen und an der Feuerstelle sitzen. Stattdessen verfolgen wir das Ergebnis der Bundestagswahl auf unseren Handys.

Montag, 27.9.

Wir müssen Grauwasser entsorgen und Wäsche waschen. Schweren Herzens verlassen wir unseren Lieblingsstellplatz, um einen Campingplatz anzusteuern. Bevor wir losfahren, kommt Franz netterweise nochmal vorbei, um sich zu verabschieden. Das endet in einem 1 1/2-stündigen Schwatz über Gott und die Welt, über Landwirtschaft nach dem Mondkalender und über nette und weniger nette Camper. Franz imponiert uns mit seinen Weisheiten („Wir besitzen nichts, wir haben nur das Recht auf Bewirtschaftung“) und mit seiner gelebten Vorstellung von Work-Life-Balance. Er arbeitet viel, aber er nimmt sich auch Zeit für Gespräche wie die mit uns. 

Kollnburg ist im „hinteren Wald“. Wir fahren südlich nach Bernried im „vorderen Wald“. Obwohl der Ort nur ca. 25 km entfernt liegt, ist es hier doch ganz anders. Das Dorf liegt am Südhang des Hirschsteins, auf den ich am Samstag von Norden aus gelaufen bin. Hier ist es offener, lichter, und man hat schönere Ausblicke. Wir landen auf einem kleinen Campingplatz mit sehr netter Betreiberin, der von (derzeit nicht anwesenden) Dauercampern geprägt ist. Jeder Dauercamper hat sich hier sein eigenes kleines Idyll gebastelt – oder das, was er dafür hält.  My campsite is my castle… hier kann jedermann und -frau buchstäblich nach seiner/ihrer eigenen Fasson glücklich werden. 

Die Sonne kommt raus, gleichzeitig brauen sich dunkle Wolken über den Bergen zusammen. Ich mache noch eine kleine Wanderung, werde ein bisschen nass, während gleichzeitig die Sonne scheint, und genieße wunderbare Ausblicke. Claus kümmert sich derweil zusammen mit der Betreiberin um unsere Wäsche.

Dienstag, 28.9.

Wir wachen bei dichtem Nebel auf und geben den ganzen Tag die Hoffnung nicht auf, dass er sich verzieht. Tut er aber nicht – es bleibt stark bewölkt und neblig in den Bergen. Nix mit Wanderung also. Wir waschen, plaudern, lesen, schreiben – und ich drehe am späten Nachmittag noch eine Runde. 

Mittwoch, 29.9.

Wir fahren Richtung Alpen. Die Idee ist, dass wir in einem Rutsch um München herum nach Oberammergau fahren und dort bis zum Linderhof-Wochenende bleiben.

Vor der Abfahrt lassen wir das Grauwasser ab – und riechen faule Eier. Na ja, auch das eine neue Erfahrung: Der Abwassertank kann stinken. Wir beschließen einen Umweg zu fahren, um in einem Campingladen ein Anti-Stink-Mittelchen zu erstehen. Es ist wie immer, die Fahrt dauert ewig, weil alles länger dauert als gedacht und wir uns natürlich einmal verfahren. Gegen 17 Uhr sind wir in Oberammergau auf dem Campingplatz. Es ist kalt! Meine Güte, wir haben doch erst Ende September. Wir haben keine Lust zu kochen, laufen zum nächstgelegenen Lokal, trinken ein Bier und essen Schnipo (Claus) und eine Schweinshaxe (ich). Heute ist definitiv kein Vegi-Tag. Claus harrt noch vor dem Womo aus, bevor er als Eiszapfen ins Bett kommt (Stichwort: Eisknie)

Donnerstag, 30.9.   

Es ist auch morgens richtig kalt. Und der Himmel bewölkt. Nach Frühstück und Aufräumen laufen wir ins Dorf. 

Oberammergau ist natürlich vor allem berühmt für die Passionsspiele, die auf einen Schwur der Gemeinde von 1633 zurückgehen. Als das Dorf mitten im 30jährigen Krieg auch noch von der Pest heimgesucht wurde, gelobten die Einwohner, alle 10 Jahre das Leben und Leiden Christi aufzuführen, wenn kein Bewohner mehr an der Pest sterben würde. Der Überlieferung nach scheint das geklappt zu haben. Bereits im 19. Jahrhundert zogen die Spiele immer mehr Besucher aus allen Teilen Deutschlands an und wurden schließlich zu einem der frühen touristischen Ziele in Bayern. So übernahm der Reiseveranstalter Thomas Cook die Passionsspiele in sein Programm auf.

Auch heute werden die Passionsspiele von Oberammergauern aufgeführt. 2000 Mitwirkende – Schauspieler, Chorsänger, Orchestermusiker, Feuerwehrleute, Platzanweiser – bringen das Mammutschauspiel auf die Bühne. Halb Oberammergau ist beteiligt.
Das Passionsspiel beginnt mit dem Einzug in Jerusalem und erzählt die Passionsgeschichte über das Abendmahl hin bis zur Kreuzigung und Auferstehung. Jeder Szene ist ein Auftritt des Chores mit einem lebenden Bild (Tableau vivant – Darstellung von Gemälden durch lebende Personen) vorangestellt, das Szenen aus dem Alten Testament darstellt. Die nächsten Passionsspiele sind von Mai bis Oktober 2022 und werfen bereits jetzt ihren Schatten voraus.

Während das Dorf während „der Passion“ im Ausnahmezustand ist, ruht es während unseres Besuchs im frühherbstlichen Schlaf. Der Ort ist so, wie man sich bayerische Alpenorte vorstellt: Lüftlmalereien an stattlichen Häusern, Kirche mit Zwiebelturm, einschlägige touristische Etablissements zum Verkauf von Schnitzereien, Devotionalien und Dirndln. Als wir auf einem Platz einen Kaffee trinken, kommt die Sonne raus. Die Temperatur steigt sofort ins Angenehme, die Lüftlmalereien sehen plötzlich sehr anheimelig aus, die allgemeine Laune steigt spürbar.

Für eine größere Wanderung ist es schon zu spät, deshalb gibt es nur eine kleine Runde zum Kloster Ettal. In dem Benediktinerkloster leben immer noch etwa 50 Mönche, die sich dem Brauen von Klosterlikeur, dem Anbau vielfältiger Kräuter und vor allem der Lehre widmen. Kloster Ettal ist ein bekanntes katholisches Internat und Gymnasium. Die Ettaler Basilika beeindruckt durch ihre kreisrunde Form und einen gigantischen Kronleuchter in der Mitte.

Freitag, 1.10.

Nach einer kalten Nacht scheint gleich morgens die Sonne. Sobald sie über den Berg wandert, wird es warm und angenehm. Wir machen einen neuerlichen Spaziergang nach Oberammergau und entdecken einen hübschen Fußweg entlang der Ammer. Bei stahlblauem Himmel und Sonnenschein wirken die bunt bemalten Häuser noch eindrücklicher. 

Ich mache noch eine kleine, aber steile Wanderung über die sogenannte Kreuzigungsgruppe zur Kolbensattelhütte.

Die Kreuzigungsgruppe aus Marmor hat Ludwig II. der Gemeinde Oberammergau gespendet, nachdem er 1871 von einer Privatvorführung (!) der Passionsspiele tief berührt war. Er ließ die Skulptur in München anfertigen, suchte den geeigneten Standort in Oberammergau aus und ließ die tonnenschweren Teile (allein die Figur Jesus am Kreuz wiegt 600 Zentner) 1875 nach einem komplizierten Transport aufstellen. Die Figurengruppe war damals das größte Steindenkmal der Welt. Ludwig besuchte übrigens in den darauffolgenden Jahren die Kreuzigungsgruppe regelmäßig zu einer privaten Andacht, bis er von zu vielen Schaulustigen vertrieben wurde. 

Auf der Kolbensattelhütte gibt es nach rund 500 Höhenmetern nicht nur einen Kaffee und Apfelstrudel, sondern auch eine Seilbahn, die ich kurzerhand nach unten nehme.

Samstag, 2.10.

Wir fahren nach Murnau am Staffelsee. Die Sonne scheint, die Fußgängerzone ist ganz reizend und bietet phantastische Blicke in Richtung Alpen, die von dieser Perspektive aus von den Expressionisten die „blauen Berge“ genannt wurden. Wir besichtigen das sogenannte Münter-Haus am Ortsrand.

Blumendrondell im Garten des Münterhauses mit Blick auf Murnau.

Die Malerin Gabriele Münter kaufte das Haus 1909 und lebte darin mit ihrem damaligen Lebensgefährten Wassily Kandinsky bis zum Ausbruch des ersten Weltkriegs 1914. Es waren produktive Jahre für beide. Münter und Kandinsky entwickelten in diesen Jahren ihre jeweiligen künstlerischen Stile entscheidend weiter, und Kandinsky gründete zusammen mit Franz Marc 1912 die Künstlervereinigung Blauer Reiter. Münter und Kandisky arbeiteten aber auch intensiv im Garten, legten ein Rondell mit Blumen und Nutzpflanzen an, bemalten Möbel und Treppengländer und erkundeten die bäuerliche Kunst der Hinterglasmalerei. Das Haus zeigt heute (wieder) die Atmosphäre der Zeit vor dem ersten Weltkrieg und bietet einen einzigartigen Rahmen, um die Kunst vor allem von Gabriele Münter verstehen zu können.

Interessanterweise ist es das zweite Dominzil von Kandinsky, das wir auf dieser Reise stilistische Welten – auch wenn er seine Freude an Farben in beiden auslebte.

Die Beziehung zwischen Münter und Kandinsky endete unschön und mit langjährigem Rechtsstreit. Münter lebte danach viele Jahre im Ausland und in verschiedenen deutschen Städten, bevor sie 1931 wieder in das Haus in Murnau zog. Sie hatte den Großteil der Werke Kandinskys aus ihrer gemeinsamen Zeit zugesprochen bekommen und versteckte diese im Keller ihres Hauses in Murnau vor den Nationalsozialisten. Erst Ende der 50er Jahre zeigte sie dem damaligen Leiter des Münchner Lenbachhauses die Schätze in ihrem „Millionenkeller“ und vermachte sie später dem Lenbachhaus.

Sonntag, 3.10.

Der Sonntag ist dem Besuch von Schloss Linderhof gewidmet, das weit hinten in einem Tal im Ammergebirge liegt. Das Schloss wurde von König Ludwig II als privater Rückzugsort erbaut und war sein Lieblingsschloss.

Im Grunde war König Ludwig II von Bayern eine tragische Figur. Durch den frühen Tod des Vaters kam er bereits mit 18 Jahren auf den Thron, musste aber kurz darauf nach einem verlorenen Krieg einen Teil seiner Souveränität an Preußen abgeben. Der Machtverlust frustrierte ihn so sehr, dass er die Lust am Regieren verlor und sich immer mehr in seine privaten Gegenwelten flüchtete. Mit immensem finanziellem Aufwand erbaute er sich seine Träume: Schloss Neuschwanstein, in dem er sich als König des Mittelalters fühlte, und die Schlösser Linderhof und Herrenchiemsee, in denen er als absolutistischer Herrscher leben konnte. Seine Aufgaben in der Residenzstadt München wurden derweil von seinen Ministern und von seinem Cousin, dem Prinzregenten Luitpold, übernommen.

Schloss Linderhof war Ludwigs persönlichster und privatester Rückzugsort. Das Schloss selbst ist als „Königliche Villa“ und barockes Lustschlösschen konzipiert (also eigentlich recht klein) und hat im Inneren und Äußeren zahlreiche Bezüge zu Versailles und den absolutistischen Königen von Frankreich. Bereits im Vestibül wird man von einem Reiterstandbild Ludwigs XIV. empfangen. Die goldüberladene Pracht mit aufwändigen Schnitzereien, Stuckarbeiten, gigantischen Kronleuchtern und kostbarsten Porzellanvasen in den Privaträumen ist absolut atemberaubend. Tagsüber schlief Ludwig, nachts war er wach und bemühte sich, niemanden sehen zu müssen. Die Diener mussten in „Kabinetten“ zwischen den eigentlichen Wohnräumen ausharren, bis er sie brauchte. Um ungestört speisen zu können, ließ er sich ein sogenanntes „Tischlein-deck-Dich“ einbauen: Der Esstisch konnte nach unten gekurbelt und fertig gedeckt wieder nach oben gefahren werden. 

Wirklich beeindruckend ist die Lage dieses Schlösschens in einem weitläufigen Park mitten in den Bergen. Der Park direkt vor und hinter dem Schloss ist als barockisierende Gartenanlage konzipiert, mit Wasserbecken, Springbrunnen und einem achsial angelegten Terrassengarten.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist IMG_2188-768x1024.jpg

Der Rest des Parks ist nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten strukturiert und hat mehrere „Ausflugsziele“ – Bauwerke, die ganz eigene Phantasieorte darstellen.

Das Marokkanische Haus und der Maurische Kiosk waren beides Ausstellungspavillons auf der Weltausstellung in Paris. Ludwig kaufte sie, ließ sie im Park von Linderhof aufstellen und im Inneren prunkvoll ausstaffieren. Ludwigs Vorliebe für Kulturen des Orients teilte er übrigens mit vielen seiner Zeitgenossen.

Ein Kontrastprogramm zu den beiden prachtvollen orientalischen Gebäuden sind die „Hundighütte“ und die „Einsiedelei des Gurnemanz“ im altgermanischen Stil. Die Hundinghütte wurde nach den Angaben Richard Wagners zum Schauplatz des ersten Aufzugs der „Walküre“ errichtet. Sie zitiert also ein Bühnenbild Wagners, einen roh gezimmerten Wohnraum mit einer Esche, Bärenfellen und Geweihlüstern. Die Einsiedelei des Gurnemanz geht auf ein Bühnenbild im Parsival zurück.

Das technisch anspruchsvollste und interessanteste „Gebäude“ ist die sogenannte Venusgrotte, die Ludwig einerseits nach dem Bühnenbild aus Tannhäuser gestalten ließ, die aber gleichzeitig der Blauen Grotte von Capri nachempfunden ist. Für die künstliche Grotte mit 90 m Länge und 14 m Höhe wurde ein Bauplatz in den Fels gesprengt und darüber eine riesige Halle aus Ziegeln mit Pfeilern und Gewölben errichtet. Unterhalb des Gewölbes montierte man eine Netzkonstruktion aus verschieden starken Eisengeflechten und -Stäben, an der Sackleinen angebracht wurde, das mit einem Zementgemisch beworfen oder übergossen wurde. Mit diesem Verfahren wurde die künstliche Grotte mit Stalaktiten und Stalagmiten gestaltet. Von oben wurde die Halle mit Erde bedeckt und bepflanzt, so dass sie von außen nicht mehr zu erkennen war. Die Eingangstür wurde mit künstlichen Felsen verkleidet.

In der Grotte war ein künstlicher See. Sieben versteckte Kachelöfen heizten die Grotte auf 20 Grad Raumtemperatur, der See konnte mit einer Heizungsanlage bis auf 35 Grad erwärmt werden, damit der König darin baden konnte. Der Holzbedarf für beides war immens. Eine Wellenmaschine bewegte das Wasser, es gab einen künstlichen Wasserfall und eine Nebelmaschine. Eine technische Meisterleistung – und die erste ihrer Art in Bayern überhaupt – war die Beleuchtung der Grotte, die der König 1881 elektrisch umrüsten ließ. In einem Maschinenhaus oberhalb der Grotte produzierte eine Dampfmaschine mit 12 Dynamos elektrischen Strom. Kohlebogenlampen erhellten die Grotte, und bunte Glasaufsätze tauchten sie in unterschiedliche Farben. In einem Kahn konnte sich der König über den See fahren lassen und auf der gegenüberliegenden Seite auf dem „Loreleyfelsen“, dem Kristallthron, Platz nehmen und die Grotte in unterschiedlichen Lichtstimmungen auf sich wirken lassen.

Die Konstruktion der Venusgrotte war von Anfang an problematisch, weil sie nicht vollständig abgedichtet werden konnte und immer wieder von oben Wasser eintrat. Seit 2015 wird sie komplett saniert und soll 2024 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Das Mobiliar der Grotte wird ebenfalls restauriert.

Der Besuch auf Schloss Linderhof – und die fachkundige Führung durch eine Freundin – sind der krönende Abschluss unserer Reise durch Deutschland. Nach einer kleinen Stärkung am Ende unserer Besichtigung fahren wir Richtung Bodensee. Wir können das Ammertal weiterfahren, queren ein Stückchen Tirol und kommen über Füssen, Lindau und Bregenz wieder nach Hause.

Wie wir zum Campen gekommen sind

Weder Jeannine noch ich hätten uns vor rund 7 Jahren vorstellen können, dass wir jemals zu Campern werden würden.

Wie es dann doch dazu kam?
Nun, als wir uns kennenlernten, gingen wir zunächst unter die Segler. Jeannine war quasi auf einem Boot „aufgewachsen“ (;-)) und ich hatte einige Jahre davor das Segeln und Regattieren für mich entdeckt.

Was lag also näher, als sich ein gemeinsames Boot anzuschaffen? Gesagt, getan.

Unser Internationales Folkeboot. JG 1962, Rumpf Mahagoni, Deck Teak.

In den folgenden Jahren verbrachten wir unsere gesamten Sommer- und Herbstferien auf unserem Folkeboot auf dem Bodensee.
Der grosse Nachteil: Der Urlaub war „knapp“ und der Wettergott nicht immer wohlwollend. So kam es, dass wir manche Ferienwoche im Regen auf dem Boot verbrachten, was die Stimmung nicht unbedingt steigen liess.


Was gab es für Alternativen?
Wir wollten beide keine Flug-/Fernreisen machen, mögen beide keine Hotels und Buffets und wollten weiterhin „unabhängige“ Ferien machen.
Bei einem der verregneten Urlaube beschlossen wir kurzfristig, uns ein Wohnmobil zu mieten, um dem schlechten Wetter am Bodensee zu entfliehen.
Und? Wir waren sofort begeistert. Im Gegensatz zum Boot waren wir plötzlich flexibel und konnten dem guten Wetter nachfahren. Außerdem hatten wir Stehhöhe, einen Kühlschrank, ein WC und weitere Annehmlichkeiten.
Nach dem ersten Teilintegrierten mieteten wir zwei Kastenwagen. Diese kompakten Fahrzeuge begeisterten uns. Und der Platz schien uns absolut ausreichend. Die ersten drei Reisen führten uns nach Österreich, Deutschland und Frankreich.

Aber recht bald tat sich ein Problem auf: Die Verfügbarkeit der Mietfahrzeuge! Ohne Reservierung ca. 3-6 Monate vor dem Reisetermin ging nichts. Und dann auch nicht unbedingt für die gewünschte Dauer.

War es das mit dem Campen?
Zum Glück nicht. Nach der Abgabe des letzten gemieteten WoMos, schlederten wir über den riesigen Platz der Firma, die Fahrzeuge verkauft und verleiht. Und da: Ein traumhafter WohnWAGEN. Er war sofort verfügbar. Ein Klassiker (Hymer Eriba Troll 530, Design aus 1958). Unserer!

in Südfrankreich. Links unser Troll, rechts der einer Freundin

Nachdem wir solche Kleinigkeiten wie eine Anhängerkupplung am Pkw installiert hatten, konnten wir ihn abholen und VERREISEN.
Dies taten wir dann 6 Jahre, jeweils rund 6 Wochen pro Jahr. Meist nach Frankreich.
Und wir liebten es. Wurde das Wetter schlecht – fuhren wir weiter. Gefiel uns ein Platz nicht – wechselten wir die Location.

Dann jedoch kam Corona und die Reisebedingungen änderten sich: Viele Campingplätze hatten komplett geschlossen und wenn sie geöffnet waren, hätte man ja die öffentlichen Duschen, Waschhäuser usw. nutzen müssen. Dies wollten wir nicht.
Dann die Überlegung, wie wir denn autark sein könnten? Mit eigener Strom- und Wasserversorgung, mit eigenem WC usw. Ein Kastenwagen muss her!
Wir recherchierten und recherchierten – und wurden fündig: Ein Tourne Kastenwagen.

hier kurz vor der Abholung. Noch müssen ein paar Ein-/Umbauten gemacht werden.

Alle weiteren Daten und Erfahrungen (nach gut 6 Monaten) zum Tourne findet ihr unter einem separaten Punkt.

So sind wir dann doch Camper geworden (bzw. geblieben) und bereuen es nicht.
Wir nutzen unser WoMo so häufig es irgendwie geht (auch mal für nur eine Übernachtung bei Freunden u.ä.) und geniessen jeden Camping-Tag.

Ein Kastenwagen: Für uns die absolut richtige Entscheidung!
Wir freuen uns auf die nächsten Reisen und werden darüber hier berichten.

Kristallthron aus der Venusgrotte

Ergänzung zu unserem Besuch auf Schloß Linderhof

Zwei Wochen nach unserer letzten Tourne-Tour konnte ich meine Patentochter Veronika in den Werkstätten der Bayerischen Schlösserverwaltung besuchen und „ihren“ Thron besichtigen. Zur Erinnerung: Sie hatte Ihre Masterarbeit als Restauratorin über ein Konzept zur Sicherung und Rekonstruktion des Kristallthrons aus der Venusgrotte von Schloß Linderhof geschrieben. Die Bayerische Schlösserverwaltung hatte sie im Anschluss damit beauftragt, einerseits den Thron zu sichern und gleichzeitig den Bau einer Rekonstruktion zu leiten. Während das Original möglicherweise in einem Depot verschwinden wird, soll die Replik in der restaurierten Grotte aufgestellt werden.

Kristallthron im Originalzustand vor der Restaurierung, fotografiert in der Venusgrotte.

Der Originalzustand des „Throns“ war nach den Erzählungen vollkommen desolat. Oder anders ausgedrückt: Es war ein Schrotthaufen. Wie Veronika schilderte, war die Sockelplatte vollständig vermodert, weshalb das ganze Gebilde völlig instabil war. Allein der knifflige Transport aus der Grotte war offensichtlich eine nervenaufreibende Aktion, und die Sicherung der Sockelplatte extrem zeitaufwändig, obwohl man davon heute gar nicht sieht. Zudem lagen um das Objekt herum hunderte zerbrochener Einzelteile, die wie ein gigantisches Puzzle zugeordnet werden mussten. 

Veronikas Rekonstruktion des Throns als Skizze.: links die Kristalle, hinten der Kronleuchter mit Rohrkolben.

Der Kristallthron besteht aus einer hölzernen Bank, hinter der 80 mundgeblasene und handgeschliffene Kristalle in unterschiedlichen Größen montiert waren, die von unten elektrisch beleuchtet werden konnten. Vorne rechts und links waren große, aus Lindenholz geschnitzte Muscheln angebracht. Aus alten Rechnungen und Skizzen leitete Veronika ab, dass der rote Stumpf an der rechten Seite des Sitzes ein riesiger Kronleuchter in Korallenform gewesen sein musste. Vor dem Kronleuchter gab es ein Feld mit handgeschnitzten Rohrkolben.

Das fertig restaurierte Original.

Das ganze Teil ist genaugenommen von beeindruckender Scheußlichkeit (sorry, Vroni). Aber es ist ein ebenso beeindruckendes Beispiel dafür, mit welch aufwändigen Mitteln Ludwig II, der sich ja um jedes Detail kümmerte, seine Visionen und Traumwelten umsetzen ließ. Der Kristallthron war nicht für die Ewigkeit gebaut worden, sondern Theater-Kulissentechnik, und wurde wohl auch von einem Bühnenbildner des Staatstheaters entworfen. Der Thron musste vor allem aus der Ferne seine Wirkung entfalten, und manche Details wurden deshalb einfach kaschiert, z.B. mit ganz banalen Topfpflanzen. In seiner Komplexität ist der Kristallthron jedoch ein Meisterwerk. Schnitzereien, eine komplizierte Metallkonstruktion, die Kristalle und vor allem die für ihre Zeit bahnbrechende Beleuchtungstechnik machen den Thron zu einem einzigartigen Exemplar der Kunst- und Technikgeschichte.

Die Replik des Throns. In der Metallkonstruktion sollen die Kristalle fixiert werden.

Der Orginalthron aus der Venusgrotte ist gesichert, Veronikas Arbeit damit abgeschlossen. Die Replik ist ebenfalls fast fertig, aber noch nicht alle Teile montiert (z.B. die Kristalle). Ab 2024, wenn die Venusgrotte wieder geöffnet ist, kann der Thron besichtigt werden. Wir haben uns jetzt schon mit Veronika zu einer nächsten Führung verabredet. 

Übrigens hat der Bayerische Rundfunk eine sehenswerte Dokumentation über die Restaurierung des Kristallthrons gedreht:

https://www.youtube.com/watch?v=vq5GvgtxY7k

Grand Tour of Switzerland, 1. Etappe, Juni 2021

Grand Tour erster Teil: Basel bis Lac du Joux

Dienstag, 8.6.

Da wir ja noch nicht ohne Quarantäne nach Deutschland oder Frankreich reisen dürfen, bleiben wir einfach in der Schweiz. Wir nehmen uns die „Grand Tour of Switzerland“ vor – eine 1600 km Entdeckungsreise auf Nebenstraßen durch die ganze Schweiz. Es geht über Alpenpässe, zu UNESCO-Welterbestätten, Biosphären und entlang von 22 Seen.

Wir starten die Tour in Basel mit einem Besuch bei Freunden. Gemeinsam machen wir einen kleinen Ausflug zum Rhein. Dort liegt eine von insgesamt vier Fähren, die ohne Motor an einem Seil von einer Seite zur anderen pendeln. Man läutet die Glocke, die am Ufer hängt, und schon kommt die Fähre von der anderen Seite herangefahren.

Wir setzen einmal über und zurück, genießen die relativ schnelle Fahrt (die Geschwindigkeit hängt von der Strömung und damit vom Wasserstand ab) und den Blick aufs Basler Münster. Sehr, sehr nett!

Rheinfähre ohne Motor. Die Fähre hängt an einem Seil und wird durch die Fließkraft bewegt.

Nach dem Besuch fahren wir weiter zur Fondation Beyeler, um uns die Ausstellung „Life“ von Olafur Eliasson anzuschauen. Er hat die Fenster zum Park entfernen lassen und das halbe Museum mit grünem Wasser geflutet. Die Trennung zwischen Innen- und Außenräumen ist  vollständig aufgehoben, und man wandelt auf hölzernen Stegen von außen durch mehrere Räume über grünes Wasser. Auf dem Rasen vor dem Museum sitzen Besucher und lassen die Stille des Parks und den Blick in die gefluteten Räume auf sich wirken.

Ausstellung „Life“ von Olafur Eliasson in der Fondation Beyeler.

Nach dem Museumsbesuch gönnen wir uns ein Abendessen im Dorfrestaurant in Riehen und fahren danach zum Womo-Stellplatz. Der ist an einer Einfallstraße nach Basel und sorgt für eine laute Nacht und wenig Schlaf. Weil es gewittert und schüttet, können wir die Luken nicht öffnen – es ist also nicht nur laut, sondern auch noch warm.

Mittwoch 9.6.

Nach dem Frühstück wollen wir nur noch raus aus der Stadt und beginnen die Grand Tour. Schon nach kurzer Fahrt sind wir auf dem Land; die Ausläufer des Schweizer Jura beginnen direkt hinter der Stadtgrenze. Wir halten in Maria Stein, nach Einsiedeln die zweitgrößte Wallfahrtskirche der Schweiz. In einer Grotte gibt es eine Marienfigur, die für viele Wunder gesorgt hat, zumindest wenn man nach den Hunderten von Votivtäfelchen aus Stein geht, die an den Wänden hängen. Maria Stein ist übrigens ein noch aktives Benediktinerkloster, in dem 9 Mönche mit Durchschnittsalter von weit über 80 den Betrieb aufrechterhalten.

Grotte in Mariastein mit Marienfigur.
Tausende von Votivtafeln zeugen von der Dankbarkeit der Pilger.

Weiter geht’s durch traumhafte Landschaft – Wälder, Wiesen, Hügel soweit das Auge reicht – bis St. Ursanne.

Auch hier gab es ein Kloster, dessen Gründung auf eine Wundergeschichte zurückgeht (angeblich hat ein Mönch hier einen Bären gebändigt – deshalb St. Ursanne). Oberhalb von Dorf und Kloster gab es eine Einsiedelei, die heute mit einer liegenden Mönchsfigur sehr naturalistisch nachgestellt wird.

Das mittelalterliche Städtchen liegt malerisch an einer Flußschleife des Doubs, den wir schon von unseren Frankreichurlauben kennen.

St. Ursanne am Doubs.

Der Ort ist wie ausgestorben; bis auf eine Kneipe, einen Coop und die Touristinformation (immerhin) hat alles geschlossen. Vielleicht corona-bedingt – oder aber noch zu früh in der Saison. Der Stellplatz liegt am Ortsausgang an einer ruhigen Nebenstraße und erlaubt uns eine wesentlich angenehmere Nacht als die in Basel.

Donnerstag, 10.6.

Am nächsten Tag ziehen wir weiter auf der Tourstrecke und genießen die Fahrt durch den Schweizer Jura, bergauf und bergab. Es geht hinauf auf eine Hochebene („Freiberge“ oder „Franche Montagnes“), die berühmt ist für Pferdezucht.

Und tatsächlich weiden hier Kühe und Pferde friedlich nebeneinander. Wir umfahren La Chaux de Fonds, die Geburtsstadt le Corbusiers und die Wiege der Schweizer Uhrenindustrie. Tatsächlich gibt es in der Gegend viele Uhren-Wiegen – überall trifft man auf die Fabriken namhafter Uhrenmarken.

Nach einem kleineren Pass („Vue des Alpes“) fahren wir hinunter zum Neuenburger See, lassen Neuenburg aber links liegen und halten uns Richtung Val de Travers. Das Tal ist berühmt für Uhren, Asphalt und Absinth! Im 19. Jahrhundert wurde der hier abgebaute Asphalt in die Metropolen der Welt geliefert – London, Paris und New York. Die berüchtigte Grüne Fee – Absinth – wird zwar heute noch an jeder Ecke verkauft, allerdings in einer gesundheitsschonenderen Variante.

Blick vom Val du Travers auf den Neuenburger See.

Auf der Fahrt ins Tal bewundern wir den Blick auf den Creux du Van– eine spektakuläre Felsenarena. Unser Stellplatz ist in einem kleinen Ort (Couvet) an einem Sportplatz und direkt am Fluss und lädt geradezu ein zum Fahrradfahren. Das machen wir dann auch.

Freitag 11.6.

Am nächsten Tag fahren wir (nachdem wir den Weg gefunden haben) auf das Hochplateau des Creux du Van. Wir nähern uns der Felsenarena von hinten. Das letzte Stück laufen wir und sind beeindruckt von den fast senkrecht nach unten stürzenden Felswänden. Ein idealer Platz, um die Drohne fliegen zu lassen – ist aber leider verboten ist, weil dort seltene Vögel brüten.

Spektakuläre Felsenarena: Der Creux du Van.

In einem Berggasthof direkt an der Krete und lassen wir die Teilnehmer einer Busreise an uns vorbeiziehen.

Samstag 12.6. bis Sonntag, 13.6.

Am nächsten Tag fahren weiter ins Val du Joux (noch eine berühmte Uhrengegend), ein Hochtal auf rund 1100 m Höhe. Das Navi führt uns weg von der Tour Richtung Pontarlier. So kommen wir auf dieser Fahrt doch noch kurz auf französischen Boden und bunkern auch gleich ein bisschen in einem supermarché. In Le Pont finden wir einen wunderbaren Stellplatz, der nicht in unseren apps aufgeführt ist. Es ist eine Wiese mit Bäumen und danebenliegender Koppel, auf der drei Pferde weiden: ein weißes, ein braunes und ein schwarzes. Alle drei wunderbar gepflegt, mit akkurat gestutzten Mähnen und Schwänzen. Hier bleiben wir zwei Tage, wandern, radeln um den See, genießen die Idylle und das fantastische Abendlicht und hören den Pferden beim Schnauben zu.

Blick vom Dent du Valion auf den Lac du Joux.
Lac du Joux.
Grand Tour zweiter Teil: Vom Lac du Joux nach Thun.

Montag 14.6.

An diesem Tag fahren wir rund 140 km und sind dafür ca. 5 Stunden unterwegs. Die Fahrt ist extrem abwechslungsreich und führt zunächst aus den sanften Hügeln des Jura hinunter zum Neuenburger See. Davor machen wir einen Abstecher nach Romainmotier, um uns die älteste romanische Klosterkirche der Schweiz anzuschauen.

Romanische Kostbarkeit: Die Klosterkirche von Romainmotier.

Nach den Hügeln des Jura geht es ganz langweilig auf der Autobahn im flachen „Unterland“ dem Neuenburger See entlang Richtung Murten. Das trutzige Städtchen hat eine intakte mittelalterliche Altstadt und eine gut erhaltene Stadtmauer mit zahlreichen Türmen. Murten oder Morat liegt genau an der deutsch-französischen Sprachgrenze, die Bevölkerung dementsprechend zweisprachig.

Blick von der Stadtmauer in Murten auf den Murtensee.

Nach Murten fahren wir über Fribourg und Richtung Gruyère. Weil wir Wäsche waschen müssen, haben wir uns einen Campingplatz ausgesucht.  Der Platzwart ist ein bisschen empört, dass wir wagen, ohne Reservierung übernachten zu wollen. Der Platz ist grässlich – und die Waschmaschine schon ausgebucht. Also nix mit Wäschewaschen. Dafür werden wir Zeugen eines kulturellen Clashs zwischen einer Gruppe von Roma und den anderen Campingplatzbesuchern. Die Roma haben in dem Fall die Überhand und beeindrucken mit PS-starken Boliden und perfekt gewienerten Wohnwagen. Ansonsten ist der Campingplatz genauso wie wir uns die Plätze in der Schweiz immer vorgestellt (und deshalb gemieden) haben: eng und spießig.

Dienstag 14.6.

Nix wie weg hier. Die nächste Etappe unserer Tour ist das Simmental im Berner Oberland. Nach den sanften Hügeln des Jura fahren wir jetzt ins Gebirge. Dies ist die Schweiz als Postkartenmotiv und der blaue Himmel mit weißen Wölkchen die perfekte Kulisse.

Wir halten in dem Örtchen Rossinière, bekannt für seine schönen, bemalten Chalets mit Schindeldächern. Überall im Ort hängen gestrickte und gehäkelte „Kunstwerke“. Wir lesen nach, dass die Ausstellung „de fil en aiguille“ (Vom Faden zur Nadel) am 12. Juni, dem Weltstricktag (!), eröffnet wurde und dass die Künstler/innen aus der ganzen Welt kommen. Am nettesten ist eine Reihe von „Promi“-Püppchen.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist IMG_1205-768x1024.jpg

Unser nächster Stellplatz entschädigt für unser Campingplatzerlebnis vom Vortag: Bei einem Bauernhof vor dem Örtchen Zweisimmen stehen wir ganz allein. Der Bauer, der seinen Betrieb bereits vor einiger Zeit aufgegeben hat, empfängt uns überaus freundlich, stellt uns seine Frau und seine beiden Enkel vor, und gibt Tipps für Wanderungen. Später macht er sogar eine Hofführung mit uns, und wir plaudern über die Entwicklung der Landwirtschaft in der Schweiz.

Mittwoch 15.6.

Eigentlich gefällt es uns hier so gut, dass wir gerne noch einen Tag bleiben würden. Aber mit dem Wohnmobil hat sich unsere Einstellung geändert: Vielleicht ist es um die nächste Ecke ja noch schöner. So fahren wir weiter – und finden tatsächlich einen Platz, der den vorhergehenden toppt. Im Diemtigtal, einem Seitenarm des Simmentals, stehen wir bei einem Ausflugsrestaurant auf einer Art Kanzel, die über dem Tal thront. Ein ganz wunderbarer Ausblick.

Ausblicke ins Simmental.

Donnerstag 16.6.

Am nächsten Tag fahren wir wiederum weiter auf der Suche nach dem noch schöneren Platz, aber das ist leider ein Fehler. Während wir im Diemtigtal auf 1100 m sind und auf unserer Kanzel immer ein kleines Lüftchen geht, liegt der nächste Platz „Bim Wald“ nur auf 660 m und ganz geschützt in einer Senke beim Bauernhaus.

Traumhafter Stellplatz „Bim Wald“ – leider ohne Schatten. Links das Mini-Bauernhaus.

Es ist heiß! Im Wohnmobil hält man es sowieso nicht mehr aus, davor auch nicht. Trotzdem ist der Platz eine Entdeckung: Die Gastgeber Hans-Ruedi und Doro sind außerordentlich reizend, Hans-Ruedi gibt uns eine kleine Karte mit Wander- und Radwegen und empfiehlt ein Schattenplätzchen am Waldrand mit Blick auf die Berge. Außerdem ist dies der Stellplatz mit der absolut perfektesten Infrastruktur, was darauf zurückzuführen ist, dass die beiden selbst Camper sind. Hans-Ruedi erzählt über seinen Werdegang und wie sie erst in höherem Alter überhaupt dazu kamen, den Hof zu übernehmen. Vor dem imposanten Bauernhaus steht gewissermaßen eine Kopie en miniature. Komplett mit Balkon, Fenstern und Geranien. Auf Nachfrage erfahren wir, dass dies ursprünglich ein Lagerhaus war, das später demontiert und an anderer Stelle aufgebaut und erst kürzlich wieder am ursprünglichen Platz aufgebaut wurde. Heute steht es unter Denkmalschutz, und ist doch nur durch Zufall erhalten geblieben. Auch hier versprechen wir wiederzukommen!

Bisher haben wir jeden Abend gekocht und im Wohnmobil gegessen. Bei den Temperaturen streike ich jedoch. Wir fahren zu einem Restaurant in der Nähe, das an einem kleinen Badesee liegt, und genießen das Lüftchen, das hier weht.

Freitag, 17.6.

Für heute werden wieder über 35 Grad angekündigt. Bei den Temperaturen mag man weder wandern noch radfahren. Das Gute am Wohnobil-Dasein ist, dass man jederzeit wegfahren kann. Oder auch nach Hause fahren. Genau das machen wir. Wir setzen uns auf die Autobahn und sind in 2,5 Stunden wieder Zuhause. Bei der Hitze ist es daheim auch schön, und außerdem blühen die Rosen.

Stell- und Campingplätze

Auch ein WoMo muss irgendwo parken um darin zu übernachten.
Also gibt es folgende Möglichkeiten:

– Wildcampen/Freistehen
– Übernachten auf dem Campingplatz (CP)
– Übernachten auf dem Stellplatz

Wildcampen in Europa
ist nur in wenigen Ländern erlaubt, z.B. in Finnland, Norwegen und Schweden*.
In den meisten anderen Ländern, auch in Deutschland, darf man für 1 Nacht (10 Stunden) dort stehen, wo es nicht ausdrücklich verboten ist und dies nur um die „Fahrtüchtigkeit wieder herzustellen“.
Aber auch nur, wenn dort nicht ein „Wohnmobil-Verbots-Schild“ steht. Möglich kann dies z.B. auf Autobahnraststätten, auf Privatgrundstücken mit Einwilligung des Besitzers,…sein.

Wenn man „Übernachten“ darf, bedeutet dies (strenggenommen), dass man sich im Fahrzeug aufhalten muss und man weder Campingstühle aufbauen, noch die Markise ausfahren oder auf dem Platz den Grill anschmeissen darf.

*auch hier gibt es aber regionale Regeln bzw. Ausnahmen!

Übernachten auf dem Campingplatz
Das ist natürlich möglich – denn dafür sind CPs da.
Sie bieten Stellplätze gegen eine Gebühr an. Auch für mehrere Tage oder Wochen. Mittlerweile gibt es rund 2.900 CPs in Deutschland, die zusammen rund 210.000 Plätze anbieten. Dies für rund 11 Mio. Deutsche, die im Urlaub Campen.
Je nach Lage des Platzes, der Region und der angebotenen Infrastruktur kostet eine Übernachtung durchschnittlich EUR 30.-
Hierbei sind allerdings „Zusatzkosten“ zu beachten, da auf manchen Plätze jede weitere Person, der Hund, Strom und die Kurtaxe zusätzlich berechnet wird. Auch gibt es CPs auf denen das Duschen extra kostet.

Für diesen Preis bieten CPs aber auch verschiedene Services an, wie z.B. zum „Schutz“ eine Eingangskontrolle für den Platz, oft einen Strom-/Wasseranschluss am Stellplatz, WCs und Duschen, Brötchenservice, ein Restaurant, Schwimmbad, Wellness, Spielwiesen, WLAN, „privates Bad“, usw.

Stellplatz auf einem CP

Da sich die Zahl der Camper in den letzten Jahren massiv erhöht hat, ist eine Voranmeldung/Buchung auf dem gewünschten Platz (zumindest in der Hauptsaison) mittlerweile ratsam. Dies besonders, wenn man einen „speziellen“ Platz wünscht, z.B. direkt am See oder auch, wenn man mehrere Tage auf dem CP stehen möchte.

Die CPs findet man über diverse Apps und Campingplatzführer*. Oft kann man die Plätze online buchen und erhält dann seine „Buchungsbestätigung“. Dies macht allerdings nur Sinn, wenn man bereits genau weiss, wann man, wo sein wird. Was dem spontanen Campen ziemlich wiederspricht…

*die am häufigsten benutzten bzw. interessantesten Apps:
park4night, stellplatz-radar, adac camping, tcs camping, acsi, landvergrnügen, wohnmobilland – z.T. mit zusätzlichem Buch und Bedingung der Mitgliedschaft

CPs eignen sich natürlich auch für Wohnwagen und Zelte.

Übernachten auf dem Stellplatz
Stellplätze sind quasi „Parkplätze“ auf denen man offiziell und meist gegen eine geringe Gebühr (EUR 10.- bis 20.-) mit dem WoMo stehen darf. Die Dauer ist oft auf eine Übernachtung beschränkt.
Die Infrastruktur ist auch hier sehr unterschiedlich: vom reinen Beton-Parkplatz, über Plätze mit Frischwasserversorgung und Abwasserentsorgung, mit Toilette usw. gibt es die unterschiedlichsten Plätze.
Stellplätze sind oft im Besitz der öffentlicher Hand (Gemeinden, Städte) die ungenutzte oder extra angelegte Stellflächen und Parkplätze vermieten, aber auch in privatem Besitz. Das heisst, ein Wiesen-/Hof-/Grundstücksbesitzer bietet einen Platz (gegen Gebühr) an, auf dem WoMos stehen dürfen.

Stellplatz einer Gemeinde im Tessin: grosse Wiese, am Platz wenig Infrastruktur
Stellplatz auf einem Privatgrundstück, mit Einwilligung des Besitzers

Die Stellplätze findet man über diverse Apps und manchmal auch in Campingplatzführern. Reservierungen sind in den seltensten Fällen möglich.
Der Vorteil eines Stellplatzes ist, dass sich dieser oft mitten in der Stadt befinden kann, also für einen Ausflug in der Stadt oder einen kurzen Stopp-Over prädestiniert ist.
Nachteil dann aber: Zentral = laut und nicht sonderlich „romantisch“.
Dafür sind sie günstiger als ein CP, bieten aber auch weniger oder keine Infrastruktur an – oft sind sie nur ein offizieller Park-/Schlafplatz.

Hier hat man den Blick aufs Meer, aber keine Infrastruktur.
Von hier aus erreicht man die Bremer Altstadt in ca. 15 min. zu Fuss


Aber gibt auch ganz andere Plätze – speziell auf dem Land, z.B. bei Winzern oder auf Bauernhöfen.

Traumplatz, für nur ein WoMo, in Bayern

Stellplätze sind nur für WoMos geeignet, aufgrund der Fahrzeuglänge und des geschlossenen Wasser-/Abwassersystems der Fahrzeuge.